Archive for the ‘1900s’ Category

QUEST – 伊沙 Yi Sha

九月 8, 2018

Yi Sha
QUEST

It was in 1999,
last year of the 20th century.
The poet Ma Lan
with her American husband,
a Yale professor,
came to visit old Chang’an.
At the Small Wild Goose pagoda
in the teahouse Scented Snow Sea
we had a good meeting.
The Yale professor
of Chinese literature
had a point of view
that opened my eyes
and resonated in my heart,
I had been thinking about this for years.
He said, “In the May Fourth era,
those writers who studied in Japan,
why were they so dominant?”

Today, I am finally in Japan
and I carry this question,
roaming the coast and mountains of Honshu.
Let me think,
let me think it over,
I have enough time to think of an answer.
What was it,
what was it here,
that made them
bury themselves in their work,
lay their life on the line,
fight for truth,
plead for the people
and become the backbone of modern China?

July 2018
Tr. MW, Sept. 2018

伊沙主持 | 新世纪诗典8一周联展(2018.8.26——9.1)

 

 

 

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“DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN”: Zur Rede von Michael Köhlmeier

五月 17, 2018

“DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN Offener Brief zur Diskussion um Köhlmeier-Rede

Sprachkunst-Studierende und Lehrende der Universität für angewandte Kunst Wien.”

Der Standard

Austria Presse Agentur

 

 

Der offene Brief von der Sprachkunst ist sehr gut. Gestern hab ich ihn gelesen und gedacht, jetzt möcht ich doch etwas schreiben. Vorgestern hab ich mir die Rede das erste Mal herausgesucht, angeschaut, angehört. Sehr, sehr sehr gut. Sehr, sehr wichtig. Selten. Nicht feig, wie er selbst sagt. Das ist in Österreich schon viel.

Er wollte nicht reden, das glaube ich ihm. Weiß nicht, wer das auswählt. Aber wenn er redet, sagt er, macht er es sich nicht einfach. Das glaub ich ihm auch. Österreich hat ein unheilvolles Bedürfnis nach Harmonie. Klingt mir selbst zu pathetisch, wenn ich das sage. Oder ist es auch Kalkül? Es ist vielleicht beides. Sag etwas Positives. Etwas Konstruktives, Aufbauendes. Das hat Köhlmeier dann im Interview auf ORF2 gemacht. Ich glaube schon, dass er glaubt, was er sagt. Er will es tun. Er will Herrn Schrecken beim Wort nehmen. Natürlich, das sollten wir alle, Politiker beim Wort nehmen.

Wenn du es ernst meinst, bin ich bei dir. Sagt Köhlmeier. Ich will dir erst einmal vertrauen, sagt er. Wenn du sagst, die Partei muss sich ändern. Soll ich mir jetzt die Rede von Herrn Schrecken bei diesem Deutschnationalen Ball heraussuchen? Ich mag keine Videos. Ich mag auch keine Podcasts. Youtube ist etwas Tolles, auch etwas Demokratisches, aber ich mag es nicht. Ich mag Musik auf Platten. Kassetten. Filme im Kino. Reden live, ab und zu. Trete gern selber auf. Genommen werden, ausgewählt werden. Wer hat Köhlmeier ausgewählt? Danke! Tausend Dank! Ich könnte nicht sagen, ich vertraue Herrn Schrecken. Ist das eine Schwäche von Köhlmeier, wenn er sagt, dass er vertrauen will? Vielleicht nicht. Es ist nur im Interview. Die Rede war und ist sehr, sehr, sehr wichtig.

Bei Youtube kommt man vom Hundersten ins Tausendste, auch wenn man sagt, Herrn Schrecken hör ich mir sicher nicht freiwillig an. Aber gleich neben der Köhlmeier-Rede ist die von Arik Brauer. Auch schön. Auch sehr persönlich. Wenn er sich erinnert, an das Kriegsende in Wien. Am Flötzersteig. Hinauf zum Steinhof. Schrebergärten, wo sich Arik Brauer versteckt hat. Als sechzehnjähriger Jude. Noch ein Kind, vom Aussehen und von der Stimme. Ein schöner Sopran, sagt er. Sehr, sehr sympathisch. Das ist Österreich. Wien. Diese Sprache. Jüdisch gefärbtes Wienerisch. Selten. Sehr sehr kostbar, unsere Sprache. Es tut weh. Das Erinnern. Es ist sehr schön. Auch dass er gleich sagt, die meisten Leute haben sich nicht befreit gefühlt. Die Frauen. Die Leute in den Trümmern.

Die Demokratie. Ein zartes Pflänzchen. Man passt auf die anderen auf. In Europa. In der EU. Die Ironie, mit der er das sagt, ist auch sehr schön.

Die Einwanderung, sagt er, sei schuld. Am Rechtsruck. Die Einwanderung aus arabischen Ländern, wo so viele Leute die Juden zurück ins Meer werfen wollen. Da fühlt er sich bedroht. Sagt er. Von der Einwanderung. Die Einwanderung sei schuld am Rechtsruck, auch in Polen, Ungarn und so weiter. Das sagt er dann im Interview. Und Ex-Bundespräsident Ernst Fischer sitzt konsterniert dabei. Fischer war Flüchtling, im Zweiten Weltkrieg. Es tut weh. Die Kameras zeigen, wie die Politiker schauen. Das ist sehr gut.

Arik Brauer wird ganz besonders geliebt und bejubelt. Auch von der Regierung. Und Arik Brauer verbeugt sich mehrmals und schüttelt Herrn Schrecken freudig die Hand.

Welche Einwanderung? Es gibt nach wie vor keine Araber in Polen. Oder in Ungarn.

