Lesung 12.4. Gerhard Ruiss – Bei Ling

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Verhaftungswelle – Ai Weiwei, vorher schon andere Künstler wie Wu Yuren; auch Ran Yunfei und viele andere Blogger, Teng Biao und viele andere Menschenrechtsanwälte …

Gao Zhisheng (Anwalt) seit Jahren verschwunden, vorher mehrfach inhaftiert und gefoltert

Viele unter Hausarrest und abgeschirmt, in letzter Zeit verschärft, auch Liu Xia, Frau von Liu Xiaobo.

Seit Oktober durfte niemand Liu Xiaobo besuchen, auch seine Frau nicht. Falls Bruder oder Eltern doch einmal hindurften, dann unter Geheimhaltung, alles abgeschirmt, jeder Kontakt nach außen wird strengstens verhindert.

Liu Xianbin wurde letzte Woche wieder zu 10 Jahren wegen Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt verurteilt. Seit 1989 bekam er insgesamt 25 1/2 Jahre, u.a. wegen Gründung einer Oppositionspartei. Solche wie ihn gibt es noch mehrere, sie sind halt alle nicht so bekannt wie Liu Xiaobo. Liu Xianbin kam erst 2008 frei, unterschrieb aber sofort die Charta 08 und wurde 2009 wieder erhaftet. Er hat eine Tochter im Teenageralter, die ihren Vater hauptsächlich von Besuchen im Gefängnis her kennt. Es gibt einen sehr interessanten Text von Liu Xianbins Frau Chen Mingxian (leider nur auf Chinesisch), in dem sie von ihrem Leben seit 1995 erzählt. Sie ist einfache Lehrerin, lernte zufällig Liu Xianbin kennen, wurde langsam in die Dissidentenszene hineingezogen, beschreibt sehr eindringlich ihr tägliches Leben in einer kleineren Stadt, mit häufigen Polizeibesuchen.

Seit Februar gibt es im Internet Aufrufe, in 10-15 Städten auf die Straße zu gehen, jeden Sonntag, gegen hohe Lebensmittelpreise, Korruption und viele Misstände; ohne Transparente, einfach Spazierengehen an bestimmten Orten, höchstens manchmal Sprechchöre; darauf wird jedoch mit großem Polizeiaufgebot, Brutalität und vielen teils willkürlichen Verhaftungen reagiert.

Der Dichter Liao Yiwu, der 1989 wegen einer Radioausstrahlung seines Gedichts “Massaker” ins Gefängnis kam, die 90er Jahre hauptsächlich in Lagern verbrachte, dort viel Stoff für Reportagen und Erzählungen fand, die auch ins Deutsche übersetzt wurden, und von einem alten Mönch Flüte spielen lernte, durfte im Herbst 2010 erstmals ins Ausland, nach den Solidaritätslesungen am 20. März (Tag der politischen Lüge, Authors for Peace, Internationales Literaturfestival Berlin) und nachdem sich sogar Angela Merkel für ihn einsetzte. September und Oktober 2010 war er in Deutschland, dann ging er zurück nach Sichuan. Sofort wurde er wieder überwacht, öfters zur Polizei beordert, etc. Heuer wurde er in die USA zu einer Lesereise eingeladen, durfte aber im März wieder nicht ausreisen. Auf diese Weise wird er auch die folgende Reise nach Australien, wo er dasselbe Buch vorstellen sollte, nicht antreten können. Seit den 90er Jahren wurde er 16 Mal in verschiedene Länder zu literarischen Veranstaltungen und Konzerten eingeladen, 1 mal (im Vorjahr) durfte er ausreisen, 15 mal nicht. Liao Yiwu ist nicht das einzige Beispiel; der Dichter Bai Hua durfte lange Zeit ebenfalls nicht ausreisen; ich habe noch von anderen Fällen gehört.

Zhao Wei, der Student, der unlängst auf einer Zugfahrt umkam, ist auch ein Fall, der einen an viele ähnliche Fälle erinnert, von denen man ebenfalls in China gehört hat.

