People are roses, people are leaves.
Marriage is
planting a flower,
tilling a field,
repairing a tractor.
Or using another one.
Experience helps,
although you always hope
it works the first time.
People are flowers, people are stars.
Marriage is
falling
back on each other,
each other’ s friends and family.
Anne-Laure and Noel,
we wish you the moon
and the sun forever
as beautiful as they are here.
We love you. Take care!
damals war ich acht
die tante im vorderen hof hat sich aufgehängt
eine ganz lange zunge rausgestreckt
ich war allein daheim
in einem eck taucht
eine weiße frau auf
sie sagt komm mit mir
ich renn aus dem haus
mama ist im hinteren hof
sie dörrt süßkartoffeln
ich platz benommen heraus
mama ich will sterben
du kleines viehzeug schimpft sie
was plapperst du
hilf mir sofort beim dörren
mein kopf ist ganz leer
mit den nassen weißen
süßkartoffelstücken
leg ich den hinteren hof voll
unter der prallen sonne
그 해에 나는 여덟살이었다
앞집 아줌마가 물을 매달아 죽었는데
혀가 엄청 길게 밖으로 내뻗었다
담 모퉁이에서 백의 여인이
불쑥 나타나더니
내게 같이 가자고 말했다
나는 놀라서 안채에서 뛰쳐나왔다
엄마가 뒤뜰에서
고구마를 말리고 있었다
나는 멍하니 엄마에게 말했다
엄마 나 죽고 싶어
엄마는 미친 놈이라 욕한다
무슨 헛소리를 하냐고
나를 도와 고구마나 말려
나의 머리는
공백으로 가득 꽉 차 있었고
촉촉하고 하얀
고구마를
한 토막 한 토막
햇살이 만발한
뒷마당에 쭉 진열하였다
When granddad was small,
herding cattle and sheep was in fashion.
When papa was small,
the fashion was playing war games.
Charge!
Peng peng peng!
Our fashion now
is raising hamsters
and raising turtles.
In our class,
every boy has a turtle,
every girl has a hamster.
Me, I have both.
I like hamsters and turtles.
할아버지께서 어렸을 때
소나 양을 방목하는 것이 유행이었고
아빠가 어렸을 때
전쟁놀이를 즐기는 것이 유행이었다
돌격
따따따따
우리는 현재
햄스터나 거북이를 기르는 것이 유행이다
우리 반에서
남자애들은 대부분 거북이를 키우고
여자애들은 햄스터를 기른다
난
햄스터도 기르고
거북이도 키운다
ich sag meinem sohn lass dir die sonne auf den rücken scheinen
sie saugt dunkle materie aus deinem körper
er sagt du bist 24 stunden
auf dummheitsmodus
everyone wants deliberation
what do workers want
more money
more rights
less accidents
less insecurity
less misery
less discrimination
what do employers
and state agents want
nothing
in comparison
they have everything
only in certain cases
certain uncertain cases
they are very certain
everyone needs deliberation
rather than killing and maiming
each other
china has talked about democracy
very much
at least since 1919
austria too
so let us deliberate
how to give workers
in certain uncertain cases
maybe just a little bit
of deliberation
MW May 2017
From a small conference on Monday, May 15. Law studies and Petition Office representants from China. Vienna University law faculty and East Asian studies professors. Well-meaning reports on labor conflicts and “deliberative democracy”. Meanwhile we’ll have another big election in Austria in October. Last year was just the figurehead president. Could have been a Neo-German alt-right figurehead. It was close. Would have been ok with the foreign minister. Also with the governors of Burgenland and Lower Austria, the provinces around Vienna. They are working with the xenophobe extreme right Freedom party. Or looking forward to that. No, we don’t rally around the republic against neo-fascist and anti-European forces like they do in France. Although we finally tried last year and succeeded. And our president now is a Green independent. Yeah, that’s where my poems come from. China and Asia, Austria and Europe. Taiwan. Czech Republic. And so on. Like The Sun Also Crashes. That was in Vermont, right before the last US mid-term elections.
