CHINESISCHE LITERATUR 2000-2010

Katharina Schneider-Roos und Stefanie Thiedig (Hgg.): Culturescapes China. Chinas Kulturszene ab 2000. Basel: Christoph Merian 2010.

Katharina Schneider-Roos und Stefanie Thiedig (Hgg.): Culturescapes China. Chinas Kulturszene ab 2000. Basel: Christoph Merian 2010.

Martin Winter

Aktuelle Lage und Trends

Anfang 2010 wird aktuelle chinesische Literatur international vor allem mit Zensur und staatlicher Unterdrückung identifiziert. Ende März durfte Cui Weiping[1], Professorin an der Pekinger Filmakademie (Beijing Dianying Xueyan), eine geplante Reise zu akademischen Veranstaltungen in den USA nicht antreten. «Zweite Dichterin im selben Monat an der Ausreise gehindert» titelten internationale Medien.[2] Cui war davor durch mehrere Initiativen ausserhalb ihres Fachbereichs bekannt geworden, zuletzt durch eine Umfrage unter prominenten chinesischen Intellektuellen zur Verhängung einer langen Freiheitsstrafe für den Philosophieprofessor und Dissidenten Liu Xiaobo. Als Dichterin wurde sie jetzt offenbar nur deshalb erwähnt, weil sie China nicht verlassen durfte. Ein aktuelles Beispiel für ihre Lyrik sind Gedichte, die ihrem unlängst verstorbenen Kollegen Zhang Zao gewidmet sind, die sich etwa auch auf dem Blog der Dichterin und Schriftstellerin Hong Ying finden.[3]

Der erste zurückgehaltene Dichter war im März 2010 Liao Yiwu. Er wurde vor allem durch Reportagen und Erzählungen über Benachteiligte in der Gesellschaft bekannt. Ins Gefängnis kam er 1989 für die Lesung und Verbreitung eines Gedichts als Reaktion auf das Massaker in Beijing. Über ein Dutzend Mal wurde Liao bereits daran gehindert, die Volksrepublik China zu verlassen und internationale Veranstaltungen wie die Frankfurter Buchmesse 2009 oder das Kölner Literaturfestival im März 2010 zu besuchen.[4] Wer nun glaubt, in dieser Einleitung gehe es nur um einige Figuren, die im Ausland bekannter sind als in China, irrt: Han Han, der erfolgreichste Autor der letzten zehn Jahre in China und vielleicht der meistgelesene Schriftsteller der Welt, gibt regelmässig bissige Kommentare zu aktuellen Themen auf seinem Blog ab. Manche werden sehr schnell vom Server entfernt, das macht sie und ihren Autor nur noch populärer.[5]

In Notizen für die Rede auf einer Konferenz an der Harvard University, an der sie teilnehmen wollte, erwähnt Cui Weiping, dass man ihr auch eingeschärft hatte, Gedenkveranstaltungen am 3. und 4. März 2010 für den 1970 als ‹Konterrevolutionär› exekutierten Yu Luoke nicht zu besuchen[6], obwohl es in Beijing seit längerem ein öffentlich zugängliches Denkmal für diesen jung verstorbenen Schriftsteller gibt, der auch zu Beginn der 1980er-Jahre eine wichtige Symbolfigur war, in Zusammenhang mit den autobiografischen Romanen seiner Schwester Yu Luojin.

Dass man zwischen politischem Widerstand und Literatur, zwischen Dissidenten und Dichtern oft gar nicht so leicht unterscheiden kann, liegt unter anderem daran, dass viele Dissidenten, wie Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia sowie der 2004 von der Internet-Suchmaschine Yahoo verratene und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilte Shi Tao[7] Gedichte schreiben. Ausserdem spielten Literatur und Kunst, besonders auch Dichter, zu Beginn der nun schon seit über dreissig Jahren bestehenden Öffnungs- und Reformpolitik eine wichtige Rolle. Einer dieser Dichter war Huang Xiang[8] der mehrmals jahrelang, offenbar hauptsächlich wegen der symbolischen ‹Aufmüpfigkeit› in seinen Auftritten, inhaftiert war und international erst in den letzten Jahren durch zweisprachige Ausgaben in den USA, wo er im Exil lebt, einem breiteren Leserkreis bekannt wurde.

Die Literatur der Volksrepublik China ist, wie das Land selbst, vielseitig und widersprüchlich. Es ist immer schwierig, die unmittelbare Gegenwart zu beschreiben, das gilt auch für die Literatur anderer Sprachen und Gebiete. Einige Tendenzen lassen sich dennoch wahrnehmen:

1. Soziale Relevanz ist wichtiger als je zuvor, und zwar in Abgrenzung zu staatlichen Organisationen. Reportagen, Essays und ähnliche Textsorten sind dementsprechend bedeutend.

2. Film und öffentlicher Diskurs werden, wie schon in den 1980er- und 1990er-Jahren, immer wieder in Zusammenhang mit Literatur wahrgenommen. Neu sind Künstlerinnen und Künstler, die sowohl schreiben als auch Filme drehen.[9]

3. Frauen sind in der literarischen Welt prominenter als früher.

4. Internet, Ausland und Exil sind ebenfalls wichtiger geworden. Heute gibt es nicht nur viele chinesische Autorinnen und Autoren in den USA, sondern auch in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern. Nur einzelne Emigranten (wie etwa der Dichter Duo Duo, der inzwischen auf der Insel Hainan an einer Universität unterrichtet) konnten zurückkehren. Wegen der anhaltenden Zensur sind alle Schriftsteller, die in China leben, für eine freiere Verbreitung ihrer Werke auf Medien in Hongkong, Taiwan und anderen Ländern sowie auf das Internet angewiesen.

5. Die Ereignisse von 1989 und die Traumata der ersten Jahrzehnte der Volksrepublik sind im kulturellen Leben keinesfalls überwunden.

Es folgt eine Chronologie in Stichworten über die letzten Jahre, mit Veröffentlichungen, Autoren und Ereignissen, die als Beispiele dienen mögen. Anschliessend ein kleiner Exkurs zu der Frage, was in der aktuellen Literatur repräsentativ sein könnte. Dabei wird ein Text der Autorin Ma Lan, Redakteurin der Online-Literaturzeitschrift ‹Olive Tree› (Ganlan shu)[10] näher beleuchtet. Theoretische und literaturgeschichtliche Implikationen werden gelegentlich angerissen.

Überblick 2000 bis 2010

2010: Die Freiheit des Wortes ist weiterhin ein zentraler Streitpunkt. Darum geht es auch bei Liao Yiwu und Cui Weiping, die im März 2010 nicht ausreisen durften. Die enorme Popularität des Rennfahrers und Schriftstellers Han Han resultiert zu einem beträchtlichen Teil aus seinen respektlosen sozialpolitischen Kommentaren auf seinem Blog, die zwar schnell verschwinden, aber umso mehr zitiert werden, auch in internationalen Medien.[11] Wie bei den Olympischen Spielen 2008 in Beijing werden auch bei der Shanghaier Weltausstellung 2010 kritische Stimmen und vom offiziellen Rahmen abweichende Darstellungen eingeschränkt. Dennoch kommen gerade auch solche Stimmen in der internationalen Berichterstattung zu Wort.[12]

Die Dichterinnen Cui Weiping, Hong Ying und Zhai Yongming trauern auf ihren Blogs um ihren Kollegen Zhang Zao, der Anfang März in Deutschland verstarb, nachdem er ungefähr zwanzig Jahre im Ausland gelebt hatte. Zhai Yongming zitiert Thomas Bernhards Ausspruch, dass alles lächerlich sei, wenn man an den Tod denke.[13]

2009 war China ‹Gastland› der Frankfurter Buchmesse. Die dortigen Kontroversen hingen damit zusammen, dass es 2009 einige Jahrestage gab, die Spannung erzeugten und bündelten: Sechzig Jahre Volksrepublik, zwanzig Jahre 4. Juni 1989, fünfzig Jahre nach 1959, als im ‹Grossen Sprung nach Vorn› die grosse Hungersnot begann, und in Tibet ein grosser Aufstand ausbrach. Dabei wirkt sich 2009 gerade das offizielle Totschweigen des Massakers vom 4. Juni 1989 vor allem auch im kulturellen Leben besonders deutlich aus, mit verstärkten Medien- und Internetkontrollen und mit verstärkter internationaler Aufmerksamkeit für die Verhältnisse in China, auch für unterdrückte oder exilierte Schriftsteller. Dass Qin Hui, der brillante Kritiker des Wirtschaftswunders, und andere kritische Akademiker, darunter Cui Weiping, in China mit ihren von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen Essays[14] bei der Frankfurter Buchmesse einige Aufmerksamkeit erregen konnten, hat mit der soziale Relevanz der Essays zu tun, die auch die Auswirkungen von 1989 nicht übergehen.

