Posts Tagged ‘shame’

DREAM #900 – 伊沙 – TRAUM 900

十一月 11, 2016

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Yi Sha
DREAM #900

I’ve had a dream
I’ve seen a phenomenon
-doesn’t exist in reality-
one person can scold
another person
really down to the ground
as long as they hit the point
humans are finally
known to know shame

October 2016
Tr. MW, November 2016

 

Yi Sha 《梦(900)》
TRAUM 900

ich träume von einer erscheinung
die in wirklichkeit gar nicht gibt
ein mensch kann schimpfen
ein anderer fällt um
hauptsache er ist wirklich
getroffen
die leute können sich auf einmal schämen

Oktober 2016
Übersetzt von MW im Oktober 2016

 

《梦(900)》

我梦见了
现实中没有的奇观
一个人可以骂倒
另一个人
只要你真正
骂到点儿上
人类终于进化到知耻

2016/10

 

Yi Sha 《梦(905)》
TRAUM 905

ich hab eine große torte bestellt
in form einer karte der usa
und noch eine torte
in form einer großen australischen karte

die erste war für meine jüngere schwester
die zweite für wen?

Oktober 2016
Übersetzt von MW im Oktober 2016

《梦(905)》

我定制了一块
美国地图的大蛋糕
又定制了一块
澳洲地图的大蛋糕

第一块是送给妹妹的
第二块是送给谁的

2016/10

 

Yi Sha 《梦(898)》
TRAUM 898

ein mitstudent von mir
nachdem er getrunken hat
nimmt einen dolch
sticht nach leuten zum spaß
ich hab schon blut
am ganzen körper
pack ihn und lass ihn nicht los
versuch ihm den dolch
aus der hand zu reißen
und sag mir dabei:
“auf der uni damals
hab ich mit ihm getrunken
da war er ganz anders.
das ist nur die macht!
ich muss ihn aufhalten!”

Oktober 2016
Übersetzt von MW im Oktober 2016

 

《梦(898)》

一位大学男同学
酒后喜欢
用一把尖刀
扎人玩
我被他扎得
满手是血
我死死抱住他
试图夺下
他手中的刀
我对自己说:
"上学那阵子
也与之喝过酒
从来不这样
都是权力闹的
必须制止他!"

2016/10

 

Yi Sha 《陌生电话》
FREMDE NUMMER

ein anruf kommt herein
unbekanntes gerät
aus jinhua, provinz zhejiang
dort machen sie schinken
“können die jetzt gut reden?”
denk ich mir
und nehm doch das gespräch an
“papa! sie haben mich geschlagen
und ich darfs dir nicht sagen … “
ein bub schluchzt ins telefon
südliches mandarin
“falsche nummer!”
ruf ich in den hörer,
“renn nicht zu deinem vater,
ruf 110 polizei!”
“danke … onkel!
ich weiß schon!”

Oktober 2016
Übersetzt von MW im Oktober 2016

 

《陌生电话》

一个电话打进来
未名手机
来自浙江金华
我暗想:
"火腿也来忽悠人么?"
但还是接了
"爸!他们打我
还不让我告诉你⋯⋯"
一个男孩的哭腔
南方普通话
"打错了"
我冲电话喊:
"别找你爸了
直接打110!"
"谢⋯⋯叔叔
我知道了"
对方回应道

2016/10

 

Yi Sha《梦(820)》
TRAUM 820

In einer Gruppe von WeChat
wenn du etwas gesagt hast
das der Gruppenleiter
für falsch erklärt hat
trägst du ein gelbes Armband
wie die Juden
unter den Nazis

Juli 2016
Übersetzt von MW im Herbst 2016

《梦(820)》

在某群里
如果你说了
群主认定的错话
就要戴上
犹太人在纳粹时期
所戴的黄袖章

2016/7

 

Yi Sha 《梦(742)》
TRAUM 742

ein mensch
nicht ich
rennt und rennt
durch straßen und gassen
bei jedem wichtigen ort
jeder sehenswürdigkeit
springt er über geländer

Mai 2016
Übersetzt von MW im Herbst 2016

 

《梦(742)》

一个人
不是我
奔跑着
跑过城市的
大街小巷
每遇到一处风景
他都要做出
跨栏的动作

2016/5

 

Yi Sha 《梦(750)》
TRAUM 750

durch eine riesige glasscheibe
erschieße ich drei personen
meine pistole hat einen schalldämpfer
eines meiner opfer ist eine frau

was für ein großer hass!

nach der tat
leg ich die pistole am tatort ab
damit mich die polizei schneller findet
steck ich eine visitenkarte dazu

was für eine gelassenheit!

