Posts Tagged ‘will’

LIU XIAOBO POEM (excerpt) 劉曉波詩歌一段

七月 8, 2017

My love, time to get up.
The bridge towards the abyss will collapse.
You are going to burst, please hold on to my will.
Doubt begins from the stone of sisyphus,
faith begins from the house key you lost.
I hand all my panic and hate
over to you
alone,
so I can raise my head high
one more time
until the darkest hour.

From a poem by Liu Xiaobo (1997), adddressed to his wife Liu Xia.
Circulated on July 6, 2017, while Liu is being treated for liver cancer in Shenyang.

Translated by Martin Winter

亲爱的,该起身了
通往深渊的桥就要坍塌
以你的炸裂咬住我的意志
怀疑从西西佛斯的石头开始
信仰从你丢掉家门的钥匙开始
我把全部的惶恐和仇恨
交给你,只交给你一人
让我的头再一次
高贵地昂起,直到
最黑的时刻降临

http://www.liu-xiaobo.org/blog/archives/18318

Meine Liebe, es ist Zeit, aufzustehen.
Die Brücke in Richtung Abgrund stürzt ein.
Wenn du platzt, beiß dich fest an meinem Willen.
Zweifel beginnt mit dem Stein des Sisyphos.
Glaube fängt an mit dem Hausschlüssel, den du verloren hast.
All meine Panik und meinen Hass
geb ich dir, dir allein.
So kann ich noch einmal,
ganz kostbar,
meinen Kopf hoch halten
bis zur dunkelsten Stunde.

Aus einem Gedicht von Liu Xiaobo an seine Frau Liu Xia, geschrieben 1997. Der inhaftierte Friedensnobelpreisträger wird derzeit wegen Leberkrebs in einem Krankenhaus in Shenyang behandelt.
Übersetzt von Martin Winter am 7. Juli 2017

Siehe http://www.liu-xiaobo.org/blog/archives/18318

IRGENDJEMAND

十二月 2, 2016

vdbhiroshima

IRGENDJEMAND

irgendjemand hat den zettel
mit den öffnungszeiten
der wahlkartenbehörde
runtergenommen
das bezirksamt stellt wahlkarten aus
heute freitag noch
vielleicht bis 2
am sonntag ist wahl
den zettel im lift
tief drinnen im haus
vielleicht wars der wind
wenigstens war er 2 wochen dort

MW Dezember 2016

 

Ich war bei der Demo gegen Abschiebungen am Samstag, dem 26. November 2016. Mit meinen Kindern. Eine solche Demo war nötig, finde ich. Wäre schon lange nötig gewesen. Hätte besser und breiter unterstützt gehört. Ob der Zeitpunkt des ersten Adventsamstags und die Route durch die Mariahilferstraße falsch waren, weiß ich nicht. Wichtiger wäre gewesen, überhaupt eine große Demo zu machen. Überhaupt ein großes Zeichen zu setzen. Ein Lichtermeer vielleicht. Hauptsächlich gefehlt hat eine breite Unterstützung, das Mitmachen vieler verschiedener Organisationen und Personen, die mit Flüchtlingshilfe zu tun haben. Weiß nicht, wer schuld war oder nicht. Jedenfalls war die Stimmung insgesamt nicht so gut wie bei anderen Demos, größeren und kleineren, bei denen es um Ähnliches ging. Leider. Aber wir, die dabei waren, und jene, die trotz allem versucht haben, eine möglichst große Demo zu machen, hatten recht. Ein Zeichen setzen gegen Abschiebungen bestens integrierter Menschen, die schon gut Deutsch können, in die Schule gehen etc. Gegen Abschiebungen von Menschen, die genau dafür qualifiziert wären, die besten Österreicher zu werden, die sich alle nur wünschen können, die guten Willens sind. Wir hatten recht. Jede und jeder hat recht, der oder die darauf hinweist. Christian Kern sollte es tun. Michael Häupl. Alle, die für Alexander Van der Bellen sind. Also auch Vranitzky, Busek und so weiter. Alle, die guten Willens sind. Dann hätten wir einen Cordon Sanitaire, wie in Frankreich. Am Ende hätten wir dann eine deutliche Mehrheit gegen jene, die diesen Staat und dieses Land bedrohen. Viellicht würden das sogar Niessl, Schüssel und Pröll einsehen. Wenn jemand Asyl verdient und bereits in Österreich integriert ist, warum soll er oder sie nach Kroatien? Was genau geschieht mit den Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern, die abgeschoben worden sind? Warum steht das nicht in Dem Standard? Geschweige denn in anderen aktuellen Medien, abgesehen vielleicht von der Wiener Zeitung? Oder habe ich es nur nicht bemerkt? Steht es vielleicht in der Tiroler Tageszeitung, hört es jemand auf Radio Stephansdom? Jedenfalls glaube ich trotz allem, wir hatten recht, zu demonstrieren. Und viele haben versäumt, mehr gemeinsam zu tun. Ich auch, wahrscheinlich.

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4 POEMS BY TANG GUO 唐果

十一月 20, 2013
Picture by Sara Bernal

Picture by Sara Bernal

Tang Guo
A WILFUL TREE

This is a tree that does what it wants,
a tree that grows at the edge of a cliff.
A tree that’s clasping and climbing the rocks.
A tree that never had milk, never heard music.
A tree that drank northwestern winds,
A tree that had wind poured in its ears.
A tree that would have liked milk, would have liked music.
A tree that stands under dark clouds, waiting for white clouds in the sky.
A tree that doesn’t stand at attention and leans where it pleases.
A tree that slacks off, like a girl out of shape.
A tree that watches the marching ants on its body and won’t get excited no more.
A tree that explores the depths of the stones.
A tree that will not get pulled out, however it sways.
A tree all alone.
A tree that stands on the edge, overlooking the forest.
A tree that can only bow to its partner if it can stay ten yards away;
it cannot grow as they do in the woods, as they hold on to each other’s shoulders.

2005
tang guo treeTang Guo
SONG OF THE DARK

the sun has gone behind the peak. darkness comes walking out of her home,
unfolds her black velvet and covers his foot.
she pulls up her velvet and covers his waist.
she waits till he’s snoring, then folds up his head.

sleep now, mountains, rivers, towns.
sleep, mosquitoes, beasts and mum.

Tr. MW, Nov. 2013

tang guo lied der nachtTang Guo
MY EPITAPH

she had joy, she was sad. she knew happiness and wandering.
today, she has only joy at her side –
– stolen joy that comes beyond.
she needs your smile,
as you stand at her breast, a little bulge in the earth.

2007

Tr. MW, Nov. 2013
tang guo epitaph
Tang Guo
FOR YOU

What grows on my body, just take it away.
If you want it – what I haven’t grown yet- come tomorrow.
I will try with my life. If I don’t make it – here are the seeds.

Tr. MW, Nov. 2013
tang guo for you


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