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BESCHISSENER JUNI

六月 30, 2018

BESCHISSENER JUNI

es war ein beschissener juni
nicht weil deutschland verloren hat
das war der lichtblick
guten abend gut nacht
ich bin mit meiner arbeit weit hinten
es gibt besorgniserregende nachrichten
natürlich aus den usa
mit rosen bedacht
aber auch aus europa
mit näglein bestickt
konferenzen gegen flüchtlinge
vor einem jahr ist liu xiaobo
schlupf unter die deck
in berlin ein gedenken
liao yiwu und viele andere
morgen früh wenn gott will
gethsemanekirche ein ort der hoffnung
eigentlich sollt ich mich freuen
ich werd übersetzt ich hab bücher geplant
es war ein beschissener juni
nicht weil es geregnet hat
das war der lichtblick
und morgen ist noch eine demo
am anfang hab ich geburtstag gehabt
das war noch ein lichtblick
wie gesagt es schaut nicht so schlecht aus
morgen früh wenn gott will
ist der 30. juni

MW Juni 2018

 

《紐約書評》:2018年7月13日,柏林Gethsemane教堂(Stargarder Str. 77, 10437 Berlin)舉行曉波遠行一周年全球追憶會

A Berlin Memorial for Liu Xiaobo

On July 13, the one-year anniversary of the day the Nobel Peace Prize Laureate Liu Xiaobo died in custody, writers, scholars, and activists will gather at the Gethsemane Church in Berlin to honor his life and work. The service has been organized by the German pastor Roland Kühne and by Tienchi Martin-Liao, the chief editor of Liu’s works in Chinese, German, and English and president of the Independent Chinese PEN Center. They will be joined by the singer and former East German dissident Wolf Biermann, the poet and Nobel Laureate Herta Müller, the exiled Chinese author/musician Liao Yiwu, and the writer Ian Johnson, a regular contributor to the New York Review. Liu’s “life and death,” Johnson wrote in the NYR Daily last year, “stand for the fundamental conundrum of Chinese reformers over the past century—not how to boost GDP or recover lost territories, but how to create a more humane and just political system.”

(Bitte klicken)

Poems by/ Gedichte von

Liu Xia & Liu Xiaobo:

刘霞 Liu Xia POMELO《柚子》JUNE 2nd 1989《一九八九年六月二日,给晓波》HYSTERISCHE REDE《癔语》EIN VOGEL UND NOCH EIN VOGEL《一只鸟又一只鸟》OHNE TITEL (Baum)《无题》 等等, 刘晓波 Liu Xiaobo DU PLATZT《你炸裂》等等。有的在法兰克福汇报、新苏黎世报等等刊登过。

 

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MEIN APPELL – LIU XIA Liao Yiwu 廖亦武:我的呼籲 My Appeal

十二月 14, 2017

MEIN APPELL

Liao Yiwu

Übersetzt von Martin Winter

 

Heute ist der neunte Jahrestag der “Charta 08”. Am 8. Dezember 2008 um 11 Uhr abends drängte sich eine Horde von Polizisten vor der Wohnung von Liu Xiaobo und Liu Xia. Sie hämmerten an die Tür. Liu Xiaobo stand vom Computer auf und rief Liu Xia zu: “Schnell, du musst telefonieren!” Aber Liu Xia telefonierte nicht oft. Es war nicht genug Zeit, sie hatten kaum eine Minute. Sie sagte: “Xiaobo, mach die Tür auf.”

Sie hatte es längst geahnt. Und ihn immer wieder gewarnt.

Xiaobo wurde mit einem dunklen Tuch über den Augen abgeführt. Über einen Monat später führte man Liu Xia in benommenem Zustand in ein Hotel. Dort wartete Liu Xiaobo, man hatte ihn von einem anderen Ort, den er nicht kannte, in dieses streng abgetrennte Zimmer gebracht.

Lieber Freund, du hast uns verlassen. In der Dunkelheit, in der man seine eigenen fünf Finger nicht sieht, hast du noch einen Streifen Licht gesehen. Du hast es stotternd betont: “Ich seh, seh, seh Licht.” Wir haben es nicht gesehen. Liu Xia sagt, sie hat es auch nicht gesehen. Ihre letzte Serie von Fotographien heißt “Einsame Gestirne”. Du, ich, wir, sie, alles einsame Sterne.

Ganz am Ende sind deine Beine auf und ab, auf und ab gegangen, ununterbrochen. Nach über einer Stunde haben Atem und Puls plötzlich ausgesetzt.

Du bist auf dem einsamen Stern dort. Und die Bücher, die Liu Xia in diesen Jahren für dich gekauft hat, die liegen noch im Schrank. Was dir am meisten Leid getan hat, war dass Liu Xia nicht ausreisen konnte, dass sie ihre Freiheit nicht finden konnte. Deshalb schreibe ich diese Zeilen, und mache noch einen Appell.

Ich hoffe, dass die chinesische Regierung aus Gründen der Humanität und des Gesetzes einen Menschen frei lässt, der niemals irgendeines Verbrechens beschuldigt wurde, und der an schwerer Depression leidet. Ich hoffe, dass die Regierungen von Deutschland, Frankreich, USA und alle demokratischen Länder sich dafür einsetzen, und alle Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten. Für die Freiheit der Witwe des Friedensnobelpreisträgers von 2010. Vielen Dank Ihnen allen!

