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YEAR OF THE PANDEMIC – 闫永敏

三月 23, 2020

Yan Yongmin
YEAR OF THE PANDEMIC

We haven’t had very much contact,
but then this friend who researches old Chinese literature
suddenly calls me.
„This is the year of a pandemic,
you are a poet,
you have to write about this.“
I hasten to say, I am writing,
but after the call I’m a little uneasy.
If I hadn’t been writing,
how could I face my friend?
You start on this road of writing poetry,
there will be people watching.
No matter if you know it or not,
it’s like they’re shining a light on your face,
looking for the four letters for “poet”,
so can I take that, to be on the spot?

Translated by MW, March 2020

 

 

“DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN”: Zur Rede von Michael Köhlmeier

五月 17, 2018

“DIE DINGE BEIM NAMEN NENNEN Offener Brief zur Diskussion um Köhlmeier-Rede

Sprachkunst-Studierende und Lehrende der Universität für angewandte Kunst Wien.”

Der Standard

Austria Presse Agentur

 

 

Der offene Brief von der Sprachkunst ist sehr gut. Gestern hab ich ihn gelesen und gedacht, jetzt möcht ich doch etwas schreiben. Vorgestern hab ich mir die Rede das erste Mal herausgesucht, angeschaut, angehört. Sehr, sehr sehr gut. Sehr, sehr wichtig. Selten. Nicht feig, wie er selbst sagt. Das ist in Österreich schon viel.

Er wollte nicht reden, das glaube ich ihm. Weiß nicht, wer das auswählt. Aber wenn er redet, sagt er, macht er es sich nicht einfach. Das glaub ich ihm auch. Österreich hat ein unheilvolles Bedürfnis nach Harmonie. Klingt mir selbst zu pathetisch, wenn ich das sage. Oder ist es auch Kalkül? Es ist vielleicht beides. Sag etwas Positives. Etwas Konstruktives, Aufbauendes. Das hat Köhlmeier dann im Interview auf ORF2 gemacht. Ich glaube schon, dass er glaubt, was er sagt. Er will es tun. Er will Herrn Schrecken beim Wort nehmen. Natürlich, das sollten wir alle, Politiker beim Wort nehmen.

Wenn du es ernst meinst, bin ich bei dir. Sagt Köhlmeier. Ich will dir erst einmal vertrauen, sagt er. Wenn du sagst, die Partei muss sich ändern. Soll ich mir jetzt die Rede von Herrn Schrecken bei diesem Deutschnationalen Ball heraussuchen? Ich mag keine Videos. Ich mag auch keine Podcasts. Youtube ist etwas Tolles, auch etwas Demokratisches, aber ich mag es nicht. Ich mag Musik auf Platten. Kassetten. Filme im Kino. Reden live, ab und zu. Trete gern selber auf. Genommen werden, ausgewählt werden. Wer hat Köhlmeier ausgewählt? Danke! Tausend Dank! Ich könnte nicht sagen, ich vertraue Herrn Schrecken. Ist das eine Schwäche von Köhlmeier, wenn er sagt, dass er vertrauen will? Vielleicht nicht. Es ist nur im Interview. Die Rede war und ist sehr, sehr, sehr wichtig.

Bei Youtube kommt man vom Hundersten ins Tausendste, auch wenn man sagt, Herrn Schrecken hör ich mir sicher nicht freiwillig an. Aber gleich neben der Köhlmeier-Rede ist die von Arik Brauer. Auch schön. Auch sehr persönlich. Wenn er sich erinnert, an das Kriegsende in Wien. Am Flötzersteig. Hinauf zum Steinhof. Schrebergärten, wo sich Arik Brauer versteckt hat. Als sechzehnjähriger Jude. Noch ein Kind, vom Aussehen und von der Stimme. Ein schöner Sopran, sagt er. Sehr, sehr sympathisch. Das ist Österreich. Wien. Diese Sprache. Jüdisch gefärbtes Wienerisch. Selten. Sehr sehr kostbar, unsere Sprache. Es tut weh. Das Erinnern. Es ist sehr schön. Auch dass er gleich sagt, die meisten Leute haben sich nicht befreit gefühlt. Die Frauen. Die Leute in den Trümmern.