Auch 2008 erfuhr China verstärkte internationale Aufmerksamkeit und Präsenz, vor allem durch die Olympischen Spiele in Beijing und durch das Erdbeben in Sichuan, nahe Tibet, wo zuvor Unruhen ausgebrochen waren. Im Dezember wurde die ‹Charta 08› (08 Xianzhang oder 08 Xuanyan) initiiert, nach dem Vorbild der europäischen Charta 77. Der Charta-Gründer Liu Xiaobo wurde verhaftet. In Zusammenhang damit wurde das Gedicht ‹Charta 09› (09 Xianzhang) von Yan Jun im Sommer 2009 in Deutschland auf Plakatwänden im Rahmen eines Lyrik-Projekts im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse verbreitet.[15] Im Frühjahr 2008 nahm der seit den frühen 1980er-Jahren international bekannte Lyriker und Essayist Yang Lian an Diskussionen über den Kalten Krieg und die Rolle der Literatur in Berlin teil.[16]

Anfang 2008 veröffentlichten mehrere Zeitschriften und Internetforen in China Umfragen unter Kritikern und Lesern zu den prominentesten Neuerscheinungen von 2007. Ein Buch von Yang Xianhui über ein Waisenhaus in den Jahren der grossen Hungersnot von 1959 bis 1961 lag in mehreren dieser Listen unter den ersten vier[17]. Cao Naiqians[18] Sammlung von Erzählungen, die auf Englisch unter dem Titel ‹There is nothing I can do when I think of you late at night›[19] herauskamen, ist ein gutes Beispiel dafür, wie bewegende Literatur über einfache Menschen abseits der grossen Städte manchmal doch sowohl in China als auch international grössere Aufmerksamkeit gewinnen kann. Liu Zhenyuns ‹Taschendiebe›[20] (Wo jiao Liu Yuejin[21], wörtlich ‹Ich heisse Liu Yuejin›) war 2007 ganz vorne unter den Bestsellern. Der Roman wurde erfolgreich verfilmt, ebenso wie sein Vorgänger ‹Mobiltelefone› (Shouji). Liu Yuejin ist die Hauptfigur von ‹Taschendiebe›, der Vorname Yuejin bedeutet ‹Grosser Sprung nach Vorn›, die Zeit der grossen Hungersnot, ein wichtiges Motiv in den Romanen und Erzählungen von Liu Zhenyun.

Auf den Bestsellerlisten von 2007 waren mehrere Frauen prominent vertreten, darunter Xu Kun[22], Ai Mi und Anni Baobei mit ihrem aktuellen Roman ‹Padma›. Ai Mis Buch ‹Hawthorn Tree Forever› (Shanzha shu zhi lian) wird 2010 von Zhang Yimou verfilmt. Zusammen mit ihren Kolleginnen Zhang Ling (aktueller Roman: ‹Gold Mountain Blues›, Jin shan) und Chi Zijian (aktueller Roman ‹The Right Bank of the Argun River› E’erguna he you an)[23] gehört Ai Mi 2010 zu den prominentesten chinesischen Autoren auf internationalen Buchmessen.

In den Jahren 2006 und 2007 gewinnt die Wanderarbeiterin Zheng Xiaoqiong[24] mit ihren Gedichten nationale und internationale Aufmerksamkeit. 2009 ist sie eine von zwei Frauen aus Festlandchina, die in Taiwan mit einem Gedichtband vorgestellt werden, im Rahmen der 1999 von Huang Liang begonnenen Edition mit Werken von Dichtern der 1990er- und der 2000er-Jahre aus China.[25] Die zweite ist Woeser, Dichterin und Aktivistin aus Tibet.[26] In seiner Rezension[27] des Gedichtbands von Zheng Xiaoqiong vergleicht Hung Hung ein Gedicht von ihr mit einem mittlerweile ‹klassischen› Gedicht von Yu Jian, der seit über zwanzig Jahren die chinesische Szene bestimmt.[28]

In der ersten Hälfte des Jahres 2006 erschien eine Schwerpunktausgabe der amerikanischen Poesie-Zeitschrift ‹The Drunken Boat› zur chinesischen Poesie.[29] Michael Day schrieb die Einleitung und koordinierte die Sammlung zusammen mit Inara Cedrins. Maghiel van Crevel steuerte einen Essay über einen Zyklus von Xi Chuan bei. Im Modern Chinese Literature and Culture (MCLC) Resource Center findet man, neben vielen anderen Texten, auch eine Gedichtsammlung von Leung Ping-kwan aus Hongkong aus dem Jahr 2005.[30] 2009 und 2010 wurde im MCLC Resource Center die Übersetzung einer Novelle von Wang Xiaobo publiziert.[31]

Poetry International Web publiziert online in Verbindung mit dem Poetry International Festival in Rotterdam, Simon Patton betreibt die Ausgabe für chinesische Poesie.[32] In den Jahren 2002 bis 2007 war diese Plattform besonders aktiv, mit Autoren wie zum Beispiel dem ikonoklastischen Dichter Yi Sha.[33] Von 2003 bis 2005 stellte Michael Day in Leiden ein Poesie-Archiv zusammen, mit viel Material von und zu Liao Yiwu.[34] Auf Chinesisch gibt es viele Poesie-Ressourcen im Internet, die bis in die unmittelbare Gegenwart reichen.[35]

2005 erschienen zwei Bücher, in denen sich theoretische Ansätze finden, auf die ich kurz eingehen möchte. Bei Dao ist (zusammen mit Mang Ke und Huang Rui) Gründer der Zeitschrift ‹Jintian-Today›[36] (verlegt von 1978 bis 1980 und seit 1990 im Exil). 2005 brachte Bei Dao sein Buch ‹Die Rose der Zeit› (Shijian de Meigui), über neun international berühmte Dichter des 20. Jahrhunderts und ihre Übersetzung ins Chinesische) in Beijing heraus. Der Titel spielt auf Rilke an, es gibt auch ein Gedicht dieses Autors mit demselben Titel, ‹Die Rose der Zeit›[37]. Ein Kapitel des Buchs ist über Boris Pasternak, wobei nicht verschwiegen wird, dass Pasternak, der sich oft für verfolgte Kolleginnen und Kollegen einsetzte, zunächst auch Lobgedichte über Stalin schrieb. Ein Abschnitt in diesem Kapitel über Pasternaks Leben und seine Gedichte ist dem russischen Formalismus von Roman Jakobson und Wiktor Schklowski gewidmet, der sich nach der russischen Revolution von 1905 entwickelte. Schklowskis Theorie der Verfremdung und seine Worte zur Unabhängigkeit der Kunst, in deren Farbe sich niemals die Farbe der Fahne reflektieren werde, die auf der Festung wehe, zielen in Bei Daos Verwendung nicht primär auf Pasternak oder andere russische Dichter, sondern auf Bei Daos Generation in China, und im Weiteren auf die Situation und die Problematik der gesamten neueren chinesischen Literatur.[38]

Ebenso wie Bei Daos Buch nimmt auch Yomi Braesters ‹Witness Against History›[39] Kunst und Literatur als eigenständig und als Antithese zu den Möglichkeiten von Geschichte und Geschichtsphilosophie wahr. Es ist ein Ansatz, der nicht nur mehrere Genres (inklusive Film und Publizistik) gemeinsam behandelt, sondern auch verschiedene Epochen und Örtlichkeiten (Moderne, Gegenwart beziehungsweise China, Taiwan) vereint – ein eigenständiger Zugang, der letztlich auf alle Sprachen und Regionen anwendbar ist. Braester verwendet viele gängige Theoriebildungen zur Kunst im Kontext der Traumata des 20. Jahrhunderts. Die Basis seines Ansatzes ist jedoch das, was Literatur und Kunst in konkreten Beispielen ausmacht, nämlich das, was in Texten oder Kunstwerken bei näherer Betrachtung jeglichen gängigen Interpretationen, auch jenen des Künstlers selbst, widerspricht. Bei Dao (mit Schklowski und Jakobson) und Braester gehen primär vom Text aus, bei aller Einbettung in und Wechselwirkung mit sozialen Faktoren.