Liao Yiwu
Schriftsteller im Exil, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2012
8.12. 2017

Anmerkung: Liu Xias Gedicht an Herta Müller wurde am 16. Dezember von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) auf Deutsch zuerst veröffentlicht.

Liu Xia:

Liebe Herta,
Ich roll mich zusammen und mach mich klein,
denn jemand hat an meine Tür geklopft.
Mein Hals wird schon hart,
aber ich kann nicht hinaus.
Ich red mit mir selbst,
ich werd verrückt.
Ich bin so einsam,
ich hab kein Recht zu sprechen,
ich darf nicht laut werden.
Ich leb wie eine Pflanze,
und lieg da wie eine Leiche.

Übersetzt von Martin Winter

My Appeal ( 我的呼籲 ):中文在後

Today is the ninth anniversary of “Charter ‘08”. At eleven o’clock at night on the 8th of December 2008, a hoard of police officers flocked towards the home of Liu Xiaobo and Liu Xia. As the pounding on the door resounded through their home, Xiaobo got to his feet in front of his computer and shouted to Liu Xia: “Quick, make the call!” But Liu Xia normally didn’t use a phone…. There was no time. Liu Xia said: “Open the door, Xiaobo.”

She’d long had a premonition. And warned him often….

Xiaobo was led off with a black cloth over his eyes. Over a month later, a disoriented Liu Xia was taken to a hotel where they met again in a sealed room. Xiaobo was brought there from a place he did not know.

My dear friend, you’ve gone. In a darkness so black I can’t see the fingers of my extended hand, you could yet see a trace of light. You always insisted in a stammer: “I see, see, see it.” We didn’t see. Liu Xia says she also did not see. Her most recent group of photographs is called “Solitary Planets”, you, me, us, her, all solitary planets.

On the verge of departure, your two legs were moving up and down, ceaselessly, ceaselessly walking. Up until an hour or so later, till your breath and pulse abruptly halt.

You’re on that solitary planet. And the books Liu Xia bought you these last few years still lie in the bookcase. Your greatest regret was that Liu Xia was unable to leave the country, could not find the freedom that was properly hers. And so I write these words and publicly appeal for her freedom once more.

I hope the government of China, out of basic human decency and in accordance with the law, will release a person suffering deeply from depression who has never broken a law. I hope that Germany, the United States, France, Great Britain and other Western governments, human rights organizations and activists would continue to negotiate with the government of China for the freedom of the widow of the 2010 Nobel Peace Prize laureate.

Thank you all.

Liao Yiwu,
Writer in exile, recipient of the 2012 German Book Industry Peace Prize

Translated by Michael Day

———————————-

Dear Herta

I curl into a ball
As somebody knocks at the door
My neck starts to stiffen
But I can not leave
I speak to myself
I’m going mad
Too solitary
I have not the right to speech
To speak loudly
I live like a plant
I lie like a corpse

Translated by Michael Day

 

我的呼籲

今天是《零八憲章》九周年,2008年12月8日午夜11點,一大幫警察湧向曉波和劉霞的家,擂門聲一陣緊似一陣。曉波從電腦前站起來,衝劉霞喊:“快打電話!”但劉霞平時不用電話。不到一分鐘,來不及了。劉霞說:“曉波開門吧。”

她早就有預感。并一次次提醒。

曉波是被黑布蒙住雙眼帶走的。一個多月後,暈頭轉向的劉霞被帶到一個賓館,在密閉房間中,他們重逢。曉波也是從另一個他不知道的地方,被帶到這兒的。

親愛的朋友,你走了,在伸手不見五指的黑暗中,你也能看見一絲光,你總是結結巴巴強調:“我看,看,看到了。”我們沒看到。劉霞說她也沒看到。她最近的一組攝影叫《孤獨星球》,你,我,我們,她,都是孤獨星球。

你在臨終之際,兩條腿上上下下地走著,不停的,不停的,不停的走著。直至一個多小時後,呼吸和脈搏都嘎然而止。

你在那個孤獨星球。而劉霞這些年為你買的書,還躺在書櫃裏。你最大遺憾是劉霞不能出國,沒辦法找到本該屬於她的自由。所以我寫下這些話,并再次為她公開呼籲。

希望中國政府出於基本人道,依法釋放一個沒任何犯罪記錄的深度抑鬱患者。希望德國、美國、法國、英國等西方民主國家政府、人權組織與活動者們,為2010年諾貝爾和平獎得主的寡婦的自由,繼續與中國政府交涉。謝謝您們。

廖亦武
流亡作家,2012年德國書業和平獎獲得者

2017年12月8日,《零八憲章》九周年

注:附件是劉霞在數日前寫給2009年諾貝爾文學獎獲得者赫塔 米勒的分行信

注:附件是劉霞在數日前寫給2009年諾貝爾文學獎獲得者赫塔 米勒的分行信

親愛的赫塔:

我蜷縮成一團
因為有人敲嚮了門
我的脖子開始變得僵硬
我卻不能離開
我自言自語
我要瘋了
我那麼孤單
我沒有權力說話
大聲說話
我像植物一樣活着
我像屍體一樣躺着

Photos by Liu Xia

KLAGE UM LIU XIAOBO – 廖亦武 Liao Yiwu – 給劉曉波的輓歌

九月 25, 2017

LIU XIA. Eine Fotografin aus China.
Vernissage am 10.Februar 2015.
Ausstellungsdauer: 21.Februar – 19.April 2015 m Martin Gropius Bau Berlin.
LIAO YIWU

KLAGE UM LIU XIAOBO

Von Liao Yiwu

Er ist tot, was kann das ändern.
Hell scheint die Sonne, Schnee auf den Alpen
glitzert wie Fischschuppen. Seine Asche im glitzernden Meer,
Fischschuppen. Unsere Erinnerung an ihn
schwimmt weg wie Fischschuppen?
Was wird das ändern, er ist tot.