Mai 2016
Übersetzt von MW im Herbst 2016

 

《梦(750)》

隔着一面巨大的玻璃
我用带消音器的手枪
点杀了三个人
其中一位还是妇女

这是多大的仇恨啊

干完之后
我把枪撂在原地
为了让警察尽快找到我
我把一张名片放在上面

这是何等的坦然啊

2016/5

 

Yi Sha 《梦(751)》
TRAUM 751

ein traum von der nacht vor dem muttertag:
meine mutter zur rechten
anna achmatowa zur linken
geh ich glücklich durch paris
als wir den eifelturm passieren
nimmt mama meine hand und fragt:
“wieso biegt sie nie ab
und folgt uns die ganze zeit?”

Mai 2016
Übersetzt von MW im Herbst 2016

 

《梦(751)》

母亲节前夕之梦:
母亲在右
安娜·阿赫玛托娃在左
我幸福地走在巴黎街头
经过埃菲尔铁塔时
母亲拉拉我的手说:
"她为什么还不拐弯
一直跟着我们?"

2016/5

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ÖSTERREICH UND BRASILIEN

八月 15, 2016

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ÖSTERREICH UND BRASILIEN

österreich hat die em nicht gewonnen
van der bellen ist noch nicht präsident
im moment ist es niemand
es ist eine schande
alaba war halt nicht genug
aber brasilien hat auch probleme
die präsidentin fast wie in thailand
schifahrn ist wichtiger

MW August 2016

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GORBATSCHOW – 伊沙

六月 26, 2016

shihuizhuyi

《戈尔巴乔夫》

我在想一个人
不知道这些年
他都在做什么
过得好吗

我在想一个人
这个人在1989年
来过对我而言
最后的北京

我在想一个人
我替我的领导人
感到不好意思见他
他令伟人不再伟大

我在想一个人
我在想他的时候
他就出现啦
在电视里

我在想一个人
这些年他走遍世界
死了老婆
对亡妻一往情深

我在想一个人
他的秃顶上有红星的胎记
被中国人认定是颗灾星
他却很在乎愚民一族的看法

2003

 

Yi Sha 《戈尔巴乔夫》
GORBATSCHOW

ich denk an einen menschen
weiss nicht wie es ihm geht
in den letzten jahren
was er so macht

ich denk an einen menschen
1989 kommt er nach peking
für mich ist die stadt
dann bald untergegangen

ich denk an einen menschen
ich hab mich für unsere leute geschämt
die großen männer waren nicht groß
neben ihm

ich denk an einen menschen
da taucht er auf
hier vor mir
mitten im fernseher

ich denk an einen menschen
er ist viel herumgereist auf der welt
seine frau ist gestorben
er liebt sie noch immer

ich denk an einen menschen
er hat einen roten stern auf der glatze
das ist für chinesen ein böses omen
aber er kümmert sich was wir dummköpfe meinen

2003
Übersetzt von MW im Juni 2016

Yi Sha Gorbatschow

 

Yi Sha Gorbatschow2

BETET FÜR UNS IN ÖSTERREICH

五月 14, 2016

Lotus

BETET FÜR UNS

betet für uns

alle außerhalb österreichs
denen wir nicht
vollkommen wurst sind
betet für uns

wir wissen dass wir selber schuld sind

alle in österreich
die offen sind
betet für uns

himmel und erde
sind nicht barmherzig
behandeln die zehntausend dinge
wie strohpuppen

betet für uns

MW Mai 2016

 

U-BAHN & THEATER

die menschen in der u-bahn reden wie im theater
nur etwas leiser, etwas diskret

die menschen im theater reden wie in der u-bahn
nur etwas lauter und überdreht

MW Mai 2016

AUSTRIAN FEDERAL CHANCELLOR CHICKEN: HOCH DIE INTERNATIONALE FEIGHEIT!

