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ENTSCHULDIGUNG, ICH KANNS NICHT SAGEN – 绿鱼 Lü Yu

一月 9, 2021

Lü Yu
ENTSCHULDIGUNG, ICH KANNS NICHT SAGEN

Weiß nicht, wann ich angefangen hab,
bei Jobinterviews, wenn ich ausfülle
was meine Eltern arbeiten,
immer zu schreiben „Einzelunternehmer“.
In Wirklichkeit haben die beiden
nie irgendwelche Unternehmen geführt.

Mein Papa ist Schrottsammler,
manchmal auch Zeitarbeiter.
Meine Mama hat in ihrem Leben
nie offiziell eine Arbeit gehabt.
Sie war daheim bei den Kindern,
später hat sie draußen für ihren Mann gekocht,
heute schaut sie daheim auf die Enkel.

30. 11. 2020
Übersetzt von MW im Januar 2020

Lü Yu, Papa von Cijun und Ziyi, geb. am 21. 1. 1990 in Guoyang, Provinz Anhui. 2012 Abschluss der Fachschule für Rundfunk, Film & Fernsehen der Provinz Shanxi. Arbeitet & lebt in Beijing. 《新诗典》小档案:绿鱼,此君和子衣的爸爸,1990年1月21日出生,安徽涡(guō)阳人。2012年毕业于山西广播电影电视管理干部学院,目前在北京工作及生活。

伊沙推荐:我不是"好人",绿鱼推我很多,我推他少之又少。在我看来,他的诗很好选:芜杂者多,一写干净,便入我眼。我不干预他人交友之道,只说一个写作至理:人交芜杂了,便会有个不良信息蹿入你心:我可以写芜杂,芜杂是丰富之一种。绿鱼最大的优点便是直面人生,不回避生活之重,本诗写得干净。

 

 

 

“DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN”: Zur Rede von Michael Köhlmeier

五月 17, 2018

“DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN Offener Brief zur Diskussion um Köhlmeier-Rede

Sprachkunst-Studierende und Lehrende der Universität für angewandte Kunst Wien.”

Der Standard

Austria Presse Agentur

 

 

Der offene Brief von der Sprachkunst ist sehr gut. Gestern hab ich ihn gelesen und gedacht, jetzt möcht ich doch etwas schreiben. Vorgestern hab ich mir die Rede das erste Mal herausgesucht, angeschaut, angehört. Sehr, sehr sehr gut. Sehr, sehr wichtig. Selten. Nicht feig, wie er selbst sagt. Das ist in Österreich schon viel.

Er wollte nicht reden, das glaube ich ihm. Weiß nicht, wer das auswählt. Aber wenn er redet, sagt er, macht er es sich nicht einfach. Das glaub ich ihm auch. Österreich hat ein unheilvolles Bedürfnis nach Harmonie. Klingt mir selbst zu pathetisch, wenn ich das sage. Oder ist es auch Kalkül? Es ist vielleicht beides. Sag etwas Positives. Etwas Konstruktives, Aufbauendes. Das hat Köhlmeier dann im Interview auf ORF2 gemacht. Ich glaube schon, dass er glaubt, was er sagt. Er will es tun. Er will Herrn Schrecken beim Wort nehmen. Natürlich, das sollten wir alle, Politiker beim Wort nehmen.

Wenn du es ernst meinst, bin ich bei dir. Sagt Köhlmeier. Ich will dir erst einmal vertrauen, sagt er. Wenn du sagst, die Partei muss sich ändern. Soll ich mir jetzt die Rede von Herrn Schrecken bei diesem Deutschnationalen Ball heraussuchen? Ich mag keine Videos. Ich mag auch keine Podcasts. Youtube ist etwas Tolles, auch etwas Demokratisches, aber ich mag es nicht. Ich mag Musik auf Platten. Kassetten. Filme im Kino. Reden live, ab und zu. Trete gern selber auf. Genommen werden, ausgewählt werden. Wer hat Köhlmeier ausgewählt? Danke! Tausend Dank! Ich könnte nicht sagen, ich vertraue Herrn Schrecken. Ist das eine Schwäche von Köhlmeier, wenn er sagt, dass er vertrauen will? Vielleicht nicht. Es ist nur im Interview. Die Rede war und ist sehr, sehr, sehr wichtig.