Ein zerrissenes Buch.
Seine Frau, ein verletzes Lesezeichen
rutscht aufs Bettpolster. Sie schaut ihn an,
möcht sich hinwerfen, schrein: „Du darfst nicht sterben! Mein Lieber, stirb nicht, oh Gott!”
Aber sie darf nur schweigend zuschauen,
ein rausgefallenes Lesezeichen,
schaut wie sein Buch zerrissen wird, Seite für Seite.

Die ganze Welt sieht, wie er umgebracht wird.
Weißkittel geistern rund um ihn im Käfig.
Ein Büchermensch, wollt um den Tod nicht China verlassen.
Politischer Häftling, vier mal im Gefängnis,
sagt nun er will im Westen sterben. Hört es irgendwer?
Bist du taub, hast du doch einen Mund.
Bist du stumm, du schaust doch noch zu!
Bist du blind – können Blinde sich aufregen?
Über eine Milliarde Blinde, werden sie sich aufregen?
Was kann das ändern, er ist tot.

Ich wart noch auf die Nachricht, dass sein Flieger abhebt.
Vögel schreien im Wind, in der Nacht.
Blüten fallen, Gras wächst. Frau und Tochter im süßen Schlaf.
Ich geh als Geist auf und ab in der Nacht. Er kommt näher,
fegt als Komet am Horizont. Flug in den Himmel, von 1989?
Lässt die Hand seiner Frau los,
sagt ihr noch, sie soll leben, so gut sie nur kann.
Das war vor vielen Jahren am Tian’anmen.
Panzer dröhnen. Schüsse, Schüsse.
Kinder fallen in Reihen, im Reigen. Seelen steigen,
sagen ihm Lebewohl. Sagen ihm, er soll leben,
so gut er nur kann für die Geister des Massakers.

Was wird das ändern, er ist tot.
Angenagelt von der KP, ewig wie Jesus;
steht auf in Folter und Tod.
Ich wart noch, dass sein Flieger abhebt,
dass er seine letzten Zeilen an seine Liebe zu Ende schreibt,
seine Frau in die Ferne begleitet, in der Fremde begraben wird.
Dass wir oft hingehen können, um nach ihm zu sehen;
wenn die Nacht niedersinkt, die Vergangenheit fließt durch die Zweige.

Aber alles ist uns zersprungen. Er hat keine Freiheit,
im Leben nicht und nicht im Sterben. Seine Asche, seine Liebe.
Die ganze Welt schaut zu, wie ein aufrechter Mensch,
ein besonderes Buch, wie es langsam zerrissen wird.
Niemand kann sie aufhalten, die ignorante Gewalt.
Aber jeder möchte sie aufhalten!
Was kann das ändern, lieber Gott.
Er ist tot.

11. August 2017, frühmorgens.

Übersetzt von MW im August 2017

 

 

給劉曉波的輓歌

廖亦武

 

他死了,這又能改變什麽
陽光明亮,阿爾卑斯山巔的殘雪在遠方
如閃爍的魚鱗,他的骨灰被拋向閃爍的大海
如魚鱗,我們對他的追憶
也魚鱗般漸行漸遠麼?
這又能改變什麽,他死了

一本被撕毀的書
而愛人,是受傷的書籤
滑落床頭。她注視著他
她想撲上去喊:“你不要死!親愛的,我不要你死,上帝啊!”
但她只能默默注視
如滑落的書籤注視書被撕毀,一頁又一頁

全世界都看著他被謀殺
囚籠環繞著白衣鬼魂
這個曾經死也不離開中國的讀書人
這個四次坐牢的思想犯
如今說死也要死在西方。聽見了嗎,人們
如果你聾了,至少還有嘴
如果你啞了,至少還在看
如果你瞎了——瞎子會憤怒嗎
十幾億中國瞎子會憤怒嗎
這又能改變什麽,他死了

我還在等待他起飛的消息
成片的鳥在風中哀鳴,那個深夜
花瓣在落,草在長,妻子和女兒在酣睡
我是一個幽靈在黑暗中徘徊。他漸漸近了
身影如篲星划過天際
去天堂的航班,有八九六四嗎
他鬆開妻子的手,叮囑她好好活下去。那是多年以前
他在天安門,坦克轟鳴,一陣陣槍聲
孩子們成群結隊倒下,靈魂爬起來
與他告別。他們叮囑他要活下去
為了大屠殺的亡靈而好好活下去

這又能改變什麽,他死了
被共產黨釘在十字架,永恆如耶穌
在虐殺中復活
我還在等待他起飛的消息
等待他寫完最後的情書
他送妻子到萬里之外,然後埋骨異鄉
我們會經常去看他。當夜幕低垂
往事如河流掠過樹梢

但一切都碎了,他沒有自由
生死,骨灰,愛,都沒有自由
全世界眼睜睜看著一個高尚的人
如一本出色的書,被緩緩撕毀
沒有誰能阻止這無知的暴行
可誰都希望能阻止!
這又能改變什麼,親愛的上帝
他死了

2017年8月11日淩晨

TARIM RIVER – 廖亦武 Liao Yiwu

一月 16, 2016

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Liao Yiwu

TARIM RIVER
– dedicated to Ilham Tohti, the Uighur scholar sentenced to life in prison

River Tarim, River Tarim.
River in exile, water in jail.
Died in the desert, dying of thirst.
Wind keeps on playing reeds in the sky,
eternal water, somewhere up there.