Die vielen Beiträge zur Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts in ‹Witness Against History› sind ein gutes Beispiel dafür, dass Film und öffentlicher Diskurs verstärkt in Zusammenhang mit Literatur wahrgenommen werden. In den letzten zehn Jahren sind noch viele andere Untersuchungen zur Gegenwartsliteratur und zur Literatur des 20. Jahrhunderts erschienen. Der dominierende theoretische Ansatz der letzten zwanzig Jahre war die Methode von Pierre Bourdieu, wie sie etwa von Michel Hockx und Maghiel van Crevel verwendet wird.[40]

Das erste Kapitel in Bei Daos ‹Die Rose der Zeit› behandelt Federico Garcia Lorca und die Übersetzungen seiner Gedichte ins Chinesische durch Dai Wangshu. Bei Dao zeigt in diesem Kapitel, wie aktuell die Sprache dieser Übersetzungen ist. Dai war einer jener Schriftsteller aus der Zeit der chinesischen Moderne vor 1949, die nicht in erster Linie mit Politik verbunden werden. Man könnte ihn deshalb mit Shen Congwen assoziieren, und mit jenen Essayisten der 1930er-Jahre, die Charles Laughlin intensiv untersucht hat.[41] Bei Dao erwähnt in seinen Essays und Reportagen aus den 2000er-Jahren, soweit ich sie kenne, ausser Dai keine anderen Schriftsteller aus der Ära vor 1949.

Der im März 2010 verstorbene Dichter Zhang Zao wird von Bei Dao für seine Trakl-Übersetzungen gelobt. Zhang Zao hat in Tübingen mit einer tiefgehenden Arbeit über die Entwicklung der modernen chinesischen Lyrik seit 1917 promoviert.[42] Andere bekannte Dichter und Übersetzer in Die Rose der Zeit sind Wang Jiaxin und Lü Yuan. Lü Yuan ist einer der bedeutendsten Übersetzer deutschsprachiger Lyrik ins Chinesische.[43] Er ist ein Überlebender der Verfolgung des Schriftstellers Hu Feng aus dem Jahr 1955.[44] Lü Yuans Reclam-Anthologie Chinesische Lyrik der Gegenwart (aus dem Anfang der 1990er Jahre) wurde 2006 neu aufgelegt.[45] Die Vielfalt der AutorInnen über mehrere Generationen hinweg, seit den frühen 1950er Jahren, ist beachtlich und zumindest im deutschen Sprachraum nach wie vor unerreicht. Die Übersetzungen ins Deutsche stammen durchwegs von Chinesen. Sie sind sorgfältig; freilich hätte man bei den Übertragungen von Anfang an mit Muttersprachlern zusammenarbeiten sollen. Andererseits wurden manche zeitgenössische chinesische Autorinnen und Autoren von deutschen Sinologen jahrzehntelang ignoriert, was darauf hinweist, dass auch von deutschsprachiger Seite nicht genügend Zusammenarbeit gesucht wurde. Der berühmteste derart ignorierte zeitgenössische Dichter ist wohl Yu Jian. Erst 2009 kam anlässlich der Frankfurter Buchmesse eine deutschsprachige Lyrik-Anthologie heraus, die sich ernsthaft mit den Dichtern der 1990er Jahre auseinandersetzt.[46]

Zurück zum Jahr 2005: Damals hielt das Musiklokal Yugong Yishan in Beijing zum ersten Mal eine grosse Veranstaltung zum internationalen Frauentag am 8. März ab. Neben Musik waren auch Film und Literatur prominent vertreten, unter anderem mit Gedichten der jungen Skandalautorin Chun Shu.[47]

2003 und 2004 waren zwei Bestseller zuerst in den Buchläden in China, und nach ihrem Verbot sowohl in Raubdrucken als auch in der internationalen Aufmerksamkeit und im Internet dominant. ‹Zur Lage der chinesischen Bauern› (Zhongguo Nongmin Diaocha) von Chen Guidi und seiner Frau Wu Chuntao wurde mit dem Ulysses-Award der Zeitschrift Lettre International ausgezeichnet, machte noch jahrelang durch Gerichtsprozesse in China Schlagzeilen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Das Buch ist ein gutes Beispiel für soziale Relevanz nicht nur in der Literatur, sondern auch im Buchgeschäft, und für die Prominenz von Reportagen. ‹Vergangenes vergeht nicht wie Rauch› (Wangshi bingbu ru yan) von Zhang Yihe (über die ‹Kampagne gegen Rechtsabweichler›, Fan Youpai Yundong von 1957) gewann den Freedom to Write-Award des unabhängigen chinesischen PEN. Beide Titel erschienen auf Deutsch im Verlag Zweitausendeins. Anfang 2007 erschien ein zweites Buch von Zhang Yihe in China, mit Biografien von Darstellern der Pekingoper, es wurde ebenfalls bald verboten und war, wie das erste, ein Bestseller in unzensierten Ausgaben in Hongkong und Taiwan.

Zhang Yihe ist ein weiteres Beispiel für die Prominenz von Frauen in der heutigen chinesischen Buchszene. Zensur und andere Beschränkungen des gesprochenen und geschriebenen Wortes in China sind 2004 und heute ebenso präsent wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Manche Beobachter wollen diese Situation leider nicht wahrhaben, ausser wenn sie bei Gelegenheiten wie der Frankfurter Buchmesse 2009 unübersehbar wird. Die Internet-Magazine Danwei, Paper Republic (und andere Online-Quellen wie ‹Make-Do Studios›) informieren regelmässig über den chinesischen Buchmarkt.[48] Die Make-Do Studios konzentrieren sich besonders auf Autorinnen und Autoren, die zuerst im Internet berühmt wurden, wie Anni Baobei und Murong Xuecun, dessen erster Roman 2009 auf Deutsch bei Zweitausendeins[49] erschien.

2003 kam ein Buch heraus, das auch für die Erforschung der zeitgenössischen und der neuesten chinesischen Literatur auf Englisch als Meilenstein gilt: The Columbia Companion to Modern East Asian Literature.[50] Yomi Braesters Beitrag über Mo Yans Romane und der Artikel über die Avantgarde-Literatur der späten 1980er und frühen 1990er Jahre in China sind informativ und wichtig, noch viel wichtiger ist die historische Einbindung unterschiedlicher AutorInnen und Genres und die interdisziplinäre Gesamtschau. Auf Deutsch gibt es meines Wissens nach wie vor nichts Vergleichbares. Leider fehlt ein Index mit chinesischen Zeichen, die ja auch für japanische und koreanische Namen und Titel verwendet werden.