Welche Einwanderung? In Polen gibt es viele ukrainische Gastarbeiter. Stalin hat ja die Ukraine und Polen nach Westen verschoben. Also dort, wo die ukrainischen Gastarbeitern teilweise herkommen, war vorher Polen.
Wandern die Gastarbeiter ein? Manche, wenn sie können. Glaube ich.

 

Noch einmal, es gibt keine Einwanderung aus arabischen Ländern in Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei. Überhaupt keine. Vielleicht ein paar ganz wenige SyrerInnen, die es doch irgendwie geschaftt haben. Arbeit. Heirat. Wenige. In Polen ganz sicher noch viel weniger als in Ungarn. Geographie.

Warum sagt Arik Brauer so einen Blödsinn?

Soll ich es analysieren? Warum fallen die Leute auf Schrecken herein?

Es ist alles sehr kompliziert. Sagte Sinowatz, sagt Arik Brauer. In der Demokratie, in Europa. Das ist ja das, was so weh tut. Dass er so gut redet. Bis auf den Blödsinn, bis auf den Schrecken.

Jetzt könnte ich aufhören. Warum fällt jemand auf Schrecken herein?

Moslems gibt es mehr als früher. Muslime. In Österreich. Türken. Tschetschenen. Innen. Frauen. Frauen, Männer, Kinder. Viel mehr Muslime als Juden. Dass es beides gibt, Muslime und Juden, in Österreich, ist sehr, sehr wichtig. Musliminnen, Jüdinnen. Identität. Gehört zu uns, seit über hundert Jahren. Seit ewig. Seit immer. Österreich ist Europa.

Unlängst war im Standard ein Kommentar, der an das Arabische im Römischen Reich erinnert hat. Einige Kaiser, aus Syrien und so weiter. Lukian. Etwas bei Lukian. Europa gabs nie ohne Araber.

Harmonie. Hab ich jetzt auch Harmoniebedürfnis?

Moschee und Kasino. Eines meiner besten Gedichte. Chinesisch, ursprünglich. Geschrieben in Malaysia. Handelt auch von Singapur. Da gibt es Fotos. Wie ich Moslem spiele. Sozusagen. Es war sehr schön.

Jetzt hab ich doch sehr viel geschrieben. Kein Gedicht. Einmal. Friede sei mit Euch, mit uns. Amen.

MW Mai 2018

早 [zǎo]

四月 4, 2018

Wang Youwei
[zǎo]

Mr. Lu, in charge for the emperor,
retired and built a family temple,
which became my primary school.
Our desks were made from the coffins
down in his grave.
That campaign was called
Smash The Four Olds!
I was often late,
like the great Lu Xun,
and also like him carved a 早
the character for “early”,
with my pocket knife into the rosewood.

1/22/18
Translated by MW, 4/4/18

 

Wang Youwei
[zǎo]

Herr Lu, kaiserlicher Beamter im Ruhestand
baute einen Familientempel.
Das war meine Volksschule.
Unsere Tische in der Klasse
kamen von Särgen in seinem Grab,
im Rahmen der Kampagne
“Zerschlagt die vier Alten!”.
Ich kam oft zu spät zum Unterricht.
Und wie der Dichter Lu Xun
schnitzte ich mit meinem Taschenmesser
in mein Pult aus Mahagoni
das Zeichen für “früh”.

2018-o1-22

Übersetzt von MW am 1. April 2018

KINDERARBEIT – 张小云

二月 20, 2018

Zhang Xiaoyun
KINDERARBEIT

In Luang Prabang im Menghe-Hotel abgestiegen,
dann Abendessen im Sichuan-Laden.
Kellner sind hautsächlich Teenagerinnen.
Die Chefin aus Yibing erklärt:
In Laos gibt es überhaupt keine Altersbeschränkung,
also sei das keine
Kinderarbeit.

2018-01-04
Übersetzt von MW im Februar 2018

SCHMERZMITTELREZEPT – 朝晖

十月 29, 2017

Chao Hui
SCHMERZMITTELREZEPT

vater hat noch gegen japaner gekämpft
und einen granatsplitter behalten
wir haben ihn nicht operieren lassen
als er noch auf der welt war
jedesmal auf dem friedhof
verbrennen wir für vater
ein schmerzmittelrezept

Übersetzt von MW im Oktober 2017

stress! BUSY HATING! AND WOMEN’S DAY!

三月 8, 2017
Feminist Group Applauded, Criticized After Censorship

Feminist Group Applauded, Criticized After Censorship

Feminist Group’s Weibo Shuttered

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三八女权节来了!盘点这些年中国女权主义者做过的25件好事

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三八女权节来了!盘点这些年中国女权主义者做过的25件好事

“Busy Hating” in German.

(English version and explanations see China Change)

STRESS!

Morgens hass ich die USA,
zu Mittag Südkorea,
am Abend Japan.
Ich bin sehr beschäftigt mit Taiwan und Singapur.
Dann träum ich von Vietnam und den Philippinen.

Montag gegen Südkorea,
Dienstag gegen Japan,
Mittwoch USA,
Donnerstag unabhängiges Taiwan,
Freitag aufmüpfiges Hongkong,
Samstag undankbares Tibet,
Sonntag fromme Uighuren.

Wir haben viel Arbeit.
Alles Andere muss warten!

 

Übersetzt von MW im März 2017

See also this statement:

POETRY (晚报!)

二月 25, 2017
Picture by Andreas Luf, inspired by Thelonious Monk's "Underground"

Picture by Andreas Luf, inspired by Thelonious Monk’s “Underground”

REPORT

every report
every detailed incisive report
kind that makes powerful people squirm
is just as important
as any art
any poem
any church, temple
that makes you pause
think
feel
every report

MW February 2017

buchengasse100

POETRY

poetry
is impo
rtant
truth
is impo
tent
or is it
or are you

MW February 2017


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