Die Demokratie. Ein zartes Pflänzchen. Man passt auf die anderen auf. In Europa. In der EU. Die Ironie, mit der er das sagt, ist auch sehr schön.

Die Einwanderung, sagt er, sei schuld. Am Rechtsruck. Die Einwanderung aus arabischen Ländern, wo so viele Leute die Juden zurück ins Meer werfen wollen. Da fühlt er sich bedroht. Sagt er. Von der Einwanderung. Die Einwanderung sei schuld am Rechtsruck, auch in Polen, Ungarn und so weiter. Das sagt er dann im Interview. Und Ex-Bundespräsident Ernst Fischer sitzt konsterniert dabei. Fischer war Flüchtling, im Zweiten Weltkrieg. Es tut weh. Die Kameras zeigen, wie die Politiker schauen. Das ist sehr gut.

Arik Brauer wird ganz besonders geliebt und bejubelt. Auch von der Regierung. Und Arik Brauer verbeugt sich mehrmals und schüttelt Herrn Schrecken freudig die Hand.

Welche Einwanderung? Es gibt nach wie vor keine Araber in Polen. Oder in Ungarn.

Welche Einwanderung? In Polen gibt es viele ukrainische Gastarbeiter. Stalin hat ja die Ukraine und Polen nach Westen verschoben. Also dort, wo die ukrainischen Gastarbeitern teilweise herkommen, war vorher Polen.
Wandern die Gastarbeiter ein? Manche, wenn sie können. Glaube ich.

 

Noch einmal, es gibt keine Einwanderung aus arabischen Ländern in Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei. Überhaupt keine. Vielleicht ein paar ganz wenige SyrerInnen, die es doch irgendwie geschaftt haben. Arbeit. Heirat. Wenige. In Polen ganz sicher noch viel weniger als in Ungarn. Geographie.

Warum sagt Arik Brauer so einen Blödsinn?

Soll ich es analysieren? Warum fallen die Leute auf Schrecken herein?

Es ist alles sehr kompliziert. Sagte Sinowatz, sagt Arik Brauer. In der Demokratie, in Europa. Das ist ja das, was so weh tut. Dass er so gut redet. Bis auf den Blödsinn, bis auf den Schrecken.

Jetzt könnte ich aufhören. Warum fällt jemand auf Schrecken herein?

Moslems gibt es mehr als früher. Muslime. In Österreich. Türken. Tschetschenen. Innen. Frauen. Frauen, Männer, Kinder. Viel mehr Muslime als Juden. Dass es beides gibt, Muslime und Juden, in Österreich, ist sehr, sehr wichtig. Musliminnen, Jüdinnen. Identität. Gehört zu uns, seit über hundert Jahren. Seit ewig. Seit immer. Österreich ist Europa.

Unlängst war im Standard ein Kommentar, der an das Arabische im Römischen Reich erinnert hat. Einige Kaiser, aus Syrien und so weiter. Lukian. Etwas bei Lukian. Europa gabs nie ohne Araber.

Harmonie. Hab ich jetzt auch Harmoniebedürfnis?

Moschee und Kasino. Eines meiner besten Gedichte. Chinesisch, ursprünglich. Geschrieben in Malaysia. Handelt auch von Singapur. Da gibt es Fotos. Wie ich Moslem spiele. Sozusagen. Es war sehr schön.

Jetzt hab ich doch sehr viel geschrieben. Kein Gedicht. Einmal. Friede sei mit Euch, mit uns. Amen.