In den Jahren 2000 bis 2002 wurde Yin Lichuan mit ihren Gedichten und Essays in China, Taiwan und unter Poesiefans in anderen Ländern bekannt. Sie war um 2000 ein prominentes Mitglied der Dichtergruppe ‹Unterleib› (Xiaban Shen)[51], die in Weiterführung der anti-intellektuellen Position von Autoren wie Yu Jian, Han Dong und Zhu Wen auftrat. Zhu Wen veröffentlichte 1998 in der Exilzeitschrift Jintian und im Internet, im Rahmen des Projekts ‹Risse› (Duanlie), eine private Umfrage unter Schriftstellern, deren Ergebnisse (unter anderem die behauptete Nicht-Relevanz des offiziellen Schriftstellerverbands und ein Bruch mit der klassischen Moderne) auch in den 2000er-Jahren heftig diskutiert wurden.[52] Huang Liang dokumentiert diese Auseinandersetzungen um Poesie und Gedankenfreiheit ausführlich im Rahmen seiner Publikationsreihe mit Dichtern der 1990er- und 2000er-Jahre, die hier bereits mehrfach erwähnt wurde. Auch Maghiel van Crevel hat viel dazu publiziert.[53]

Vereinfacht gesagt geht es bei dem erwähnten Bruch mit der Überlieferung der modernen chinesischen Literatur vor 1949 vor allem darum, sich nicht auf Lu Xun, den prominentesten Schriftsteller aus dieser Periode, zu berufen. Lu Xun sympathisierte mit den Kommunisten und wurde nach seinem Tod von Mao Zedong für seine Kulturpolitik vereinahmt. Erst einige Jahre nach Maos Tod begann Ende der 1970er-Jahre wieder eine chinesische Gegenwartsliteratur zu erscheinen, die diese Kulturpolitik zumindest teilweise ausser Acht lassen konnte. Dennoch blieben die meisten Kritiker und Kommentatoren einer Interpretation der klassischen Moderne verpflichtet, die auf eine politische Rolle von Kultur und Literatur zurückgeht, die traditionell vor allem mit den Ereignissen um den 4. Mai 1919 verbunden wird. Infolgedessen kam es in den 1980er- und 1990er-Jahren nicht nur von staatlicher Seite, sondern auch von Seiten oppositioneller Kritiker und Autoren (von denen die meisten nach 1989 ins Ausland gingen beziehungsweise im Ausland blieben) zu Erwartungen an die Literatur, die mit Lu Xun und der erwähnten politischen Rolle von Kultur und Literatur zusammenhängen. Zhu Wen und jene Autoren, die auf seine Fragen im Rahmen von ‹Risse› antworteten, wollten sich von solchen Erwartungen und intellektuellen Traditionen emanzipieren, oder sie zumindest mit all ihren Implikationen provokativ in Frage stellen. Diese anti-intellektuelle Haltung von Yu Jian, Han Dong, Zhu Wen und anderen Dichtern war der Hintergrund für das Auftreten von Yin Lichuan und ihrer Mitstreiter in der Gruppe ‹Unterleib› um 2000.

Seit 2000 konzentriert sich Zhu Wen auf seine Tätigkeit als Filmregisseur. Seine Erzählungen sind in den letzten Jahren auf Deutsch und Englisch erschienen. Wie Zhu Wen hat sich Yin Lichuan dem Film zugewandt. Ihr zweiter Spielfilm ‹Knitting› (Niulang zhinü) wurde im Frühjahr 2010 auch in Beijing gezeigt.[54] Im Rahmen eines Lyrikprojekts von Literaturhäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Sommer 2009 waren Gedichte von Yin Lichuan bei Lesungen und auf Plakatflächen präsent.[55]

Deutschsprachige Anthologien und eine Auswahlliste

Weiter oben habe ich im Rahmen des chronologischen Überblicks mehrere englische und chinesische Internetressourcen zur aktuellen chinesischen Poesie vorgestellt, unter anderem die im Frühjahr und Sommer 2006 erschienene Schwerpunktausgabe von ‹The Drunken Boat› und ‹China – Poetry International Web›. Im Folgenden geht es um deutschsprachige Sammlungen von erzählerischer Literatur.

Die 2009 erschienene Anthologie ‹Neue Träume aus der Roten Kammer›[56] enthält Erzählungen der Autorinnen Fan Wu, Yiyun Li, Xiaolu Guo, Sheng Keyi und Luo Lingyuan. Bis auf Luo Lingyuan wurden sie alle in den frühen 1970er-Jahren in China geboren. Mittlerweile leben fast alle dieser Schriftstellerinnen im Ausland, bis auf Sheng Keyi, auch von den männlichen Autoren der Anthologie leben drei in den USA. Deshalb schreiben die meisten dieser Autorinnen und Autoren auf Englisch oder auf Deutsch ihren Vornamen vor dem Familiennamen, und nicht umgekehrt, wie es auf Chinesisch üblich ist. Yiyun Lis Roman ‹Die Sterblichen› (The Vagrants) kam ebenfalls 2009 auf Deutsch heraus. Fan Wu, Yiyun Li und Xiaolu Guo schreiben mittlerweile auf Englisch, Luo Lingyuan schreibt auf Deutsch. 2005 erhielt sie den Chamisso-Förderpreis für ihren Erzählband ‹Du fliegst jetzt für meinen Sohn aus dem fünften Stock!›. Xiaolu Guo ist auch Filmemacherin.

Der grosse Anteil von Überseeautoren in ‹Neue Träume aus der Roten Kammer› erklärt sich zunächst einmal einfach aus aktuellen demografischen Gegebenheiten. Emigranten aus China und ihre Nachkommen sind heute weltweit noch viel zahlreicher als vor zehn oder zwanzig Jahren. Das erklärt eben auch den grösseren Anteil der Schriftsteller, die im Ausland leben und teilweise auch in anderen Sprachen als Chinesisch schreiben. Besonders nach den Ereignissen von 1989 stieg der Anteil der Schriftsteller im Exil. Auch 2009 auf der Frankfurter Buchmesse, mit China als Gastland, waren Dissidenten und Exil nolens volens die dominanten Themen (siehe auch die Anmerkungen zu Dai Qing). Dabei kam es kaum zu Diskussionen zwischen den Angehörigen der chinesischen Delegation und den Dissidenten.[57] Entgegen der Annahmen mancher Beobachter hört man in der literarischen Welt in China auch keineswegs davon, dass viele emigrierte Schriftsteller auf Dauer zurückgekehrt seien und in China gute Publikationsmöglichkeiten vorfinden würden. Manche Prominente wie Hong Ying, Ai Weiwei und Huang Rui sind zwar zurückgekehrt, die Romanschriftstellerin und die beiden Künstler bleiben aber (in unterschiedlichem Mass) weiterhin Figuren, die nur in Verbindung mit ausländischer Aufmerksamkeit in China existieren können.

Fünf von zwölf Autoren in der Anthologie ‹Neue Träume aus der Roten Kammer› sind Frauen, das ist ein guter Schnitt. 2003 gab Frank Meinshausen die Sammlung ‹Das Leben ist jetzt› heraus, mit vier Frauen von elf Autoren, die alle auf Chinesisch schreiben. Die vier Autorinnen sind Zhao Ning, Ma Lan, Anni Baobei und Dai Lai. Zwei von ihnen, Zhao Ning und Ma Lan, wurden im Deutschlandfunk mit Ausschnitten ihrer Erzählungen vorgestellt.[58] Dabei wird anhand der Texte deutlich, wie transitorisch das Leben der Menschen und auch der Künstler zwischen Stadt und Land, Staat, Alltag und Internet ist. Einflussreiche Stellen in Deutschland und in China zeigen sich im Deutschlandfunk begeistert von der Auswahl, gleichzeitig wird betont, dass es eine sehr subjektive und zufällige Zusammenstellung ist. Die Beiträge für ‹Neue Träume aus der Roten Kammer› und für ‹Das Leben ist jetzt› stammen zum Teil aus den 1990er-Jahren. Manche Details bilden deshalb nicht unbedingt die Wirklichkeit der 2000er-Jahre ab. Andererseits muss man sagen, dass die Verhältnisse der 1980er- und 1990er-Jahre auch 2010 in vielerlei Hinsicht präsent sind. Frank Meinshausen engagiert sich viel im literarischen Austausch und hat 2007 in China eine Anthologie mit Erzählungen junger deutschsprachiger Autoren herausgegeben, die zumindest unter Studenten sehr beliebt wurde.[59]