Bei Youtube kommt man vom Hundersten ins Tausendste, auch wenn man sagt, Herrn Schrecken hör ich mir sicher nicht freiwillig an. Aber gleich neben der Köhlmeier-Rede ist die von Arik Brauer. Auch schön. Auch sehr persönlich. Wenn er sich erinnert, an das Kriegsende in Wien. Am Flötzersteig. Hinauf zum Steinhof. Schrebergärten, wo sich Arik Brauer versteckt hat. Als sechzehnjähriger Jude. Noch ein Kind, vom Aussehen und von der Stimme. Ein schöner Sopran, sagt er. Sehr, sehr sympathisch. Das ist Österreich. Wien. Diese Sprache. Jüdisch gefärbtes Wienerisch. Selten. Sehr sehr kostbar, unsere Sprache. Es tut weh. Das Erinnern. Es ist sehr schön. Auch dass er gleich sagt, die meisten Leute haben sich nicht befreit gefühlt. Die Frauen. Die Leute in den Trümmern.

Die Demokratie. Ein zartes Pflänzchen. Man passt auf die anderen auf. In Europa. In der EU. Die Ironie, mit der er das sagt, ist auch sehr schön.

Die Einwanderung, sagt er, sei schuld. Am Rechtsruck. Die Einwanderung aus arabischen Ländern, wo so viele Leute die Juden zurück ins Meer werfen wollen. Da fühlt er sich bedroht. Sagt er. Von der Einwanderung. Die Einwanderung sei schuld am Rechtsruck, auch in Polen, Ungarn und so weiter. Das sagt er dann im Interview. Und Ex-Bundespräsident Ernst Fischer sitzt konsterniert dabei. Fischer war Flüchtling, im Zweiten Weltkrieg. Es tut weh. Die Kameras zeigen, wie die Politiker schauen. Das ist sehr gut.

Arik Brauer wird ganz besonders geliebt und bejubelt. Auch von der Regierung. Und Arik Brauer verbeugt sich mehrmals und schüttelt Herrn Schrecken freudig die Hand.

Welche Einwanderung? Es gibt nach wie vor keine Araber in Polen. Oder in Ungarn.

Welche Einwanderung? In Polen gibt es viele ukrainische Gastarbeiter. Stalin hat ja die Ukraine und Polen nach Westen verschoben. Also dort, wo die ukrainischen Gastarbeitern teilweise herkommen, war vorher Polen.
Wandern die Gastarbeiter ein? Manche, wenn sie können. Glaube ich.

 

Noch einmal, es gibt keine Einwanderung aus arabischen Ländern in Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei. Überhaupt keine. Vielleicht ein paar ganz wenige SyrerInnen, die es doch irgendwie geschaftt haben. Arbeit. Heirat. Wenige. In Polen ganz sicher noch viel weniger als in Ungarn. Geographie.

Warum sagt Arik Brauer so einen Blödsinn?

Soll ich es analysieren? Warum fallen die Leute auf Schrecken herein?

Es ist alles sehr kompliziert. Sagte Sinowatz, sagt Arik Brauer. In der Demokratie, in Europa. Das ist ja das, was so weh tut. Dass er so gut redet. Bis auf den Blödsinn, bis auf den Schrecken.

Jetzt könnte ich aufhören. Warum fällt jemand auf Schrecken herein?

Moslems gibt es mehr als früher. Muslime. In Österreich. Türken. Tschetschenen. Innen. Frauen. Frauen, Männer, Kinder. Viel mehr Muslime als Juden. Dass es beides gibt, Muslime und Juden, in Österreich, ist sehr, sehr wichtig. Musliminnen, Jüdinnen. Identität. Gehört zu uns, seit über hundert Jahren. Seit ewig. Seit immer. Österreich ist Europa.

Unlängst war im Standard ein Kommentar, der an das Arabische im Römischen Reich erinnert hat. Einige Kaiser, aus Syrien und so weiter. Lukian. Etwas bei Lukian. Europa gabs nie ohne Araber.

Harmonie. Hab ich jetzt auch Harmoniebedürfnis?

Moschee und Kasino. Eines meiner besten Gedichte. Chinesisch, ursprünglich. Geschrieben in Malaysia. Handelt auch von Singapur. Da gibt es Fotos. Wie ich Moslem spiele. Sozusagen. Es war sehr schön.

Jetzt hab ich doch sehr viel geschrieben. Kein Gedicht. Einmal. Friede sei mit Euch, mit uns. Amen.

MW Mai 2018


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