Posts Tagged ‘house’

五月 27, 2017

was mach ich ganz zuerst in der früh
aufwachen
aufs klo gehen
wieder aufwachen
dich spüren
wecker ignorieren
aufstehen
kinderfrühstück
milch, brote
müsli, in china reisbrei
gestern wollte er pizza
für dich tee, malzkaffee
für mich auch irgendwas
unten vorm haustor am eck an der mauer
wächst etwas mit blauen blüten

MW Mai 2017

WARUM

三月 31, 2017

WARUM

warum fliegen flugzeuge?
warum fliegen flugzeuge?

warum flugzeugen fliegen?
warum flugzeugen fliegen?

warum warum?
warum warum?

MW März 2017

 

MOND

der mond
hängt wie eine banane
über unseren häusern

MW März 2017

 

MOND

der mond
ist ein fenster
es steht offen
es zieht

MW März 2017

 

IN DEN SONNEN (2)

in den sonnen
in den sonnen

in den sonnenuntergang schauen ist überhaupt nichts
in den sonnenaufgang schauen ist überhaupt nichts

in die flugzeuge im sonnenuntergang schauen ist überhaupt nichts
in die flugzeuge im sonnenaufgang schauen ist überhaupt nichts

in den sonnenuntergang von favoriten schauen ist überhaupt nichts
in den sonnenaufgang von favoriten schauen ist überhaupt nichts

im frühling in den sonnenuntergang schauen ist frösteln
im frühling in den sonnenaufgang schauen ist frösteln

in den sonnenuntergang von unserem hof schauen ist ein bisschen zeit haben
in den sonnenaufgang von unserem hof schauen ist ein bisschen zeit haben

in der nacht in den mond schauen ist schauen

in den aufgang schauen ist ein bisschen glück

MW März 2017

IRGENDJEMAND

十二月 2, 2016

vdbhiroshima

IRGENDJEMAND

irgendjemand hat den zettel
mit den öffnungszeiten
der wahlkartenbehörde
runtergenommen
das bezirksamt stellt wahlkarten aus
heute freitag noch
vielleicht bis 2
am sonntag ist wahl
den zettel im lift
tief drinnen im haus
vielleicht wars der wind
wenigstens war er 2 wochen dort

MW Dezember 2016

 

Ich war bei der Demo gegen Abschiebungen am Samstag, dem 26. November 2016. Mit meinen Kindern. Eine solche Demo war nötig, finde ich. Wäre schon lange nötig gewesen. Hätte besser und breiter unterstützt gehört. Ob der Zeitpunkt des ersten Adventsamstags und die Route durch die Mariahilferstraße falsch waren, weiß ich nicht. Wichtiger wäre gewesen, überhaupt eine große Demo zu machen. Überhaupt ein großes Zeichen zu setzen. Ein Lichtermeer vielleicht. Hauptsächlich gefehlt hat eine breite Unterstützung, das Mitmachen vieler verschiedener Organisationen und Personen, die mit Flüchtlingshilfe zu tun haben. Weiß nicht, wer schuld war oder nicht. Jedenfalls war die Stimmung insgesamt nicht so gut wie bei anderen Demos, größeren und kleineren, bei denen es um Ähnliches ging. Leider. Aber wir, die dabei waren, und jene, die trotz allem versucht haben, eine möglichst große Demo zu machen, hatten recht. Ein Zeichen setzen gegen Abschiebungen bestens integrierter Menschen, die schon gut Deutsch können, in die Schule gehen etc. Gegen Abschiebungen von Menschen, die genau dafür qualifiziert wären, die besten Österreicher zu werden, die sich alle nur wünschen können, die guten Willens sind. Wir hatten recht. Jede und jeder hat recht, der oder die darauf hinweist. Christian Kern sollte es tun. Michael Häupl. Alle, die für Alexander Van der Bellen sind. Also auch Vranitzky, Busek und so weiter. Alle, die guten Willens sind. Dann hätten wir einen Cordon Sanitaire, wie in Frankreich. Am Ende hätten wir dann eine deutliche Mehrheit gegen jene, die diesen Staat und dieses Land bedrohen. Viellicht würden das sogar Niessl, Schüssel und Pröll einsehen. Wenn jemand Asyl verdient und bereits in Österreich integriert ist, warum soll er oder sie nach Kroatien? Was genau geschieht mit den Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern, die abgeschoben worden sind? Warum steht das nicht in Dem Standard? Geschweige denn in anderen aktuellen Medien, abgesehen vielleicht von der Wiener Zeitung? Oder habe ich es nur nicht bemerkt? Steht es vielleicht in der Tiroler Tageszeitung, hört es jemand auf Radio Stephansdom? Jedenfalls glaube ich trotz allem, wir hatten recht, zu demonstrieren. Und viele haben versäumt, mehr gemeinsam zu tun. Ich auch, wahrscheinlich.