Wie repräsentativ sind alle diese Anthologien? Die Antworten werden je nach Generation und Geschmack variieren. Alle Erzählungen in ‹Neue Träume aus der Roten Kammer› und ‹Das Leben ist jetzt› bieten Einblicke in den chinesischen Alltag, manche handeln von Randexistenzen, jedenfalls haben sie soziale Relevanz. Qi Ges ‹Welt der Hundert-Meter-Menschen› (in ‹Neue Träume›) spielt in einer Zukunft, die von bekannten Motiven aus der Geschichte von Shanghai bestimmt wird. Diese Science-Fiction-Erzählung ist auch die einzige, in der Politik explizit vorkommt, in Gestalt des sagenhaften «Vorsitzenden Mao» als «furchtbarem Gott» auf einer geheimnisvollen «Roten Sonne». Allerdings könnte man auch sagen, dass die historische Erzählung aus der Ming-Dynastie von Li Dawei (ebenfalls in ‹Neue Träume›) über einen jungen Gelehrten im Verlies mindestens ebenso deutlich von Politik handelt. Li Daweis Beitrag zu ‹Das Leben ist jetzt› spielt in einem der chinesischen Literaturgeschichte gewidmeten Hochhaus und funktioniert umso mehr als Satire auf die Gegenwart, je mehr die zahlreichen Anspielungen Vergangenheit heraufbeschwören.

Von der Sprache und von der Erzähltechnik her sind alle Beiträge in beiden Anthologien relativ konventionell, mit Ausnahme von Ma Lans vertrackter Ehegeschichte ‹Gehörverlust›. Ma Lan wurde in den frühen 1960er-Jahren geboren und stammt aus einer moslemischen Familie in Sichuan. Sie emigrierte 1992 in die USA. 1995 hat sie die Zeitschrift ‹Olive Tree› (Ganlan shu) mitbegründet, die bis 2004 regelmässig im Internet erschien. In den letzten Jahren hat Ma Lan wieder einige Zeit in China verbracht. Sie schreibt auf Chinesisch, ist aber im Literaturbetrieb in China nicht integriert und wenig bekannt. Veröffentlicht hat sie vor allem in Exilzeitschriften und im Internet. Experimentielle und phantastische Literatur sind heute in China kaum gefragt, während Mitte der 1990er-Jahre noch ein Trend in Richtung avantgardistischer, postmoderner Texte beobachtet und vielleicht vor allem im Ausland auch als vorherrschend betrachtet wurde. Die Autorin Can Xue[60] war eine prominente Protagonistin dieses Trends. Can Xue hat allerdings, im Gegensatz zu vielen anderen, ihre experimentelle Schreibweise nicht aufgegeben. Ihre kafkaesken Geschichten kamen auch in den letzten Jahren in namhaften und weit verbreiteten Literaturzeitschriften in China heraus. 2009 erschien ihr Roman ‹Five Spice Street› auf Englisch.[61]

Jing Bartz, die als Leiterin des Buchinformationszentrums (BIZ) in Beijing den Auftritt Chinas bei der Frankfurter Buchmesse 2009 mitorganisierte, und Li Jingze, Chefredakteur der Zeitschrift Renmin Wenxue (Volksliteratur), haben 2009 auch eine Anthologie mit Kurzgeschichten grossteils junger Autorinnen und Autoren herausgegeben. Sie heisst ‹Unterwegs. Literatur-Gegenwart China›[62]. Hier sind zahlenmässig die Geschlechter völlig gleich verteilt. Fan Xiaoqing, Pan Xiangli, Jin Renshun, Ye Mi und Lu Min sind die Frauen; Li Shijiang, Fan Wen, Xu Zechen, Huang Tulu und Tian Er sind die Männer. Xu Zechen, der jüngste von ihnen, kam 2009 auch mit der Novelle ‹Im Laufschritt durch Peking› auf den deutschsprachigen Buchmarkt. Jin Renshuns Roman ‹Green Tea› (Lü Cha) wurde bereits mit dem bekannten Schauspieler Jiang Wen verfilmt. Im Gegensatz zu den Autorinnen und Autoren der Anthologien von Frank Meinshausen und Anne Rademacher leben jene der Auswahl von Bartz und Li alle in China und sind im Ausland weitgehend unbekannt. Die zehn Beiträge sind alle zwischen 2002 und 2008 entstanden, die Hälfte von ihnen sogar nach 2005.

Wang Xiaobo, der legendäre frühverstorbene intellektuelle Satiriker, ist mit seinem ins Jahr 2015 verlegten Straflager der Star der Anthologie Stumme Städte.[63] Die anderen Beiträge sind wesentlich kürzer. Sie stammen von Ge Fei, Yin Huifeng, Bi Feiyu und Leung Ping-kwan. Alle Beiträge stammen aus den späten 1990er Jahren. Yin Huifengs Erzählung spielt in der Praxis eines traditionellen Arztes. Die Autorin ist die einzige Frau in dieser Anthologie und wird im Nachwort leider auch gleich augenzwinkernd der sogenannten „Frauenliteratur“ zugeordnet, unter Berufung auf Wolfgang Kubin. Ge Feis Schweigen erzählt von einem hoch angesehenen Hochschulprofessor und Schriftsteller, der plötzlich verstummt und nie mehr ein Wort spricht. Bi Feiyus Beitrag ist eine Ehegeschichte. Leung Ping-kwans Die Insel und das Festland ist formal wahrscheinlich die interessanteste Geschichte des Buches. Hongkong- und Übersee-Autoren sind jedenfalls für Experimente gut, wie an auch an Ma Lan sehen kann. Wie in den Anthologien von Frank Meinshausen geht es auch in dieser Sammlung vordergründig besonders um die in den vergangenen Jahrzehnten rapid gewachsenen und rücksichtslos umgebauten Städte, nicht um die vielerlei Regionen dazwischen. Freilich gibt es viele Schriftsteller, die beides, Stadt und Land bzw. Gebirge, verarbeiten und kontrastieren. Man denke an Liu Zhenyun, dessen Roman Shouji (‚Mobiltelefone’, 2003) abwechselnd in Bergdörfern und im heutigen Beijing spielt, oder auch an die wie Liu Zhenyun oben im Blick auf die Auswahllisten von 2007/2008 erwähnten Erzählungen von Cao Naiqian.

Jing Bartz hat im Rahmen der Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse eine Liste der 2009 von chinesischer Seite geförderten Übersetzungen veröffentlicht.[64] Darunter sind etwa Romane von Li Er, von dem Tibeter A Lai und von Liu Heng, der zu jenen Autoren gehört, welche die grosse Hungersnot von 1959 bis 1961 in ihren Werken verarbeiten. Interessant ist auch das Buch ‹Wir drei› (Women sa) von Yang Jiang. Yang Jiang hat bereits vor Bestehen der Volksrepublik veröffentlicht. Sie hat auch ‹Don Quichotte› ins Chinesische übersetzt. Ihr Ehemann Qian Zhongshu war einer der berühmtesten Schriftsteller und Gelehrten der chinesischen Moderne.

Auf der von Jing Bartz vorgestellten Liste findet sich auch eine zweisprachige Anthologie von chinesischen Erzählungen zeitgenössischer Autoren, von denen die meisten jedoch nicht in den letzten zehn Jahren entstanden sind. Herausgeber und Übersetzer des Buches sind Karin Hasselblatt und Katrin Buchta. Die Autorinnen und Autoren sind Feng Li, Mo Yan, A Lai, Ye Zhaoyan und Feng Jicai.[65]

Der Schriftstellerverband und die ältere Generation

Repräsentativ für die offizielle Seite der Literatur in China ist vor allem der staatliche Schriftstellerverband mit seiner Präsidentin Tie Ning. Sie gehört zu einer älteren Generation, die ihre gesamte Jugend in der Zeit der Kulturrevolution verbracht hat. Die Romanautorin Wang Anyi gehört auch zu dieser Generation, ebenso wie die Lyrikerin Shu Ting , die in den letzten Jahren vor allem Essays mit Erinnerungen an die frühen 1970er-Jahre veröffentlicht hat. Tie Nings Erzählungen spielen in der Regel in den alten Gassen von Beijing oder in Baoding (Provinz Hebei). Die Protagonisten sind meist einfache Leute, zu Themen werden auch Traumata und Todesfälle aus den 1960er-Jahren und früher.