River Tarim, River Tarim.
Hounded to death, hounded and cursed.
How many grains of sand in your tears?
You have to know who your mother is,
who your mother is?

River Tarim! River Tarim!
River of prayer, river of hope.
River, for freedom you are dried out!
River, for freedom you’re all alone!

………

1) The Tarim river originates in the Tianshan mountains. It flows through vast desert areas. The river cannot find an outlet from the desert, and so the river bed changes every year. The biggest prisons and labor camps in China are found in the Tarim river area, which is therefore also called “China’s Siberia”.

2) Ilham Tohti is an economics professor at Minzu University in Beijing and the foremost Uighur public intellectual in the People’s Republic of China. He was sentenced to life in prison in September 2014 for advocating basic economic, cultural, religious and political rights for the Uighurs, the largest indigenous people in northwestern China. (Amnesty International)

2015
Translated by Martin Winter, 2015

Liao Yiwu
TARIM

Der Fluss Tarim, der Fluss Tarim.
Fluss der Verbannung, Fluss eingesperrt.
Fluss der versiegt, verdurstet im Sand.
oben im Wolken-Schilfrohr der Wind,
oben im Himmel rinnt noch der Fluss.

Der Fluss Tarim, der Fluss Tarim.
Du wirst gejagt, verflucht in den Tod.
In deinen Tränen steckt wieviel Sand,
kennst deine Mutter, kennst du sie nicht?
Kennst du sie nicht?

Der Fluss Tarim! Der Fluss Tarim!
Fluss aus der Hoffnung, Fluss des Gebets!
Fluss der für Freiheit trocknet, versiegt!
Fluss der für Freiheit alleine bleibt!
…..

1) Der Tarim entspringt im Tianshan-Gebirge. Er fliesst durch weite Wüstengebiete. Weil er keinen Ausweg findet, ändert sich jedes Jahr sein Flussbett. Im Gebiet dieses Flusses befinden sich die größten Gefängnisse und Straflager in China. Deshalb wird die Gegend auch “Chinas Sibirien” genannt.

2) Ilham Tohti ist ein uighurischer Universitätsprofessor in Peking, der sich für Bürgerrechte in der Autonomen Region Xinjiang einsetzte. Im September 2014 wurde er in Ürümqi wegen “Separatismus” und “Verhetzung” zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

2015
Übersetzt von Martin Winter, 2015

塔里木河

——獻給被判無期徒刑的維吾爾學者伊力哈木

廖亦武

塔里木河,塔里木河,

被流放、被囚禁的河,

沙漠裡渴死的河,

風兒吹動天上的蘆葦,

那是永恒的水。

塔里木河,塔里木河,

被詛咒、被追殺的河,

眼淚裡含滿沙子的河,

你可知道誰是母親?

你可知道?

塔里木河!塔里木河!

祈禱著盼望著的河

為了自由而幹枯的河

為了自由而孤獨的河

……

(註:塔里木河發源於天山,流經大片沙漠和戈壁,由於找不到出口,它每年都改變河道。
塔里木河流域分佈著中國面積最廣的監獄和勞改農場,號稱“中國的西伯利亞流放地”)

Yi Sha freedom

CHANG‘AN POESIEFEST IN DARMSTADT 达姆施塔特 – 法蘭克福長安詩歌節

十月 19, 2015

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《法蘭克福長安詩歌節》

法兰克福长安诗歌节
这次没有中国人
我朗诵廖亦武
新的长诗《监狱°寺庙》
德语版
还有我自己的《祈祷》
其他人拉手风琴
吹长笛
唱北欧拉脱维亚民歌
像中国街口
城市高速底下
几位老工人拉手风琴
两三个人
四个人
以诗歌的名义
以音乐的名义
团结起来
干杯
我也在他们桌下
中间
耶稣是这样说的吗?

2015.10.19

HORIZON

a smokestack
a chimney
a phone antenna
and a big tree
form lady liberty
maybe not

MW October 2015

Frankfurt3Bahnhof

BEI THOMAS & CORNELIA:Chang’an Poesiefest

wo 2 oder 3
oder auch 4
einander zuprosten
im namen der poesie
der musik
da bin ich mitten unter dem tisch

chang’an poesiefestival
diesmal ohne chinesen
in darmstadt bei frankfurt
ich lese liao yiwu
das neue lang-gedicht
MEIN GEFÄNGNIS. MEIN TEMPEL
aus der zeitschrift akzente
herausgegeben von herta müller
und mein GEBET
thomas spielt akkordeon
eine art knopfharmonika
cornelia querflöte
hauptsächlich arbeiterlieder
jackie singt lettische weisen
wir singen mit
fast wie wenn in china
unter der stadtautobahn
an einem neuen kanal
wo eine fabrik war
und jetzt teure wohnblöcke stehen
zwei, drei musik machen

chang’an poesiefestival
kommt natürlich aus xi’an
von yi sha gegründet
mit qin bazi & xidu heshang
& vielen anderen

chang’an poesiefestival
das gibt es an vielen anderen orten
nur nicht ohne yi sha
insgesamt über 200mal

private treffen mit poesie
das hat etwas von freiheit
es kommt mehr zur sprache
als auf großer bühne

wir haben auch so etwas gemacht

MW Oktober 2015

KOLIK

HORIZONT

ein rauchfang
ein schornstein
ein handymast
und ein großer baum
eine freiheitsstatue
oder auch nicht

MW Oktober 2015

《早上风景》

一条烟囱
一棵树

是一条烟囱吗?
一条电话天线
是这样说的吗?