die seele der feste ring
aus stroh den du aufheben kannst
für den nächsten adventkranz
seelen halten viele jahre
sind aber auch gut
für ein beet am balkon
in ostrava
früher mährisch-ostrau
im großen technischen museum
im eisenwerk vitkovice
steht ein schneckenhaus für die seele
netter versuch
das museum hat insgesamt ziemlich viel seele
allein schon der garten
und jede der vielen vielen abteilungen
sehr viel interaktiv
penisse
vorne gegabelt bei manchen tieren
delphine
fische anpeilen
schwierig für menschenohren
am eingang der ct-scan
stell dich hin
heb den arm, langsam
du siehst in den körper
von den füßen hinauf
mann oder frau
weiß nicht ob sie auch kind haben
nein es ist nicht dein eigener körper
es war ein sträfling
erklärt die nette junge dame
für uns auf englisch
2000 mal in scheiben geschnitten
die frau 2500 mal
es war in amerika
wie gesagt das museum hat seele
nicht zu reden vom ganzen gelände
sehr zu empfehlen!
great city
gritty
vitkovice
iron works
science museum
stand in front of the CT scan
move your arm slowly
it shows you the inside
from the feet up
bones, muscles, fat
and so on
male or female
you realize it’s not
actually your body
it was a prisoner
they cut him 2000 times
her 2500 times
it was in america
great museum
very friendly people
very good for a holiday
was ist ein takt der arbeit?
was ist ein anderer takt der arbeit?
was ist ein takt des wachsens?
was ist ein takt des spielens?
was ist ein takt des kennenlernens?
was ist ein takt der ferne?
was ist ein takt der arbeit?
was ist ein takt der freiheit?
ein takt
eine nacht
1972, auf einer Zugreise
sieht ein Einkäufer einen Stand
mit Waren für ausländische Gäste.
Neugierig erkundigt er sich über den Preis
einer Zigarettenmarke. Ein Ausländer lächelt,
vielleicht aus Mitleid. Jedenfalls,
der Einkäufer ist tief getroffen. Niemand
darf auf Chinesen herabsehen! Niemand!
Ohne zu zögern kauft er eine Packung,
verwendet mehrere Monatsgehälter
(er trägt öffentliche Gelder bei sich),
aber wovon sollen er und seine Familie
in nächster Zeit leben? Er spürt eine Träne
und zündet sich eine Zigarette an,
durch den ganzen Waggon geht ein eigenartiger Duft.
entschuldingung
mein kleiner engel
gestern hab ich vor deinen augen
einen baum getreten
11. März 2017
Übersetzt von MW im März 2017
Li Dongze DIESES JAHR
Auf den Lohn angewiesen für die Familie
auf einmal wird bald ein halbes Jahr
kein Gehalt ausbezahlt.
Seine Frau ist sogar
im selben Büro.
Eine Zeitung war früher ein Königreich
jetzt stehen alle
unter Beschuss.
Er sucht eine Stelle,
versucht aus dem schlechten Roman
der Beamtenbeziehungen
Lehren zu ziehen für seine eigenen.
Tief in der Nacht
kommt er müde ans Bett,
sieht Frau und Tochter schlummern,
denkt an längst beiseite gelegte
Gedichte.
Im Dunkeln sucht er nach Stift und Papier
und schreibt dieses eine.