Die 1980er-Jahre, in denen Tie Ning und Shu Ting bekannt wurden, erfuhren in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit. Autoren und Protagonisten wie A Cheng traten mit Essays und Interviews über diese Zeit hervor. In der Folge verlagerte sich das Interesse zeitlich noch weiter zurück.

In der grossen Halle für die Delegation aus China bei der Frankfurter Buchmesse 2009 hingen viele Fotos von Schriftstellern an den Wänden. Darunter waren auch Shi Zhi und Mang Ke[66], die in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren im Untergrund Gedichte schrieben, die von Hand kopiert und heimlich verbreitet werden mussten, und auf die sich mehrere Generationen von Dichtern berufen, wie auch Bei Ling[67], Verleger und Herausgeber der Zeitschrift Qingxiang (‹Tendency›), der seit 2000 im Exil lebt. Bei Ling stand zusammen mit Dai Qing, die für ihre Reportagen über brisante Umweltprobleme bekannt ist, im Mittelpunkt der heftigen Auseinandersetzungen im September und Oktober 2009 in Frankfurt. Diese Auseinandersetzungen führten, wie oben erwähnt, kaum zu Diskussionen zwischen Angehörigen verschiedener Seiten, etwa kritischen Autorinnen und Autoren und offiziellen Repräsentanten des chinesischen Literaturbetriebs. In China wurde zwar über die Frankfurter Buchmesse berichtet, es gibt jedoch nach wie vor nur sehr wenige kritische Zeitungen und Zeitschriften, wie Nanfang Dushi bao und Nanfang Zhoumo, die internationale Ereignisse mit Bezug auf China von verschiedenen Seiten beleuchten können.

Kontroversen zu Publikationsstrategien in den 1980er-Jahren zwischen Mang Ke und Bei Dao, den Herausgebern der legendären Zeitschrift Jintian-Today sind ein wichtiger Punkt in Huang Liangs Essay ‹Der Weg der Gedankenfreiheit› (Yizhi ziyou zhi lu)[68] im Theorieband seiner mittlerweile zwanzigbändigen Serie, welche Dichter der 1990er- und der 2000er-Jahre aus Festlandchina vorstellt. 2009 erschienen in dieser Serie, wie oben erwähnt, Gedichtbände der Wanderarbeiterin Zheng Xiaoqiong und der Tibeterin Woeser.

Gewalt, Moderne und Gegenwart

2004 erschien Thilo Diefenbachs ‹Kontexte der Gewalt in moderner chinesischer Literatur›.[69] Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Gegenwartsliteratur, wobei die Gewalt in der Literatur der Moderne und auch in der gesamten erhaltenen chinesischen Literatur einen interessanten Aspekt darstellt. Innerhalb der Gegenwartsliteratur konzentriert sich Diefenbach auf Autoren, die ausserhalb Chinas relativ wenig Beachtung gefunden haben. Darunter sind etwa Zhang Wei, der in China seit den 1980er-Jahren zu den bekanntesten Erzählern gehört, und You Fengwei, dessen Roman ‹Zhongguo 1957›, erschienen 2001, auf die Anfang des aktuellen Jahrzehnts zunehmende Beschäftigung mit der Verfolgung der sogenannten Rechtsabweichler (Youpai) hinweist.

International erfolgreiche Autoren wie Yu Hua, Mo Yan, Su Tong und Li Rui werden bei Diefenbach weniger intensiv behandelt, obwohl gerade Yu Hua und Mo Yan für drastische Gewalt in ihren Erzählungen und Romanen bekannt sind. Yu Hua hat Ende Mai 2009 einen kleinen Essay zum Massaker vom 4. Juni 1989 geschrieben.[70] Auch vier Jahre davor hatte er sich im Ausland, etwa in Singapur, zu diesem Thema und zu Gewalt in seinen Werken geäussert – man sei eben in gewalttätigen Zeiten aufgewachsen.[71] Die Gewaltszenen in seinen Romanen hat Mo Yan kürzlich bei einer Lesung in Wien in ähnlicher Weise kommentiert. 2009 erschienen gleich zwei Romane von Mo Yan auf Deutsch: ‹Die Sandelholzstrafe› (Tanxiang xing) und ‹Der Überdruss› (Shengsi pilao).

Hong Ying, Ma Lan und Gao Xingjian

In der Vorbereitungsphase für den Gastlandauftritt in Frankfurt 2009 führte Jing Bartz ein Interview mit Li Jingze, dem Chefredakteur der offiziellen Literaturzeitschrift Renmin Wenxue.[72] Beide wurden hier bereits im Zusammenhang mit deutschsprachigen Anthologien vorgestellt. Viele der oben erwähnten Themen kommen auch in diesem Gespräch vor. Insgesamt bietet es eine repräsentative chinesische Sicht der Entwicklung der chinesischen Literatur von den 1970er-Jahren bis heute. Der Begriff der ‹Aufklärung›, so wie ihn Li Jingze gebraucht, ist dabei sehr interessant. Die Aufgabe der Schriftsteller sei es, die Menschen «aus den Fängen der Ideologie zu befreien», sie «zum Gegenstand der Erkenntnis und Imagination (zu) erheben und nach einer Form und Sprache (zu) suchen, die unserer chinesischen Erfahrungs- und Lebenswelt gemäss ist.» Li Jingze knüpft mit diesen Vorstellungen direkt an die chinesische Literatur der 1920er- und 1930er-Jahre an. Ein solches Anknüpfen war eine wesentliche Bemühung in der Gedankenwelt der 1980er-Jahre, die infolge der Ereignisse von 1989 einen Riss erfuhr, von dem zum Beispiel Zhu Wen, wie oben erwähnt, in Untergrund-, Exil- und nichtoffiziellen Internetpublikationen eine Zeit lang sprechen konnte. Li Jingze darf als Chefredakteur der Renmin Wenxue diesen Riss selbstverständlich nicht explizit erwähnen. Stattdessen gebraucht er Schlagwörter wie Globalisierung und Popkultur. Dennoch sind viele der allgemeinen Betrachtungen in diesem Gespräch als Ergänzung und Hintergrund für die erwähnten Themen und Thesen sehr wichtig.

Jing Bartz und Li Jingze sprechen auch den grossen Anteil der Frauen in der heutigen chinesischsprachigen Literatur an. Dabei erwähnt Li etwa Lin Bai[73], die oben genannte Dai Lai und die Wanderarbeiterin Zheng Xiaoqiong. Die von Jing Bartz gestellte Frage, ob Hong Ying in China anerkannt werde, übergeht er hingegen. Das hat zumindest indirekt auch damit zu tun, dass Li die Geschehnisse und die Folgen von 1989 nicht ansprechen darf. Hong Yings erster Roman ‹Der verratene Sommer›[74] (Beipan zhi xia) entstand 1990 und spielt 1989 in Beijing. Die Entdeckung der Sexualität, die die Protagonisten des Romans erleben, steht im Kontext der beiläufigen Demaskierung der Gewalt und des alltäglichen Elends. Alle Romane von Hong Ying enthalten solche Momente. Die Protagonistin von ‹Der verratene Sommer› schreibt Gedichte. Hong Ying hat in den 1980er-Jahren als Dichterin begonnen und bis 2001 immer wieder Gedichtbände in China und in Taiwan veröffentlicht. Die Gedichte sind nicht ebenso spektakulär wie die Romane, sie erschliessen sich erst im Kontext, entziehen sich jedoch, wie auch die Erzählungen, in denen Homosexualität häufig vorkommt, gängigen Kategorien. Gerade dass man als Literaturredakteur der Renmin Wenxue im Jahr 2010 immer noch nicht über Hong Ying spricht, illustriert einen Teil ihrer kontinuierlichen Aktualität. Ein weiteres Beispiel für einen Roman einer weltweit bekannten Autorin, der auch 2010 noch nicht in China erscheinen darf, ist ‹Das Reispflanzerlied› (Yang ge) von Zhang Ailing. Der Roman erschien zuerst 1952 auf Englisch in Hongkong.[75]