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FÜR ELIS GEBURTSTAG

九月 25, 2016

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FÜR ELIS GEBURTSTAG

die sonne versinkt in stammersdorf
wir sind in groß-jedlersdorf
bei elis 50. geburtstag
petra hat auch geburtstag
es gibt roten satz
ich hätte mein buch mitbringen sollen
das abendrot wird immer stärker
am anfang lila am ende grün
dazwischen ganz viel rot und orange
vom kahlenberg zum bisamberg
dazwischen häuser und andere berge
und rosen und kräne
vielleicht klosterneuburg
irgendetwas blinkt in der ferne
da sind die sterne
in beijing waren es höchstens 15
sagt maia
juliane und linda
reden von mai- und junikäfern
welche sind eine plage
welche waren ganz selten
in den letzten jahren
gibt es nicht viele gelsen
in der lobau
vielleicht auch nicht im erzgebirge
es gibt zwei große schöne balkone
zum rauchen zum trinken zum essen zum treffen
ich rauche heimlich eine mit marcus
er ist zurück aus griechenland
wolfgang ambros in der kinettn
oder doch georg danzer
wild horses
und viele viele viele dazwischen
ganz viele bilder
eine bildergeschichte mit kreisky
als kleiner hund
und umgekehrt
ein bisschen tanzen
ein schönes fest
maia und ich fahren nach hause
untertags war ich noch in der donau
leo war noch viel kürzer drin
maia und ich waren am burgtheater
eine demo zum flüchtlingsgipfel
einer der redner
sagt seit dem märz
sei ein jahr schon vergangen
mir geht es auch so
von stammersdorf nach favoriten
gottseidank gibts die schnellbahn
liebe eli, ganz vielen dank
alles, alles gute
ich hätt mein buch
mitbringen sollen

MW September 2016

eli

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MUTTER VERWÖHNT MICH – 公子琴

五月 8, 2016

Gongzi Qin

Gongzi Qin
MUTTER VERWÖHNT MICH

ich träume vom himmel
besuch gleich meine mutter
sie wohnt auch hier im betonhaus, 2. stock
als ich hineinkomm
wäscht sie mit einem waschbrett
“warum kaufst du keine maschine? hast du nicht genug geld?”
“das geld spar ich für deine wohnung.”
“aber ich hab schon längst eine wohnung!”
“hier hast du noch keine!”

Übersetzt von MW im Mai 2016

ich bin verwoehnt

NACHT MACHT MEIN HAUS ZUM PALAST – 杨于军 June Yang

五月 5, 2016

Yang Yujun

June Yang (Yang Yujun)
NACHT MACHT MEIN HAUS ZUM PALAST

Nacht macht mein Haus zum Palast.
Narben und Schäden leuchten und strahlen.
Schwellen aus Jade, Mauern aus Seide, Dach als Glasur.
Jenseits der Großen Mauer,
tief im sonnigen Süden,
weit im Westen der Sage,
das oströmische Reich.
Länder und Völker kommt mit Tribut, tausend Arten von Schrift,
lauter Blüten und Kräuter.
Lass mich spielen summen singen,
folg dem alten Qu Yuan,
folg Bo Ya mit der Zither,
Xi Kang dem Musikdissidenten im Bambus,
folg Jiang Kui aus der Song-Dynastie;
dem Tang-Kaiser mit seiner tragischen Liebe,
dem gefangenen Kaiser Li Yu.
Alle Röhren und Saiten,
Schattenduft, Zwetschken blühn;
Pavillon, Turm, Terrasse, Lusthaus im Garten.
Die süßesten Lieder,
die Seitengebäude.

Kein Fürst geht verloren im eigenen Palast,
nur ich verirr mich.
Mancher Fürst sank in Schrift und Gesang und sein Reich ging perdü,
das wird mir nie geschehen.