一条电话天线
和一棵树

自由女神
也许不

2015.10.19

KOLIK 001

EIN GEDICHT

ein gedicht eine
berührung wen du
berührst weisst du nicht

MW Oktober 2015

jackie leaving

廖亦武維也納朗誦會 – Liao Yiwu at Vienna Literaturhaus

十月 9, 2015

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Liao Yiwu: Reading at Literaturhaus Vienna
Thursday, 8th of October 2015
PRISON. TEMPLE. (Long Poem) 廖亦武:監獄-寺廟
Liao Yiwu (China) Mein Gefängnis. Mein Tempel.
Übersetzt von Martin Winter. Veröffentlicht in Akzente, Sept. 2015。 Hg. von Herta Müller und Jo Lendle.
Moderator: Wolfgang Popp
Music: Liao Yiwu
Interpreter: Yeemei Guo

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廖亦武:監獄-寺廟

今日冬至,一年中最長的夜
我想起司馬和尚,教我吹簫的師父
在監獄內縮著脖子
猶如一隻已經活夠一千年的烏龜

司馬和尚,或者烏龜的罪名
是顛覆共產黨國家。在遙遠的窮鄉僻壤
數不清的溪流從天上淌下來
帶著雲的倒影,牛羊在雲裡霧裡吃草的倒影
還有星星的倒影。晚秋時分
風兒如密集的響箭射過來,唸佛的和尚
偶爾在廟堂,袖手對若干香客
談論群山盡頭的北京
帝王之都,相當於《西遊記》裡
群魔亂舞的天朝。如果在古代
書生騎馬趕考,至少三個季節才能抵達
西天取經的唐三藏九死一生

不料朝廷鷹犬聞訊而至
這是發明了飛彈的當代,神往唐三藏一般
遠行朝佛的和尚,來不及告別晨鐘暮鼓
就遠行入獄。袈裟換囚服
這是另一個廟,見面禮
是獄吏的三記耳光。唯一的牙齒脫口而出
他拜倒在地,剎那頓悟

修行人啊,獄吏是另一尊佛
當時代如瘋狗,原地打轉
那就咬住自己的尾巴,原地打轉好了
於是日復一日,司馬和尚在傍晚
埋頭吹簫。中國人的歷史順著這竹管
如天上的溪流淌下來。莊子說
聽得見、寫得出的聲音和文字叫人籟
世間的生老病死、愛恨情仇都在其中
而高於人籟的是地籟
大地母親的聲音。石頭、泥巴、木頭和故鄉
太陽的陰莖翻來覆去抽送
種子發芽,村莊燒毀,戰亂突發,勇士回鄉
送葬的長隊爬攏坡地,殤歌裊裊之際
產婦的陣痛開始。有人問,這嬰兒誕生於
陰道還是地縫

無法回答
最高的哲學命題往往無法回答
比如我們從哪兒來、到哪兒去、我們是誰
在偉大的老子眼裡
一切的一切,都出自天籟
看不見、摸不著、聽不見的天籟
超越於我們,卻每時每刻
環繞在我們身邊。哦,西方人叫上帝
許多西方人懷疑上帝的在
許多中國人也懷疑天籟的在

為什麼叫上帝,為什麼叫天籟
為什麼叫天空,為什麼叫牛、羊、豬
還有狗,還有雞,還有雙關語
麵包象征丰富,枯葉暗示重病
獨裁暴君將老百姓比作牲畜,隨意宰割
世間種種命名從何而來?莊子説
如果一開始,我們把天空叫駿馬
那籠罩在人類頭頂的就叫駿馬
而不叫天空。雲
就叫不斷變幻的馬尾。風就叫馬屁
從原野徐徐吹過

司馬和尚繼續冥想
猶如此刻,我在柏林的冬至夜
寫一首叫“冥想和平”的詩,用舌尖品味
從四川老家捎過來的酒
有點辣,有點麻,有點回甜
監獄离故鄉太遠
監獄是司馬和尚這輩子抵達的
最遠的廟。相當於古印度的蘭毗尼
釋迦牟尼誕生地。也相當於今印度的達蘭薩拉
轉世中的達賴喇嘛和噶瑪巴
從西藏翻越喜馬拉雅山脈
流亡於此

老和尚不明白流亡的意義。坐牢的某日
他吹一段簫,讀一段《人民日報》
竟然問出產達賴喇嘛的“西藏”可是“西天”
對此我能說什麼,反正西藏是世界屋脊
緊貼著西天的肚皮。他接著問
無字天書可寫在西藏?對此
我更不能說什麼。反正那兒石頭滿山跑
如地老天荒的骷髏。腦門飄著經幡
風化的眼窩填滿六字真言。
《佛經》無祖國。正如
《聖經》《可蘭經》和《道德經》

所有美好經卷都無祖國
創造經卷的人呢
祖國在哪裡?高牆上下
鷹隼、囚徒或爬蟲的祖國在哪裡

司馬和尚是一條船
在虛無的波濤中
越漂越遠。他不認得西藏
可前世發源於雪域。正如長江的上游
是通天河。雅魯藏布江的下游
是雲南怒江。奔騰向南
是緬甸、老撾、泰國共有的湄公河
祖國和名稱變來變去,可水還是水
被《道德經》和《山海經》一吟三嘆的
峰迴路轉的水