三月 15, 2016

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BUNDESKANZLER FEIGMANN

feigmann ist ein solidarischer mensch
genau wie die zeitung
genau wie das fernsehen
die herrinnen bundesminister
hoch die internationale feigheit
wir haben die balkan-route verstopft
jetzt stopfen wir die italien-route
wir sind ja mittendrin
wir sind österreich-ungarn

MW März 2016

AUSTRIAN FEDERAL CHANCELLOR CHICKEN

chancellor chicken is all solidarity
he loves the papers
he loves the tv
he loves his fellow interior ministers
hail international cowardice!
we have blocked the balkan route
now let us seal the italian corridor
let us block ourselves all over europe
first and foremost 
austro-hungary!

MW March 2016

SCHANDE

三月 3, 2016

SCHANDE

Österreich ist eine Schande.
Wir haben die Balkan-Route verstopft.
Jetzt wird es wieder wie vor einem Jahr.

Im August war da ein Lastwagen,
ein Lastwagen voller Leichen
auf einer Straße im Osten Österreichs
nicht weit vom Flughafen Wien.
Ungefähr 70 Leichen,
nicht wenige Kinder.

Nach diesem Lastwagen,
wann haben sie dann die Grenzen geöffnet?
Nicht alle Grenzen waren gleich offen.
Aber die Eisenbahn
war für die Flüchtlinge offen,
jedenfalls eine Zeitlang.

Warum sind voriges Jahr
soviele Leute auf einmal gekommen?
Wieviele Jahre ist Krieg in Syrien?
Im Libanon wurden voriges Jahr
die Essensrationen halbiert.
Die UNO hatte kein Geld
für die Flüchtlinge.

Das war lange bekannt. Aber einige Staaten,
darunter Österreich, wollten nicht zahlen.

Also sind viele Leute gekommen.

Wann riskierst du dein Leben,
wann riskierst du das Leben
deiner Kinder?

Wieviele Leute sollen ertrinken?
Wieviele Lastwagen?

Unter den Nazis,
wie hat man die serbischen Juden ermordet?
Hauptsächlich mit Lastwagen.

Man hat ihnen irgend etwas versprochen.
Die Kinder hat man mit Zuckerln getröstet.
Und dann auf der Fahrt
gingen die Auspuffgase ins Innere.

Die Methode war praktisch.
Keine langen Eisenbahnwege,
das war zu der Zeit
auch gar nicht mehr sicher.

Wieviele Lastwagen,
wieviele Menschen?
Wieviele Nazis
waren aus Österreich?
Wieviele können sich noch erinnern,
im ehemaligen Jugoslawien,
in Griechenland?

Österreich hat die Balkan-Route verstopft.
Es ist eine Schande.

2016-03-02

Liu Xiaobo 1989 and today

十月 5, 2010

No Choice – My Memories of Liu Xiaobo Before And After 1989

Keine andere Wahl – Liu Xiaobo, 1989 und heute

Bei Ling

This article was published on June 16, 2010 in Ming Pao Daily, Hong Kong and in Lianhe Bao (United Daily News), Taipei.

Die chinesische Originalfassung dieses Artikels erschien am 16. Juni 2010 in den Tageszeitungen Ming Pao (Hongkong) und Lianhe bao (United Daily News, Taiwan)

Translation/Übersetzung: Martin Winter

Source/Quelle: Lianhe Bao (United Daily News, Taipei)

http://mag.udn.com/mag/world/storypage.jsp?f_MAIN_ID=235&f_SUB_ID=4595&f_ART_ID=255134

See also
英語報紙:In English:
http://www.taipeitimes.com/News/editorials/archives/2010/11/02/2003487492

In German:

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E3AB4F19D97FC404CB097C726A204806D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