Übersetzt von MW im Mai 2016

Nacht macht mein Haus zum Palast

SPRING IS A WONDERFUL SEASON – April 15, 2016 in Vienna. #Schutzbefohlene *

四月 15, 2016

Hauptbahnhof

SPRING IS A WONDERFUL SEASON

April 15, 2016 in Vienna. #Schutzbefohlene *
Spring is a wonderful season,
trees spilling their green.
Some are cut, some are planted.
Downstairs across they are planting a park,
used to be train tracks.

Last year we had refugees at the station.

Spring is a wonderful season.

They said it was 90,000 people or so
in all of Austria,
mostly in a few months,
who wanted to stay in this country.
Ten times more went on to Germany.
So many people wanted to help.
Train workers, even police.
Volunteers, often more than enough.
We live in the neighbourhood.
My daughter Maia went down to play with the refugee children.
After a while she knew the volunteers.
It was safe.
The refugees staid down by the station.
Some people from our house took in refugees.

There was discussion to use the shop,
the empty shop downstairs in this new house,
for refugee quarters.
Just for the winter.
That shop has bathrooms and everything.

But then they closed down at the station.
It was in December.
They took them with buses, they said, from the border.
On to Germany.
If you said you wanted Germany, they let you in.
They were building a fence.
So in December, the station was empty.
Maybe Mid-December.
No quarters in our house.
But people still coming in.
Coming up through the Balkans, used to be Yugoslavia.

In early January we played Tarot down in the library.
We have a library in our house.
And we play cards, for a few pennies.
On Friday nights.
We have had readings, and even theatre.
Gudrun and Peter, they built a stage.
Downstairs in the big common room.
We had a night reciting Bob Dylan.
Down you masters of war.

But then in January, there was Cologne.
In Cologne at the train station, on New Year’s Night.
Hundreds of women harassed.
Raped, one or two.
Many foreign men there at the train station.
Not enough police, or police doing nothing.
We should discuss this, one of us said.
We had been playing cards.
What is there to discuss, there ‘s not much in the news.
Maybe social networks did play a role.
I want to discuss this.
These refugees becoming a problem.
What is there to discuss, there’s not much in the news.
These refugees becoming a problem.
A discussion is stupid, without any facts.
So one of us went away in a huff.

Later I was away, I was in China.
In southern China, a poetry trip.
From southern China to Southeast Asia.
Self-organized.
The year before they went to Vietnam.
Wrote some good poetry.
Vietnam wars in the background,
including China attacking Vietnam.
And other stuff, daily life.
Morning routine.

This year I went with them through Southeast Asia.
Poets from all over China. 16 or 17.
One or two guides.
Guides of Chinese extraction.
Thailand, Singapore. And Malaysia.
Then back to Nanning, to southern China.

Poetry meetings, almost every night.
Sometimes more.
One time in the airport.
Plane was delayed, nothing better to do, call a poetry meeting.
Poems written there on the road.

Yi Sha has this dream, before every border.
Dreaming they won’t let him through.
Normally he writes down all his dreams.
Makes for good poetry.
But not this time, he was afraid.
Only when we were safe in Malaysia.

They had a crackdown, in Kuala Lumpur.
There was an attack in Indonesia.
Muslim majority in Malaysia, too.
If the father is Muslim, the child has to be Muslim.
Not Chinese or anything else.
It was not like this before.
At least according to our guide.
They have elections and a Sultan.
Or they call him a King, at least in Chinese.

It’s a beautiful country.
Tribes in the woods.
Our guide lived with a tribe for a week.
For a project at university.
She was very young, has a small child.
She speaks Fukien Chinese.
Mandarin with the tourists, of course.
Liked to talk about sex.
Malaysian men with many wives.
Just a few Muslims, who can afford it.

On February first, I came back to Austria.
Refugees still coming, though not so many.
News had been shifting.
Creating a climate against refugees.
We put a limit on loving our neighbours.
That was a poster.
The foreign minister, he’s very young.
The interior ministress.
She’s not there any more now, she’ll become governess.
Governor of Lower Austria.
And the candidate.
Their candidate for Federal President.

President is just a figurehead here.
Like in Germany.
In Germany, he is elected in parliament.
So he is from the majority party.
He or she.

In Austria, everyone votes for the President.
Everyone should.
Everyone is automatically registered, every citizen.
Nowadays you can vote in advance.
Local district office.
Ballot per mail, or there at the office.
That guy for limits on loving your neighbour won’t make it.
He’s trailing far behind in the polls.
But his policies are federal policy.