各種語言裡發音不同的水
喝一口就知道
各種語言裡叫法不同的簫
吹一下就知道
各種語言裡形狀不同的船
坐上去就知道。
幾隻祖籍中國的烏鴉,不需要海關
就降落在德國,降落在
一個中國流亡者的庭院內
它們的呱呱鄉音,驚醒
在夢中學德語的我,以及
在松樹枝頭詩意棲居著的荷爾德林
司馬和尚還在吹簫。不不
夜很靜,多年前的老和尚
在我的幻覺裡吹簫。正如幻覺裡同時浮現
中國烏鴉和荷爾德林

這是一個和平的起點,荷爾德林因此
寫下《追憶》和《返鄉》
我在追憶,老和尚也在追憶
時間的此岸和彼岸,在追憶的剎那相聚
我在柏林,靈魂在追憶的剎那返鄉
老和尚在監獄,靈魂在追憶的剎那刑滿釋放

我牽住他虛無的手,漫步於
中國的上空。不不
獨裁中國早已分裂
這十幾億人口的地盤,重新拼湊成
幾十個聯邦。五花八門的意識形態
總統、議會和原始部落並存
歷經劫難的百姓終於安居樂業。葉落歸根
分裂思想卻繼續傳播。有人在選舉前夕
出演《哈姆雷特》:“生存還是毀滅”
有人卻在幕后鸚鵡學舌:“投票還是不投”
於是觀眾紛紛模仿驢叫:“不生存也不毀滅”
而一墻之隔
比梵蒂岡更小的鄰邦
“空談誤國”成為時尚,無所事事的
老子和李白,沒日沒夜飲酒、聊天、對弈
舉棋不定之際,孔子
從黃河出海口的魯國跑來圍觀,指點江山
道可道,非常道,老子笑道
仁弟好為人師,就罰你到青海柴達木做大使

沒料到孔子答應移民
他身長九尺,門徒三千
旅居了十幾個國家,以全球教育為己任
天蒼蒼,地茫茫
故鄉是回不去的遠古,況且
柴達木是鹽湖,可供人類吃幾十萬年
知識也是鹽,孔子即興演講
劫難記憶更是世世代代
不可缺少的鹽。史書記載著
毛澤東、鄧小平、大饑荒、改造
天安門屠殺、法輪功、西藏自焚
猶如德國史書記載著希特勒、猶太人、滅絕
六月十七日起義、昂納克、柏林牆
俄羅斯史書記載著列寧、集體農莊、斯大林
古拉格群島、冷戰和車城戰爭
所有罪惡檔案都深藏地下
不會屍體一般腐朽,也不會
種子一般發芽破土。“永遠不要再發生”
鐫刻在達豪集中營

“永遠不要再發生”鐫刻在
新疆、西藏、廣東、上海的海關、鬧市、墓地
鐫刻在北京故宮、四川人的菜譜、貴州人的
茅臺酒窖、浙江人的西湖
共產帝國、全球監控
喬治.奧威爾的《一九八四》
——“永遠不要再發生”

我吹簫,司馬和尚在我的氣息裡
吹簫。二十多年前
我們相逢獄中,誰曾想過
滄海桑田,老天
會不由自主變得更老
異國他鄉的囚籠是否
有吹簫的和尚?吹單簧管的神父
或吹巴烏的阿訇?一位擅長倉央嘉措情歌的活佛
在拉薩土牢關押多年。當獄吏
禁止吟唱,他心生恨意
卻隨之追悔。達賴尊者啊,這多麼危險
當歌喉被掐斷,我詛咒,我失去了
出家人應該的慈悲

比牆更高的是山

比山更高的還是山

你在夢中越獄
翻過牆、翻過山、翻過雲

俗話說“心比天高”
這個“心比天高”的監獄
誰能翻得過去

已在彼岸的司馬和尚
借我的軀殼如是說
冥想和平的孤鳥
在夜幕盡頭,如閃爍其辭的孤星
簫聲或風聲停了
起伏的樹影與瓦脊
轉瞬凝固,如舊電影裡
褪色的波濤
飲下最後的酒睡吧
最後的四川老家,睡吧
還有藏在樹影背後的荷爾德林
凍得發抖的白嘴烏鴉,早逝的
姐姐和父親,睡吧睡吧
誰的內心永無寧日

2013年歲末於柏林

KOLIK

LIAO YIWU IN VIENNA

十月 6, 2015

Ballester_JM_1658-La_Balsa_de_la-MedusaThursday, 8th of October 2015
20:00 h

First time in Austria!