MW Mai 2018

DIE FIGUR DES TRAUMS DER ROTEN KAMMER – 李勋阳

六月 1, 2017

LI Xunyang
DIE FIGUR DES TRAUMS DER ROTEN KAMMER

In dieser kleinen Stadt
hab ich schon oft
an irgendwelchen Ecken
kleine Bücherverkäufer gesehen,
es geht nach Gewicht.
Aber ich war noch nie Kunde,
weil ich eben auch
ein Schriftsteller bin.
An diesem Abend
am Eingang zu einer Wohnhausanlage
unter einer Straßenlampe
ist auf einmal wieder ein Stand.
Ich schau lange Zeit,
seh doch nur den “Traum der roten Kammer”,
von dem ich schon so viele Ausgaben habe.
Gewogen und nach Haus gebracht,
dann bin ich neugierig
und wieg noch einmal mit meiner Küchenwaage.
Der Traum ist 150 Gramm dünner
als vorher bei dem jungen Verkäufer.

Übersetzt von MW im Juni 2017

《红楼梦的身材》
李勋阳

我曾好几次
在这个小城的一些角落
见到过论斤称卖
的小书摊
但却不曾上前光顾过
当然是因为
我也是一个写作者
这天傍晚
小区门口
路灯下
突然出现一个同样的书摊来
我挑了半天
也只有我自己已经拥有
好几个版本的《红楼梦》可买
称回家后
我抑制不住好奇
用自家的厨房电子称
称了称
发现比小伙子称的
瘦了三两

MEIN TRAFIKANT – 伊沙

九月 18, 2015

Yi Sha Fussballer selbst

Yi Sha 《卖报翁》
MEIN TRAFIKANT

mein trafikant hat seinen stand
wo etwas los ist in dieser stadt
die nächste trafik von meiner wohnung
dort sitzt er und hat scheinbar gar nichts zu tun
ich hab meinen unverrückbaren stundenplan
am vormittag schreiben, dann kommt der mittagschlaf
nachher ein spaziergang
dann komm ich bei seiner trafik vorbei
und kauf eine “sportwoche”
jetzt in der zeit der weltmeisterschaft
war die sportwoche ausverkauft
schon mehrere male. ich muss mich beschweren:
“großväterchen, könnten sie nicht ein paar mehr bestellen?”
“ein paar mehr sportwochen?”
“ein paar mehr sportwochen bleiben mir liegen!
am end’ zahl ich drauf!”
was soll ich da machen als fussballfan?
ich hab eine idee:
“großväterchen, schauen sie die wm?
sie schauen die wm am abend davor
sagen wir deutschland verliert oder spanien
vielleicht gegen österreich oder albanien
dann geht die zeitung doch wie warme semmeln?”
“na, das stimmt. da war schon am vormittag alles weg.
aber sie können leicht reden.
woher nehm ich die zeit?
untertags hock ich hier drinnen
den ganzen tag und krieg noch den hitzschlag
am abend pack ich zusammen
bis ich daheim bin
daheim ess ich mit meiner alten
waschen ins bett gehen
schlafen wie ein toter hund
wie soll ich die wm schauen!”

2010
Übersetzt von MW im Sept. 2015

《卖报翁》

卖报翁,租亭卖报闹市中
就在距我家最近的那座报亭
身为一名貌似闲人的“坐家”
我有我雷打不动的作息时间表
上午写作、中午午觉
待到下午出门散步时
才会光顾他的报亭
购买一张《体坛周报》
值此世界杯期间
我是屡屡买不着
次数多了我便向其抱怨:
“大爷,您老就不能多进几张么?”
“多进?”他回答道:
“多进几张可就卖不掉喽!
亏得还不是我!”
我球迷的一根筋被触碰了
自以为聪明的给他支招:
“大爷,您看不看球?
您要是看球就好判断了
头一晚若有冷门大爆
第二天您就多进几张
西班牙和德国输了球
报纸是不是就好卖些?”
“那倒是。那两天中午不到
报纸就卖光了……可是
你这是站着说话不腰疼
我哪儿有闲心看球啊?
白天呆在这个蒸笼里
守上整整一天
热得快要中暑
晚上收摊回到家
吃了老伴做的饭
洗洗就睡了
睡得跟死狗似的
还看什么世界杯!”
(2010)

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