They let that happen, the Social Democrats.
They are the majority.
But they let it happen, they are just like the rightists.
News had been shifting.
These refugees becoming a problem.
Some Social Democrats work with the Rightists.
Those other Rightists.
That Freedom Party.
Some Neo-Nazis.
Some Neo-Nazis cling to this party.
Some were just Liberals.
In the 1980s they were for joining the European Community.
Anyway now they are shameless Rightists.
Austria should not be ashamed, they proclaim.
Including old Nazis, including SS.

And Social Democrats think they should work with them.
But they are trailing, the Social Democrats.
Maybe their candidate will fall behind,
though not as far as the one with the limits.
They are far behind, both of them.

Three candidates are in front.
Front-runner is from the Green Party.
They always were for refugees.
And there is a woman.
Not from a party.
A former judge.
Liberal views, for the economy.
Definitely not from the Left.
Those two were leading.
But Freedom Party candidate is closing up.

No, he doesn’t say we are all Germans.
Though he says many things.
Austrians first, don’t be ashamed.
Don’t be ashamed of anything.
Works better than just talk about limits.

So I’ve voted already, ten days in advance.

I’m afraid.
That Freedom guy is worse than Trump.
Similar causes why they are so popular.

Austria is very small.
President is just a figurehead.
But I’m afraid.

Austria becomes Hungary.
Headline in Switzerland, two days ago.
Rightist government, fences.
Italy protesting, not only Greece.
Against Austria, in the EU.

EU has been weak.
Rightist reactions in Eastern Europe.
Rightist rhetoric against refugees.
From Social Democrats, some of them.
EU is weak, was very weak in the Yugoslav wars.

Mid-April sun is shining outside.
Spring is a beautiful season,
trees spilling their green.
Some are cut, some are planted.
Downstairs across they are planting a park.

Martin Winter
April 15, 2016
*Schutzbefohlene means people placed under protection. It is the title of a play by Elfriede Jelinek, the Austrian author who won the Nobel prize for literature in 2004. She wrote the play in 2013. It was performed, by refugees, at University of Vienna on April 14, 2016, when a group of rightists stormed the stage. They sprayed red paint and reportedly injured performers, including children. I wrote the long poem above on Friday morning, April 15. I had not been at the performance and knew nothing about the incident before my text was finished. But I think my text works as background reading, at least.

 

Zilkpark

OMA – 杨艳

十二月 22, 2015

Yang Yan

Yang Yan
OMA

Die Oma vom 6. Stock
die ausschaut wie meine
verstorbene Oma
wenn sie hinunter fährt
drückt sie oft den falschen Knopf
kommt dann zu Fuß wieder hinauf
jedesmal wenn die Lifttür aufgeht
und ich sie seh
denk ich
ha, Oma
wieder mal kommst du
von unten herauf.

8. April 2015
Übersetzt von MW im Dezember 2015

Oma

von unten

MONDHOF

十一月 30, 2015
Picture by Sara Bernal

Picture by Sara Bernal

MONDHOF

der mond hat einen prächtigen hof
unser hof ist auch recht schön
nur mein fahrrad ist weg
ein altes fahrrad
von meiner mutter
meine mutter
ist 73
das fahrrad ist aus ihrer kindheit
im hinterreifen
war keine luft
wer stiehlt so ein fahrrad?
mein vater hat es so oft repariert
so viele jahre
ich auch ein bisschen
ich bin als kind im korb gesessen
vorn auf dem fahrrad
über dem licht
ich war vielleicht 3
der dynamo ist nicht mehr gegangen
das rechte pedal hat sich aufgelöst
den schlauch hätt ich noch gern geflickt
obwohl ich war faul
ich hab lieber gepumpt
aber es hat noch leo getragen
leo ist 10
ich mit 90 kilo leo hat über 30
dann schultasche einkäufe mehrere taschen
der mond hat einen prächtigen hof
unser haus ist recht gut
unsere wohnung ist auch nicht schlecht
nur mein fahrrad ist weg