»Human Life is Fiction.«

Liao_Foto_Ali_Ghandtschi

Liao Yiwu: Reading at Literaturhaus Vienna, Seidengasse #13, 7th district

Moderator: Wolfgang Popp (Author and Journalist)
Reading: PRISON. TEMPLE. (Long Poem)
Liao Yiwu (China) Mein Gefängnis. Mein Tempel.

erschienen in AKZENTE 3/2015, hg. v. Herta Müller,
deutsche Übersetzung von Martin Winter / 2015

Akzente3_24960_MR1.indd
Music: Liao Yiwu
Discussion
Wolfgang Popp and Liao Yiwu
Interpreter: Yeemei Guo

KOLIK

LICHTUNGEN 141 奥地利格拉茨《林中空地》文學雜志

二月 12, 2015

MALALAMartin Winter
EINLEITUNG ZUM CHINESISCH-DOSSIER

Am liebsten würde ich ein ganzes Heft gestalten. Das Cover. Malala gewinnt den Friedensnobelpreis. Apple Daily in Hongkong. Malalas Kopf, rundherum alles Chinesisch.
“Ich möchte weder Rache an den Taliban, noch an irgendeiner anderen Organisation. Ich möchte meine Stimme nur dafür erheben, dass jedes Kind ein Recht auf Unterricht hat. Mein Traum ist, dass alle Kinder, auch die Söhne und Töchter der Terroristen und Radikalen, in die Schule gehen können und Bildung bekommen. Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch, ein Stift – kann die Welt verändern.” Hat sie das wirklich gesagt? Ich habe mir ihre Rede angeschaut, auf Youtube. Englisch, Urdu, Pashto. Auf der Bühne mit ihrer Familie. Ihr Bruder, ihre Eltern. Der Bruder wird neidisch sein. Sie bemüht sich sehr um Harmonie, ist wirklich froh, dass auch jemand aus Indien gewonnen hat, der für Kinderrechte einsteht.

Dieses Cover. Nur das Bild. Foto: Apple Daily. Das ist auch schon ein Hinweis auf die Proteste in Hongkong von August bis Dezember 2014. In den USA gab es auch Proteste, für Bürgerrechte, in der Nachfolge von Martin Luther King. Und in Österreich meldet wenigstens das Gratisblatt “Österreich” wieder einmal, dass Strache als Neo-Nazi im Gefängnis war. Strache heißt Furcht und Schrecken. Graz heißt Stadt. Eine wichtige Stadt für die Literatur. Eine gar nicht so heimliche Hauptstadt, zu manchen Zeiten. Für den Schrecken. Für die Literatur, etwas später. Yi Sha 伊沙, der am 17. März in Graz seine Texte vorstellt, die in manchem an Ernst Jandl erinnern, kommt aus Xi’an 西安. Hauptstadt schon vor über 2000 Jahren. Terrakottakrieger. Tang-Gedichte. Von daher kommt Gustav Mahlers Lied von der Erde.

Eine wilde Mischung. Sich der Gewalt stellen. Respekt geben, zeigen, und damit auch fordern. Haben sie das gemeinsam? Yang Lian 楊煉, ein großer Dichter, aktiv und engagiert seit den 1970er Jahren. Liu Zhenyun 刘震云, bis vor zwei Jahren vielleicht bekannter als Mo Yan, auf jeden Fall unterhaltsamer. Richard Claydermann und die Trommeln in den Bergen. Klingt vielleicht eskapistisch. Aber Liu Zhenyun geht es um Aufarbeitung, und um Respekt für die kleinen Leute. Er kommt aus einem armen Dorf und ging zur Armee, um schreiben zu können – wie auch Mo Yan 莫言 und manche andere.

Respekt zeigen, und damit einfordern. Zheng Xiaoqiong 郑小琼 tritt auch am 17. März in Graz auf. Ihre Texte kommen aus den Fabriken in Dongguan. Das ist im Perlflussdelta, nicht weit von Kanton 広州, Hongkong 香港 und Shenzhen 深圳. Xu Lizhi 许立志 sprang in Shenzhen in seinen Tod. Bei Foxconn 富士康, wo sich schon viele Arbeiter und Arbeiterinnen umgebracht haben. Foxconn fertigt Computer und Telefone für Apple. Xu Lizhi war ein sehr begabter Dichter. Bei Zheng Xiaoqiong kommen viele Kolleginnen vor, die nicht mehr am Leben sind. Oft wegen Unfällen. Viele sind auch verschwunden.

Respekt zeigen, und Hoffnung geben. Wie Malala. Viele Frauen sind in diesem Dossier, verglichen mit anderen Kunstsammlungen, nicht nur chinesischen. Fünf Frauen, von elf Autorinnen. Zwei mit Prosatexten. Zheng Xiaoqiong hat sehr gute Reportagen geschrieben, leider habe ich bis zum Redaktionsschluss noch keine fertig übersetzt. Aber von Zheng Xiaoqiong kommt bald ein Buch in Österreich heraus, mit Reportagen und Gedichten. Bei FabrikTransit. Und in Wien gibt es am 20 März am Ostasieninstitut der Universität Wien einen Workshop mit Zheng Xiaoqiong, auf der Grundlage von einer Reportage und anderen Texten. Und eine Lesung gibt es, veranstaltet vom Institut für Sprachkunst der Universität für Angewandte Kunst.

Hao Jingfangs 郝景芳 Science-Fiction-Geschichte ist der längste Text in diesem Dossier. Widerstand. Wie ist Widerstand möglich, wenn aller Widerstand gegen den Staat längst gebrochen wurde?
Kaufen Sie das Heft, lesen Sie, wie es geht. Oder lesen Sie von Ma Lans 马兰 ”Doppeluterus“, und unerklärlichen Spuren im Schnee. Von Liu Xias 刘霞 Charlotte Salomon. Soll noch einer sagen, chinesische Literatur sei nur über China. Alle Beiträge reden über Respekt, und über Rechte. Sehr allgemein.

