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LIGHT – 伊沙 Yi Sha

十月 8, 2017

Yi Sha
PLAINLY SAID IT’S LIKE THIS

Two years ago at this time
I was in Vermont.
In that month,
I was with poets and writers, all kinds of artists,
everyone doing their stuff.
60 people,
I was the only one waiting for news on the Nobel.
I asked them
why they didn’t care.
They gave me strange looks,
like I was some Chinese bug on the ground.
Oh, we have such a deep Nobel complex,
it’s in our cultural genes.
Plainly said it’s opportunism,
always looking for shortcuts,
no doubt about it.

October 2016
Translated by MW, October 2017

 

 

《说穿了便是》

两年前这时候
我在佛蒙特
那个月里
我与来自世界各地的
诗人、作家、艺术家
一起创作
六十个人里
只有我
在关心诺奖的消息
我问他们
为什么不关心
他们用怪怪的眼神
望着我这只中国土鳖
哦,中国人如此深重的
诺奖情结
来自我们的文化基因
说穿了便是
机会主义者
老想走捷径
一锤子定音

2016/10

 

 

Yi Sha

I remember
three years ago
in Vermont,
Austrian sinologist Martin Winter told me
he didn’t agree
when I translated “light” into “guangming” 光明,
bright light.
“Light is just light”, he gave no reason.
I thought he didn’t like
the false pathos from the Mao era,
using big words.
Only just now
I see the light!
光 guang is immediate experience,
if you add 明 ming, meaning bright
the language is one step removed.
A colloquial poetry eagle
doesn’t pick up second-hand words.

October 2017
Translated by MW, Oct. 2017

 

《light》

伊沙

我记得
三年前
在佛蒙特
奥地利汉学家
维马丁说
他不赞同
把英语中的light
译成中文的"光明"
"光就是光"
他没说理由
我理解成
他不喜欢
这来自毛时代的
假大空中文
如今
三年过去了
就在刚才
我恍然大悟
"光"是第一现场语言
加个"明"
就退到了第二现场
对于后者
口语鹰是不屑叼走食用的

(10月第16首,总第9168首)

 

Yi Sha
LATE REVENGE

we have a late poet and critic
in his many writings
he also named my greatest sin:
after 1989,
the Third Generation of elite poets –
some went to prison
some went into business
some had stopped writing
hence my sudden rise

this kind of thinking is interesting
let me use it on Charles Bukowski
from 1960 to 62
China was stuck in extreme misery
people were starving
he didn’t care if we starved to death
kept slurping cheap wine
kept writing good poems
and became famous

October 2017
Translated by MW, October 2017

 

《秋后算账》
伊沙

一位死去的诗人、诗评家
在其洋洋万字的遗文中
给我罗致的罪名是
1989年后
趁第三代精英诗人
坐牢的坐牢
下海的下海
罢笔的罢笔
而崛起

这种思维很有意思
我想拿来一用
给美国诗人布考斯基 罗致一项罪名
1960-1962年 趁中国人民在水深火热中
忍饥挨饿
不顾我们死活
喝了好多烂酒
写了好多好诗
而崛起

2017/10

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ALLER EN AVION – 坐飛機 (poème et conversation)

十一月 18, 2015

ALLER EN AVION

eau pas comme l‘eau
nuages en formation
ombres des nuages blancs
elles ne bougent pas?
sur l’eau et sur la terre
maintenant c’est seulement
des nuages blancs
c’est un privilege
d’être assis dans un avion
bien que maintenant tout le monde prend l’avion
vous prenez un avion c’est a dire vous avez l’argent
ou bien vous êtes assez importante
aller en avion, c’est très vite
mais dans un avion vous avez du temps
vous pouvez regarder les nuages
regarder un film
faire une conversation ou dormir
et vous pouvez écrire un poème
mais si vous prenez un avion tous les jours
c’est une chose différente
les nuages sont différents?
les ombres sont différents?
peut-être les conversations et les poèmes
seraient différentes.

MW 2015

《坐飞机》

水不像水
白云军队
白云的阴影
好像不走
陆地上也有
白云更密
就只有云
坐飞机为特权
虽然现在很多人坐飞机
坐飞机等于你有足够的钱
或你足够重要
坐飞机快
但飞机上时间多半是你的
可以看白云
可以看电影
可以聊天、睡觉
也可以写诗
当然如果每天坐飞机
就不同。
白云不同吗?
影子不同吗?
至少聊天、写诗
大概不同。

2015.8.4.