Hong Yings Autobiografie war in den 1990er-Jahren ein wichtiges Buch, das erst nach der Übersetzung ins Englische auch in China in einer autorisierten, das heisst fast ungekürzten Fassung, erschien. Die Autorin wurde in der Zeit der grossen Hungersnot des ‹Grossen Sprungs nach Vorn› in eine Familie von Migranten in den Slums von Chongqing geboren. Inzwischen hat Hong Ying auch eine Fortsetzung ihrer Autobiografie veröffentlicht. Ähnlich wie bei der deutschsprachigen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg definiert sich die chinesische Literatur nach 1976 an dem, was verarbeitet, und an dem, was verschwiegen wird. Der Bestseller ‹Der Zorn der Wölfe› (Lang Tuteng, wörtlich: Wolfstotem), sicher das erfolgreichste Buch der letzten zehn Jahre in China, ist vor allem eine Verarbeitung der Verschickungen, Arbeitseinsätze und Naturzerstörungen der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Hong Yings 2001 in China erschienener Gedichtband ‹Fische lehren Fische singen› (Yu jiaohui yu gechang), mit einem Vorwort von Che Qianzi[76], enthält zum Beispiel ein Gedicht für den bekannten, im Jahr 2000 verstorbenen Sinologen Helmut Martin.

Nachdem der im Exil in Frankreich lebende Gao Xingjian im Jahr 2000 den Nobelpreis für Literatur erhielt, beeilten sich manche, das überraschende Ergebnis als verfehlt zu bezeichnen. Gaos Sprache ist anspruchsvoll und vom Stil her mit den Erzählungen von Ge Fei aus den frühen 1990er-Jahren zu vergleichen. Ausserdem sehe ich die Bedeutung der Stücke und der Romane von Gao Xingjian durchaus in Zusammenhang mit anderen oben erwähnten Autorinnen und Autoren, deren Werke (zumindest zum Teil) in China nicht veröffentlicht werden dürfen. Wer die Gedichte liest, jene von Hong Ying und jene von Cui Weiping, und wer die Romane von Gao Xingjian auf Chinesisch liest, wird vielleicht nicht so vorschnell über zeitgenössische chinesische Literatur urteilen, wie es häufig geschieht.

Im Januar 2010 erschien Ma Lans Text ‹Wie wir einen Handschuh töten› in der österreichischen Zeitschrift ‹Fleisch›[77]. Die Geschichte spielt in der fiktiven Ortschaft Krummhalsmarkt (Waibozhen), deren Namen man auch als ‹Kleinstadt der Wendehälse› wiedergeben könnte. In der chinesischen Literatur gibt es viele solcher Gemeinden, man könnte etwa an jene in Bi Feiyus ‹Die Ebene› (Pingyuan) denken. Wie bei vielen Texten von Ma Lan ist es auch bei ‹Wie wir einen Handschuh töten› unmöglich zu sagen, wo die Evokation des chinesischen Alltags und der Zeitgeschichte aufhört, und wo die absurde, fantastische Form beginnt. Gedichte von Ma Lan und Hong Ying sind auf Deutsch und Englisch nicht ganz leicht auffindbar.[78]

Die Relevanz der erwähnten Tendenzen, besonders auch was das Internet betrifft, wurde im April 2010 durch eine skandalöse Geschichte um einen Parteifunktionär bestätigt, dessen Tagebuch seiner Affären in China im Internet die Runde machte und durch den eingangs erwähnten populären Autor Han Han noch weiter verbreitet wurde.[79]

Insgesamt habe ich mich bemüht, Autoren und Werke zu erwähnen, die bislang im deutschen Sprachraum noch nicht oder noch relativ wenig Aufmerksamkeit gefunden haben. Es handelt sich hier um keine systematische Übersicht, sondern nur um einige persönliche Beobachtungen. So ist auch die Chronologie zu verstehen. Die Frage, was repräsentativ für die heutige Literatur sei, wird im Kontext des Jahres 2010 aus der Sicht eines einzelnen Beobachters gestellt.


[1] www.bullock.cn/blogs/cuiweiping Stand: Juli 2010.

[2] www.taipeitimes.com/News/world/archives/2010/03/27/2003469029 Stand: Juli 2010.

[3] http://blog.sina.com.cn/s/blog_46e98efa0100hci9.html Stand: Juli 2010.

[4] www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/einsame-seelen-wilde-geister Stand: Juli 2010.

[5] www.danwei.org/blogs/han_han_on_google_leaving_chin.php Stand: Juli 2010.

[6] www.bullogger.com/blogs/cuiweiping/archives/356650.aspx Stand: Juli 2010.

[7] http://news.boxun.com/news/gb/china/2010/04/201004090241.shtml und www.opendemocracy.net/arts-Literature/exiledpoets_3035.jsp (Gedichte von Shi Tao und Yang Lian), Stand: Juli 2010.

[8] www.icorn.org/articles.php?var=71 und www.baike.baidu.com/view/305864.htm, Stand: Juli 2010.

[9] Siehe unten über Yin Lichuans Bekanntwerden als Dichterin 2000–2002 und zu Zhu Wen.

[10] http://www.iro.umontreal.ca/~nie/public/ Stand: Juli 2010

[11] www.chinahush.com/2010/05/20/han-hans-speech-in-xiamen-university-why-china-cannot-be-a-cultural-power/#more-6377 und www.rue89.com/chinatown/2010/02/04/pourquoi-la-chine-nest-pas-un-grand-pays-de-culture-par-han-han-136848 Stand: Juli 2010.

[12] www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=126425172 Stand: Juli 2010.

[13] Siehe Zhai Yongmings Blog unter http://blog.sina.com.cn/s/blog_518b17d40100h7ul.html Stand: Juli 2010.

[14] Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.): Wie China debattiert. Neue Essays und Bilder aus China. Berlin 2009; www.boell.de/downloads/publikationen/Wie_China_debattiert.5MB.pdf Stand: Juli 2010

[15] www.yanjun.org/blog/archives/2173 Stand: Juli 2010.

[16] Sprache im technischen Zeitalter: Sonderheft 2008, S. 154–176 und 199–208.

[17] www.danwei.org/books/top_books_for_2007.php Stand: Juli 2010.

[18] german.cri.cn/401/2007/08/02/1@78761.htm Stand: Juli 2010.

[19] http://cup.columbia.edu/book/978-0-231-14810-8/theres-nothing-i-can-do-when-i-think-of-you-late-at-night Stand: Juli 2010.

[20] http://german.beijingreview.com.cn/sz/2009-10/19/content_224638.htm, http://initiativgruppe.wordpress.com/2009/10/20/taschendiebe Stand: Juli 2010.

[21] http://book.douban.com/subject/2300636 Stand: Juli 2010.

[22] http://book.douban.com/subject/2135604 Stand: Juli 2010.

[23] http://paper-republic.org/brucehumes/twilight-of-chinas-reindeer-evenki-right-bank-of-the-argun-river Stand: Juli 2010.

[24] www.bjreview.com.cn/Youth_Literature_Enchantment/2009-07/01/content_204893.htm, http://paper.sznews.com/szdaily/20070614/ca2692129.htm und www.frauensolidaritaet.org/zeitschrift/fs_106_lipinsky.pdf Stand: Juli 2010.

[25] http://pots.tw/node/4014 Stand: Juli 2010

[26] http://twitter.com/degewa/status/5646062579 Stand: Juli 2010.

[27] http://blog.roodo.com/hhung/archives/11247669.html Stand: Juli 2010.

[28] Robert Hass über Yu Jian und Xi Chuan: http://believermag.com/issues/201006/?read=article_hass Stand: Juli 2010.

[29] http://thedrunkenboat.com/summer06.html Stand: Juli 2010.