681832015

Rire, bordel de Dieu ! par Charb

一月 13, 2015

“Ne perdons pas notre temps en vains discours. (Un temps. Avec véhémence.) Faisons quelque chose, pendant que l’occasion se présente! Ce n’est pas tout les jours que l’on a besoin de nous. Non pas a vrai dire qu’on ait précisément besoin de nous. D’autres feraient aussi bien l’affaire, sinon mieux. L’appel que nous venons d’entendre, c’est plutôt à l’humanité tout entière qu’il s’adresse. Mais à cet endroit, en ce moment, l’humanité c’est nous, que ça nous plaise ou non. Profitons-en, avant qu’il soit trop tard. Représentons dignement pour une fois l’engeance où le malheur nous a fourrés. Qu’en dis-tu? (Estragon n’en dit rien.) Il est vrai qu’en pesant, les bras croisés, le pour et le contre, nous faisons également honneur à notre condition. Le tigre se précipite au secours de ses congénères sans la moindre réflexion. Ou bien il se sauve au plus profond des taillis. Mais la question n’est pas là. Que faisons-nous ici, voilà ce qu’il faut se demander. Nous avons la chance de le savoir. Oui, dans cette immense confusion, une seule chose est claire : nous attendons que Godot vienne.”

Je suis Charlie cn

taube

鸽子

Liao Yiwu Charlie Hebdo

La Griotte

PARIS: Event dedicated to the fight against racism

Voici un texte publié par Charb, directeur de la rédaction de Charlie Hebdo tué ce matin. Il l’avait publié en octobre 2012. Il s’intitule “Rire, bordel de Dieu”

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Poetry and music

三月 16, 2012

Music and poetry in present-day China and Taiwan

How are poetry and music combined? What differences and what similarities are there within and between China and Taiwan in today’s relationships of music and poetry?

Yan Jun (Lanzhou/ Beijing) has become well known since 2003, both for his sound projects and for his poems. Yan Jun wrote about parts of the music scene in China in 2010. His article is collected in the book Culturescapes China (Basel 2010), with other representative texts on recent music and literature.

Some of Yan Jun’s poems are related to political events and concerns. All poetry is political, he once said, which may evoke discussions about art and politics in general, by Adorno and others. On the other hand, Yan Jun has tried to maintain a stance that avoids direct confrontation with the government and negotiates a largely underground breathing space for art and music.

Singers, musicians and poets, artists in general have to organize themselves and work in a way that gets noticed, without going to jail. The ones that do become dissidents and end up imprisoned or in exile are a small minority. Some are more concerned with politics than with art. Others, like Liao Yiwu, have made experiences that have linked their art and their concerns for society in a way that makes it hard for them to continue working, publishing and living in China. Liao Yiwu is a famous example. His approaches to poetry and music are inextricably linked to his experiences at the bottom of society in China. Liao Yiwu left China last year and currently lives on a scholarship in Berlin. He visited Taiwan in January and February 2012. I was fortunate to witness two of his performances in Taipei and Tainan. It was exciting to witness how fast people in Taiwan were able to connect with Liao Yiwu. In Tainan, the reading was at a university, introduced by professors teaching Taiwanese and Hakka, not Mandarin Chinese. The dynamics of music, history, language and poetry were very remarkable.

At the end of Liao Yiwu’s reading in Taipei, he asked Lo Sirong to sing a traditional song in Hakka, a lullaby sung by a working mother, sung mostly to placate herself, perhaps. Lo Sirong is part of a mostly female network of poets and musicians who collaborate on different projects in Taiwan and beyond. One recent project is Fullmoon (Sleepless in moonlight), a six-edition online poetry-sound magazine organized by Tong Yali. In Spring 2012, I translated seven poems by Wu Yining, a Taiwanese reporter, local activist and poetess. She first came to prominence in 2001, reporting from an uprising in Mexico. Wu Yinning quotes rock songs sung in Taiwanese, among other sources.

Singing in different languages, and the use of different languages in general are well integrated in today’s Taiwanese society. There is a general consensus on the protection of cultural diversity. But although Mandarin is no longer the only official language, social and economic conditions nevertheless serve to favor its use.

Cooperation with singers/ songwriters from Mainland China is increasing; there were many concerts by Mainland singers/ songwriters in Taiwan in February 2012. These artists were introduced in the magazine POTS (Weekly supplement Nr. 699, Feb. 24 – March 4, 2012, p. 14/15)

The famous Taiwanese poetess Hsia Yü (Xia Yu) is also famous for her song lyrics, published under pseudonyms. There is a history of pop, rock and DJ culture in Beijing behind Yan Jun’s sound projects, and there is a history of pop songs from Taiwan and Hong Kong since the end of the 1970s that has influenced Mainland China. People who were young at the beginning of the 1980s remember the pop songs of Teresa Teng (Deng Lijun). After the Cultural Revolution, such songs supplanted the Maoist propaganda – they were subversive because they were not political at all. Hou Dejian, who ran away from Taiwan to Mainland China, became the most important cultural figure in the 1989 Beijing Tian’anmen protests that ended with the June 4th massacre in the city. Other artists also performed on Tian’anmen Square, most notably “Rock Music Godfather” Cui Jian. But Hou Dejian was actually crucial to the outcome of the protests. He galvanized the protests in the last few days, along with Liu Xiaobo, Zhou Duo and Gao Xin. And because of his popularity, because even the soldiers knew his songs, Hou Dejian was able to help negotiating the retreat of thousands of students from the square in the early hours of June 4th.

Poetry and music, in traditional forms, such as opera, and in present projects, show the differences and similarities between more official and more informal settings and occasions. Present-day connections between poetry and music in China and in Taiwan enable informal and spontaneous social connections.


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