En espanol:

http://www.abc.es/20101010/internacional/xiaobo-1989-ahora-20101010.html

From the Noble Committee:

https://docs.google.com/View?id=dc7f6bh9_884dj3m7sfh

別無選擇——記1989年前後的劉曉波

【聯合報╱貝嶺/文】

2010.06.17 03:28 am

He is very gentle, but he cannot stand any false kindness; he emphasizes individualism, though in daily life he needs his friends very much … His unique personality highlights exactly the kind of character that is so extremely rare among Chinese intellectuals …

Er ist ein sanfter Mensch und kann doch faule Kompromisse nicht ertragen. Er tritt für die Freiheit des Individiums ein und ist doch im täglichen Leben sehr stark auf seine Freunde angewiesen. Sein eigenwilliger Charakter ist gerade unter chinesischen Intellektuellen sehr selten und kostbar…

他喜歡溫和,卻又無法容忍平庸的溫和,他強調個體,可在日常生活中他又如此地需要朋友……他獨特的個性恰恰反襯了中國知識分子極其缺乏個性……

Author’s comment:

This text has been modified. I first wrote it in New York in June 1989, after the June Fourth crackdown, and after I heard that Liu Xiaobo had been arrested in Beijing. I had to vent my feelings. The Liu Xiaobo in this article is my very personal Liu Xiaobo from over 20 years ago.

Read on …

英語報紙:In English:
http://www.taipeitimes.com/News/editorials/archives/2010/11/02/2003487492

德國報紙 Auf Deutsch:
http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E3AB4F19D97FC404CB097C726A204806D~ATpl~Ecommon~Scontent.html
西班牙報紙 En español:
http://www.abc.es/20101010/internacional/xiaobo-1989-ahora-20101010.html

挪威諾貝爾委會 Noble Comittee Communique
https://docs.google.com/View?id=dc7f6bh9_884dj3m7sfh
中國留學生 Chinese students abroad
http://www.dailyillini.com/blogs/different-perspectives/2010/10/31/chinese-illini-not-sure-how-to-feel-about-chinas-first-nobel
王超華 Wang Chaohua
http://www.thechinabeat.org/?p=2793

Open Letter

三月 9, 2010

Offener Brief

Wem soll ich das jetzt schreiben? Vielleicht an die Presse. Kommentar der Anderen. Naja, Chefredakteur Michael Fleischhacker hat heute Samstag in der Presse das österreichische Nazi-Verbotsgesetz als notwendigen Ausdruck politischer Unreife bekräftigt. Alle schreiben jetzt über die FPÖ. Wird es etwas nützen? Was glauben Sie?

Warum schreiben jetzt wieder alle über die FPÖ, von den Gratiszeitungen in der U-Bahn zu den Mittelklasse-, Business-, Familien- und Alternativvehikeln?
“Es war ein Fehler, nicht anzutreten.” Das war die Schlagzeile von vorgestern, Donnerstag. Hab ich im Vorübereilen am Bahnhof gesehen. Wahrscheinlich Michael Ludwig, in der Brücke. Nein, der Landeshauptmann. Nicht der davor. Pröll, in der Krone. Nicht die Annemarie.

Also wissen es eh schon alle. Vielleicht schreib ich das nur für mich selbst. Politische Unreife. Ja, allerdings! Warum kann die ehemals größte und immer noch relativ wirtschaftliche Partei des Landes keinen eigenen Kandidaten für die Wahl des Staatsoberhauptes finden? Hat man dem amtierenden Parteisekretär wirklich überhaupt nichts entgegenzusetzen?

Und die Grünen? Ich würde sehr gerne Terezija Stoisits wählen, zum Beispiel. Sie hat im Parlament die Bundeshymne auf burgenländischem Kroatisch gesungen, oder war es die Eidesformel? Ist schon eine Weile her, aber sie hat Österreich sehr gut vertreten, in vielen Fragen. A senior figure. A seminal figure, too.

Don’t get me wrong, ich finde auch, dass wir einen recht guten amtierenden Bundespräsidenten haben. Aber ist das wirklich ein Grund? Alle fünf Jahre wird gewählt. So ist das in einer Demokratie. Ja, die Wahl kostet Geld. Aber sieht eine große Partei wirklich besser aus, wenn sie nicht antritt? Und eine Protestpartei, die die Grünen ursprünglich waren?