[30] http://mclc.osu.edu/jou/abstracts/leung.pdf Stand: Juli 2010.

[31] http://mclc.osu.edu/rc/pubs/wangxb.htm und mclc.osu.edu/rc/pubs/wangxb2.htm Stand: Juli 2010.

[32] http://china.poetryinternationalweb.org/piw_cms/cms/cms_module/index.php?obj_name=china Stand: Juli 2010.

[33] http://china.poetryinternationalweb.org/piw_cms/cms/cms_module/index.php?obj_id=976 Stand: Juli 2010.

[34] http://leiden.dachs-archive.org/poetry Stand: Juli 2010.

[35] www.Shigeku.org, http://hi.baidu.com/ddpoem und www.poemlife.com Stand: Juli 2010.

[36] www.jintian.net/today Stand: Juli 2010.

[37] http://lyrikline.org/index.php?id=162&L=0&author=bd01&show=Poems&poemId=1809&cHash=0c4dbcf520 Stand: Juli 2010.

[38] Bei Dao 北岛: Shijian de Meigui 时间的玫瑰 (Rose of Time). Beijing 2005, S. 198–200.

[39] Braester, Yomi: Witness Against History. Literature, Film and Public Discourse in 20th-Century China. Stanford 2005. Siehe auch http://books.google.com/books?id=fiXWV6kaIMEC&printsec=frontcover&dq=yomi+braester&cd=1 Stand: Juli 2010.

[40] Siehe weiter unten, im Zusammenhang mit Yin Lichuan und Zhu Wen.

[41] Laughlin, Charles: The Literature of Leisure and Chinese Modernity. Honolulu 2008.

[42] Zhang Zao: Auf der Suche nach poetischer Modernität: Die neue Lyrik Chinas nach 1919. Siehe http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=972321098&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=972321098.pdf Stand: Sept. 2010)

[43] Zhang Yushu würdigt Lü Yuan als Lyrikübersetzer in: Österreichische Literatur in China. Ursprüngl. in: Jura Soyfer. Internationale Zeitschrift für Kulturwissenschaften. 5.Jg., Nr.3/1996. S. 3-10. Siehe http://www.inst.at/trans/7Nr/yushu7.htm Stand: Sept. 2010

[44] Siehe http://www.bqcc.com/storm_e.htm Stand: Sept. 2010

[45] Woesler, Winfried/ Lü Yuan: Chinesische Lyrik der Gegenwart. Chin./ Dt. Siehe http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-89966-228-3 Stand: Sept. 2010

[46] Tang Xiaodu/ Kubin, Wolfgang (Hg.) Alles versteht sich auf Verrat: Die posthermetischen Dichter Chinas. Hai Zi, Xi Chuan, Yu Jian, Ouyang Jianghe, Wang Jiaxin, Wang Xiaoni, Zhai Yongming, Chen Dongdong. Bonn: Weidle 2009

[47] Siehe http://www.chinadaily.com.cn/english/doc/2005-03/16/content_425356.htm Stand: Juli 2010.

[48] http://danwei.org, http://paper-republic.org und www.makedostudios.com Stand: Juli 2010.

[49] www.zweitausendeins.de/suche/?ArticleFocus=2&ord=-1&alpha=1&cat=all&q=Murong%2C%20Xuecun&CT=1 Stand: Juli 2010.

[50] Joshua Mostov, Kirk Denton et al. (Hg): The Columbia Companion to Modern East Asian Literature. Columbia University Press 2003. Siehe http://mclc.osu.edu/rc/pubs/reviews/hillenbrand.htm Stand: Sept. 2010

[51] www.wenxue2000.com Stand: Juli 2010.

[52] Huang Liang 黃梁: Dixia de Guangmai 地下的光脈 (Lichtpuls im Untergrund). Taipei 1999, S. 26ff.

[53] Van Crevel, Maghiel: Chinese Poetry in Times of Mind, Mayhem and Money. Leiden und Boston 2008.

[54] www.ucca.org.cn/portal/activitie/view.798?id=425&lang=en&menuId=0 Stand: Juli 2010.

[55] www.de-cn.net/mag/lit/de4812617.htm Stand: Juli 2010.

[56] Meinshausen, Frank / Rademacher, Anne (Hg): Neue Träume aus der Roten Kammer. München 2009.

[57] www.taz.de/1/leben/buchmessetazde Stand: Juli 2010.

[58] www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/220030 Stand: Juli 2010.

[59] Meinshausen, Frank (Fanke 樊克) (Hg.): Hongtao J 红桃J (Herzbube). Deyu xin xiaoshuo xuan 德语新小说选 (Neue deutsche Erzählungen). Shanghai 2007. Siehe auch http://blog.sina.com.cn/s/blog_517cf0ab0100fk4b.html Stand: Juli 2010.

[60] www.china.org.cn/english/NM-e/150961.htm und http://web.mit.edu/ccw/can-xue Stand: Juli 2010.

[61] www.villagevoice.com/2009-04-22/books/is-can-xue-the-bruno-schultz-of-modern-china Stand: Juli 2010.

[62] Bartz, Jing und Li Jingze (Hg.): Unterwegs. Literatur-Gegenwart China. Düren 2009.

[63] Hermann, Marc (Hg.): Stumme Städte. Neue Großstadtliteratur aus China. Orientierungen, Themenheft 2006. München: edition global.

[64] www.peking.buchinformationszentrum.org/de/news/01222/index.html Stand: Juli 2010.

[65] Feng Jicai, Ye Zhaoyan, A Lai, Feng Li und Mo Yan: Gela wird erwachsen und andere Erzählungen aus China. Zürich 2009. www.chinabooks.ch/catalog/product_info.php?products_id=4410 Stand: Juli 2010.

[66] http://eastbaltimoremuse.blogspot.com/2008/10/hand-of-poet-world-literature-today.html Stand: Juli 2010

[67] http://lyrikline.org/index.php?id=162&L=0&show=Poems&author=b05&cHash=9b383caff6 Stand: Juli 2010.

[68] Huang Liang: Dalu Xianfeng Shiji: Dixia de Guangmai. Taipei: Tangshan chubanshe 1999 S. 5f.

[69] Diefenbach, Thilo: Kontexte der Gewalt in moderner chinesischer Literatur. Wiesbaden 2004.

[70] http://songjiuchenggong.blog.163.com/blog/static/922695002009557328238 und http://hk.myblog.yahoo.com/timtimholiday/article?mid=856&fid=-1&action=prev Stand: Juli 2010.

[71] www.epochtimes.com/b5/5/9/4/n1040759.htm Stand: Juli 2010.

[72] www.peking.buchinformationszentrum.org/de/news/00462/index.html Stand: Juli 2010.

[73] www.chinaculture.org/gb/en_artqa/2005-10/20/content_74700.htm Stand: Juli 2010.

[74] Neuausgabe: Hong Ying: Der chinesische Sommer. Leipzig 2005.

[75] Chang, Eileen: Das Reispflanzerlied. Düsseldorf 2009. Siehe auch www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,644905,00.html und http://quarterlyconversation.com/the-peoples-writer-how-eileen-chang-remains-relevant-by-not-writing-political-fiction Stand: Juli 2010.

[76] Hong Ying 虹影: Yu Jiaohui Yu Gechang 魚教會魚歌唱 (Fische lehren Fische singen). Guilin 2001.

[77] Ma Lan: Wie wir einen Handschuh töten. In: Fleisch 14, Januar 2010; siehe auch http://www.literaturuebersetzerforum.de/viewtopic.php?f=11&t=31 Stand: 15. Juli 2010

[78] http://poetrysky.com/quarterly/8/quarterly-8-malan.html, http://www.poetrysky.com/quarterly/quarterly-6-hongying.html und luofulin.blogspot.com, sowie http://blogs.yahoo.co.jp/dujuan99nihon/30885878.html Stand: Juli 2010.

[79] www.welt.de/die-welt/politik/article7145008/Die-pikanten-Enthuellungen-des-Herrn-Hanfeng.html Stand: Juli 2010.

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