Liu Xiaobo, Ai Weiwei und Bei Ling kennen einander aus den 80er Jahren. Alle Künstler, Musiker, Schriftsteller etc., die jetzt über 30 sind, sind durch das Proteste-Desaster und Massaker von 1989 miteinander verbunden, auch wenn sie künstlerisch, intellektuell etc. überhaupt nicht miteinander übereinstimmen. Dissidenten, auch im Ausland, sind teilweise sehr zerstritten. Liu Xiaobo wird von manchen nicht als geeignet angesehn, die Arbeiter, ArbeitsmigrantInnen etc. zu vertreten, die in den letzten Jahren mit Streiks, Selbstmorden und schon länger auch durch die vielen Arbeitsunfälle in den großen Fabriken in den Industriestädten um Kanton und anderswo von sich reden gemacht haben. Aber auch da gibt es eine Verbindung: Zheng Xiaoqiong, die Arbeitsmigrantin und Dichterin, die 2003/2004 bekannt wurde. 2009 kam eine Auswahl ihrer Gedichte in Taiwan heraus, in einer Serie, in der auch Gedichte der tibetischen Schriftstellerin Woeser erschienen. Am 5. April 1976 begann die Öffnung Chinas, noch vor Maos Tod, auf dem Tian’anmen-Platz mit Gedichten. Auch heute ist Lyrik bedeutender und integrativer, als man glauben möchte. Natürlich ist nicht alles davon immer ‘nur’ Literatur – Kunst und Politik sind in Wirklichkeit weiterhin sehr eng miteinander vebrunden, auch wenn seit den 90er Jahren alle sagen, alles sei nur noch kommerziell geworden. Unter Mao war allles Politik. In den 80er Jahren waren die Verbindungen noch sehr deutlich. Jetzt sind sie auch sehr deutlich, wenn man die Nachrichten hört.

Lesung am 12. 4. 2011 im Museumsquartier in Wien
12.4. 19 Uhr
Lesung mit Gerhard Ruiss und Bei Ling (Lyriker, Essayist, Dissident, Biograf des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo)

Raum D / quartier21
Gedichte von Liu Xiaobo und Liu Xia

Auszüge aus Essays von Bei Ling und aus der Biografie von Liu Xiaobo

Gedichte von Bei Ling

Es lesen Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren) und Bei Ling

Nach der Solidaritäts-Lesung für den inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo am 20. März (mit Gerhard Ruiss im Radio – siehe
http://archiv.literadio.org/get.php?id=766pr1602) kommt sein Biograf Bei Ling zu einer Lesung nach Wien ins Museumsquartier. Der Versuch der Überwindung von Zeit und Raum ist für Bei Ling seit mehr als einem Jahrzehnt bittere Realität. Der Lyriker war – wegen der Veröffentlichung einer Literaturzeitschrift – selbst in Haft, wurde 2000 auf internationalen Druck hin freigelassen und aus China ausgewiesen. Seither lebt er im Exil.
„Es gibt keine Wahl mehr. Das Blut vieler junger Menschen, jene Seelen, jene eingekerkerten Menschen, und dann noch Xiaobo im Gefängnis – er wird mich verfolgen und auch das, was ich schreibe. Er wird mein Verhalten bestimmen“, das schrieb Bei Ling vor 22 Jahren als er erfuhr, dass sein Freund Liu Xiaobo nach dem Massaker vom 4. Juni 1989 verhaftet worden war – und er scheint recht behalten zu haben. Die Biografie seines Weggefährten Liu Xiaobo ,Der Freiheit geopfert´ ist erst kürzlich auf Deutsch erschienen.
Am 12. April liest Bei Ling mit Gerhard Ruiss Gedichte von Liu Xiaobo und Liu Xia (der Frau des inhaftierten Nobelpreisträgers, die seit Oktober in ihrer Wohnung festgehalten wird). Außerdem trägt Bei Ling aus seinem lyrischen Werk vor und liest aus der Biografie über den Friedensnobelpreisträger.

Die Veranstaltung in Kooperation mit dem quartier21/ MQ wird von der IG Autorinnen Autoren mitgetragen.

Der Freiheit geopfert. Die Biografie des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo

© Angelika Burgsteiner und Martin Winter
Martin Winter
0043-650-7209592

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