Photo by Anat Zecharia

Photo by Anat Zecharia

Dieses Gedicht hab ich vor drei Monaten im August im Flugzeug nach China auf Chinesisch geschrieben. Bei einem Gespräch mit einem Schüler aus China. Er war aus Daqing. Es war eine ganze Klasse, sie kamen aus England zurück. Daqing ist der bekannteste Ort in China, wo es Öl gibt. Im Norden.

Die französische Version habe ich jetzt gerade geschrieben. Die Schweizer Künstlerin Anna Kubelik hat mich inspiriert. Sie hat ein Gedicht gelesen, in dem sie vorkommt. Zufällig, auf meinem Blog. Ein Gedicht von einem Flug von Montreal nach Istanbul, vor einem Jahr, vor über einem Jahr. Ich hatte das Gedicht schon vergessen. Es ist recht experimentell. Ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich für mich. Aber zurück zu dem chinesischen Gedicht von diesem August.

Ich war auf dem Weg zum internationalen Poesie-Festival in Qinghai. Am Qinghai-See auf der tibetischen Hochebene und in Xining.

Am ersten Tag des Festivals bekam ich in der Früh einen Anruf im Hotelzimmer. Ob ich einen kleinen Vortrag halten könne? Ich hatte vorher gehört, dass sie kleine Vorträge über Poesie haben wollten. Aber dann hieß es wieder, das sei nicht unbedingt nötig. Gedichte vortragen sei genug. Und Übersetzen, in meinem Fall. Aber dann der Anruf. Was sollte ich vortragen? Keine Ahnung, erst einmal Frühstück. Unten beim Frühstück mit den anderen war natürlich auch keine Zeit, sich etwas zu überlegen. Dann war ich in der großen Konferenzhalle der Provinzhauptstadt Xining, gleich beim Hotel. Weltberühmte Poeten und Fachleute hielten ihre Vorträge. Übersetzt ins Englische und ins Chinesische, gleich dort auf der Bühne.

Ich saß neben einer tschechischen Übersetzerin, Zuzana Li. Wir hatten gute Gespräche davor und danach, auf Englisch mit Brocken aus Tschechisch und Deutsch. Ich versuchte unter der Bank mein chinesisches Gedicht aus dem Flugzeug ins Englische zu übersetzen. Dann wurde ich aufgerufen.

Ich ging nach vorn und erklärte auf Chinesisch und Englisch, ich habe keinen Vortrag über Poesie, nur ein Gedicht.
Dann las ich das Gedicht vor und versuchte, es auch auf Englisch deutlich zu machen.

Es beginnt mit vier Silben. Die erste Zeile besteht aus vier Silben. Die zweite auch. Wasser ist nicht wie Wasser. Das sind schon sechs Silben. Das Wasser ist überhaupt nicht wie Wasser. Eine Armee aus weißen Wolken. Die Schatten der weißen Wolken bewegen sich kaum. Auf dem Wasser und über dem Land.

When white clouds get thick, clouds become everything. It is a privilege to sit on a plane. Although nowadays everyone takes a plane. To sit on a plane means you have money. Or it means you are important.

Planes go very fast. But when you sit on a plane, your time is most often your own.

Hier hab ich eingehakt und erklärt, dass mich dieses Motiv, dass man Zeit hat für sich selbst, obwohl man sehr schnell unterwegs ist, dass mich dieses Motiv an Yi Shas 伊沙 berühmtes Gedicht von der Überquerung des Gelben Flusses erinnert 《车过黄河》.

Yi Sha - Klo

In dem Gedicht überquert er im Zug den Gelben Fluss. Er sollte am Fenster sitzen mit Blick auf den Strom, oder an einer Türe stehen im Korridor, eine Hand an der Mütze, mit dem Blick auf den uralten Strom, mit alten Rechnungen aus der Geschichte. Und wie ein großer Mann aussehen, oder wenigstens wie ein Dichter. Aber er ist am Klo. Er hat schon so lange darauf gewartet. Und jetzt hat er Zeit. Jetzt hat er endlich Zeit für sich selbst. Und wenn er endlich fertig ist, ist der Gelbe Fluss schon weit weg geflossen.

Dieses Motiv, Zeit haben, sich Zeit nehmen können für sich selbst, während man unterwegs ist, das hab ich praktisch zitiert in meinem chinesischen Gedicht. Das hab ich erklärt, und das war mein Vortrag.

Mittwch, 18. November 2015

Photo by Anat Zecharia

Photo by Anat Zecharia


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