MW November 2015

MOON WINDOW ME – 无用 – no use

七月 31, 2015

no use

No Use (Wu Yong)
MOON WINDOW ME

in this life
me and the moon
and the window
we have this great bond
when it’s time to eat
time to sleep
time to take a ride
I’ve come to rely on them
I’m not accustomed to have
the moon and the window
without myself at any time
or
I am there
and the moon
but there is no window
or
to have myself
and a window
but there is no moon

actually it’s no big deal if they’re gone
I can tell myself
the moon is sleeping behind the clouds
the wind outside is too strong so the window can’t come along
just be good & wait here it’ll be ok

when there is nothing at all
I paint a window up on the wall
a moon
one made-up I
more than one I
more and more Is
a house full of Is

a house full of Is
arguing inside

2015

moon window me

DREAM #542 – 伊沙

七月 30, 2015

Yi Sha painting

Yi Sha
DREAM #542

I dream I am back in America
at Vermont Studio Center.
Last year in autumn
I lived there one month
in this small house.
Touching the door
I am afraid,
“I won’t sell this house,
this is my last
abode on this world.
Let me grow old here
and write my late work.”

July 2015
Tr. MW, July 2015

《老人家晒太阳》 SITS IN THE SUN

六月 18, 2015

《老人家》

老人家晒太阳
坐在拐弯处
整一条路拐弯的地方
大家骑车、开车都看见
老人家晒太阳
只剩下几天
他的房子快拆了
过去一看就晓得

七八年了
路也许不同

老人家晒太阳

2015.6

SITS IN THE SUN

old man sits in the sun
sits in the curve
he has a few days
everyone sees him
everyone going past
bicycles, cars

old man sits in the sun
he has a few days
his house’s going down
an old house like that
in a curve will go down

that was eight years ago, maybe more
road will be different
maybe there is no curve

old man sits in the sun

MW June 2015

MOND NEUE WOHNUNG

六月 18, 2014

CAM00100 CAM00101MOND NEUE WOHNUNG

der mond ist groß und hell hinterm haus gegenüber
nicht sehr weit oben, gleich über den kränen
der erste sommer im neuen haus
der erste winter, der erste frühling
der war nass und kühl
jetzt ist es richtig sommer geworden
so viele mohnblumen
so viele lichter
so viele neue wohnungen
und ein besetztes haus in der nähe
wahrscheinlich kommen die schmierer von dort
die unsere neuen häuser verschönern
ein sechzehnjähriger liegt noch im koma
nach einer ubahn-graffitti aktion
die polizei war offenbar gründlich
und die security der wiener linien
der mond ist rund und hell hinter wolken
gleich dort hinterm haus

MW Juni 2014

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VIENNA 2014, MAIN TRAIN STATION

五月 28, 2014

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VIENNA 2014, MAIN TRAIN STATION

just a bit of relaxing
just a bit of the sun
gleaming on every spire
just a bit of the world
settling down for the evening
and the birds sing for springtime
just like they did when I was a kid
although everything’s new
all the shiny new buildings
in this new part of town
though we’re close to the center
you can see every ridge
it’s a beautiful city
beethoven walked here,
and schubert and brahms
and vivaldi was buried
unmarked, just like mozart
it’s a beautiful evening
of a beautiful sunday
they had eu elections
there is hope for the future
this city is fortunate
this city was worse
the worst on the planet
they voted for hitler
and killed all the jews
and then it was bombed
and then our parents
came here and we grew
and moved elsewhere and now
we are here in this building
in this town on this world.
the city is growing
it is still rather small
it was big and growing
in 1914
now we have the eu
there is privatization and deprivation
all over the continent
still it is springtime
let us build something new.

MW May 25, 2014

FlaechePicture by Juliane Adler影像0192Train station in Liesing, Vienna影像0193

EIN HEISERES LACHEN VON UNTEN VORM HAUS

五月 27, 2014

Li Yan Lachen

Li Yan
EIN HEISERES LACHEN VON UNTEN VORM HAUS
– EINE ÜBUNG FÜR EIN GEHÖR

ein heiseres lachen von unten vorm haus
ich habe den menschen noch nie so laut lachen gehört, ungehemmt, rasend
ein ausgelassenes, schallendes
den brustkorb sprengendes lachen
ein gekonntes lachen
aber auch kein verdrehtes, gewundenes, aufgesetztes,
verstelltes lachen
kein freches grinsen
keine gackernde lache
es ist ein freudiges lachen, ein gründliches lachen
aber kein herzliches lachen
es ist ein heiseres, trockenes lachen, aus verrosteter kehle
– ein knapp bemessenes lachen
ein lachen wo der rost abgeschabt ist
der rost lacht hervor
eine rostige kehle lacht direkt heraus
eine ganz ausgedrückte zahnpastatube lacht aus dem hals

August 2007
Übersetzt von MW im Mai 2014


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