Jetzt reden alle von den Rechten. Die üben keine Zurückhaltung. Die treten an, stramm und gereckt. Also was können wir machen? Nicht wählen gehen. Oder Fischer. Versteht sich gut mit Li Peng. Das ist das einzige, was ich gegen ihn habe. Demonstrationsverbot anlässlich des Besuchs des chinesischen Premiers nach dem Tiananmen-Massaker. Die Grünen haben im Parlament protestiert. Cap und Fischer haben das Demonstrationsverbot verleugnet, verniedlicht und bekräftigt. Boot ist voll. Gesetze als Ausländerhetze. Das war damals die Politik der regierenden Sozialistischen Partei Österreichs. Sozialdemokratisch, Entschuldigung, den Namen haben sie auch noch nicht so lange geändert. Nein, ich bin kein Antimarxist. Finde es schön, wenn man an etwas glaubt. Meistens. Innenminister Löschnak ist extra aus der Kirche ausgetreten, damit ihm die nicht mehr gar so sehr auf die Nerven gehen können, die Frau Pfarrerin Christine Hubka zum Beispiel, die die Flüchtlinge aufnahm, als das Boot ach so voll war, im Jugoslawienkrieg. Sie war dann “Frau des Jahres”. Ich habe im Jahr darauf in Traiskirchen Deutsch unterrichtet, Zivildienst.

Alle sähen besser aus, wenn es eine Wahl gäbe. Zwischen dem amtierenden Staatsoberhaupt und ein paar ernstzunehmenden anderen Frauen und Männern. Alle sähen besser aus, auch die SPÖ. Von der großen Wirtschaftspartei ÖVP gar nicht zu reden, oder von den Grünen. Woher kommen die Grünen? Aus dem erfolgreichen Protest gegen das Atomkraftwerk der ersten Generation, das vielleicht doch auf einer Erdbebenlinie lag. Erfolgreich gegen Kreisky und Fischer, mit über 50 Prozent. Auch 1984 waren wir erfolgreich. Ja, auch ich habe damals mitdemonstriert, für die Erhaltung der Donauauen bei Hainburg.

Ich würde auch gerne Fischler wählen. Nein, das war kein Schreibfehler, das war der EU-Agrarkommissar, allseits geachtet, hatte man den Eindruck. Ist doch wirklich nicht schlecht, für Österreich.

Leider hat Franz Fischler gesagt, man soll sich den Wahlkampf nicht antun, wenn man nicht gewinnen kann. Als Partei. Leider gibt es da eine Tradition in der ÖVP, mit unreifen Aussagen und mit lähmenden innerparteilichen Machtkämpfen. Erhard Busek zum Beispiel, intelligent und sehr engagiert, in Osteuropa. Aber das war auch ungefähr damals, zu Beginn der 90er Jahre, vielleicht war er noch nicht Vizekanzler, jedenfalls hat er gesagt, man solle nicht immer weiter über den Krieg reden, über Verantwortung für die Naziverbrechen. Irgendwann sei Schluss, oder so ähnlich. Nicht lange davor war der Bundeskanzler zum ersten Mal in Israel gewesen.

Ist es zu spät? Wird es wirklich nur zwei Kandidaten geben, den Amtsinhaber und die Nazisse? Der Habsburger wird es offenbar auch nicht schaffen, da gibt es ebenfalls Verbotsgesetze. Alles sehr kompliziert, wie ein früherer Bundeskanzler anmerkte.

Als langjähriger Auslandsösterreicher, der manchmal auch tausende Kilometer zur nächsten österreichischen Botschaft reiste, um wählen zu können, muss ich mich wieder mal schämen. Obwohl es keine Sanktionen geben wird, nicht einmal internationale Schlagzeilen. Außerdem bin ich ja diesmal in Wien. Aber trotzdem. Ja, ich möchte, dass dieser Brief veröffentlicht wird. Deshalb heißt er so.

Herzliche Grüße,

Martin Winter

Wien/ Peking, Übersetzer aus dem Chinesischen


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