half an hour till dresden
beautiful scenery in between
looks like china
steep mountain sides on the elbe
bad rathen or something
and some other city
deepest gdr
up from the czech border
good place to open a chinese restaurant
not too much competition
but you never know
MW March 2017
SO
so schön unbeschwert
so munter eilen wir so-
lang wir noch leben
MW März 2017
FATEN
die spinnen die faten
die fakten die fetten die falten die gstetten
die alten
wir sind nicht entweder oder
wir sind entweder oder
freund oder feind
oder sonst
MW März 2017
BUCHMESSE-KERRPREIS
dass das feuilleton
einmal eine macht war
ist schon so exotisch
wie das glasperlenspiel
feuilletanten
und elefanten
europäischer länder
feiern einen der ihren
mag es noch viele geben
die so freundlich sind
in so viele richtungen
wie herrn breitenstein
MW März 2017
NERV
er ist eh nicht da
warum fällt er mir ein
er hat viel verdienst
die zunft hat halt schaden
auch wegen ihm
was mir an kubin
am meisten am nerv geht
dass er als deutscher
und österreicher
nicht bescheidener auftritt
MW März 2017
LITERADIO
jetzt sollt ich noch
in leipzig sein
den süßen wein vom christian berger
hab ich sehr gut vertragen
Picture by Andreas Luf, inspired by Thelonious Monk’s “Underground”
REPORT
every report
every detailed incisive report
kind that makes powerful people squirm
is just as important
as any art
any poem
any church, temple
that makes you pause
think
feel
every report
MW February 2017
POETRY
poetry
is impo
rtant
truth
is impo
tent
or is it
or are you
poetry
is impo
rtant
truth
is impo
tent
or is it
or are you
MW February 2017
REPORT
every report
every detailed incisive report
kind that makes powerful people squirm
is just as important
as any art
any poem
any church, temple
that makes you pause
think
feel
every report
as a bonus for the workers
at the all men’s dormitory
the mine partitioned the uppermost floor
and set up rooms for visiting spouses
from the opposite roof
you could see any move that went on inside
that was a secret all mine workers knew
one summer
one man fell from the roof
everyone said
he fell down and died watching the movies
irgendjemand hat den zettel
mit den öffnungszeiten
der wahlkartenbehörde
runtergenommen
das bezirksamt stellt wahlkarten aus
heute freitag noch
vielleicht bis 2
am sonntag ist wahl
den zettel im lift
tief drinnen im haus
vielleicht wars der wind
wenigstens war er 2 wochen dort
MW Dezember 2016
Ich war bei der Demo gegen Abschiebungen am Samstag, dem 26. November 2016. Mit meinen Kindern. Eine solche Demo war nötig, finde ich. Wäre schon lange nötig gewesen. Hätte besser und breiter unterstützt gehört. Ob der Zeitpunkt des ersten Adventsamstags und die Route durch die Mariahilferstraße falsch waren, weiß ich nicht. Wichtiger wäre gewesen, überhaupt eine große Demo zu machen. Überhaupt ein großes Zeichen zu setzen. Ein Lichtermeer vielleicht. Hauptsächlich gefehlt hat eine breite Unterstützung, das Mitmachen vieler verschiedener Organisationen und Personen, die mit Flüchtlingshilfe zu tun haben. Weiß nicht, wer schuld war oder nicht. Jedenfalls war die Stimmung insgesamt nicht so gut wie bei anderen Demos, größeren und kleineren, bei denen es um Ähnliches ging. Leider. Aber wir, die dabei waren, und jene, die trotz allem versucht haben, eine möglichst große Demo zu machen, hatten recht. Ein Zeichen setzen gegen Abschiebungen bestens integrierter Menschen, die schon gut Deutsch können, in die Schule gehen etc. Gegen Abschiebungen von Menschen, die genau dafür qualifiziert wären, die besten Österreicher zu werden, die sich alle nur wünschen können, die guten Willens sind. Wir hatten recht. Jede und jeder hat recht, der oder die darauf hinweist. Christian Kern sollte es tun. Michael Häupl. Alle, die für Alexander Van der Bellen sind. Also auch Vranitzky, Busek und so weiter. Alle, die guten Willens sind. Dann hätten wir einen Cordon Sanitaire, wie in Frankreich. Am Ende hätten wir dann eine deutliche Mehrheit gegen jene, die diesen Staat und dieses Land bedrohen. Viellicht würden das sogar Niessl, Schüssel und Pröll einsehen. Wenn jemand Asyl verdient und bereits in Österreich integriert ist, warum soll er oder sie nach Kroatien? Was genau geschieht mit den Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern, die abgeschoben worden sind? Warum steht das nicht in Dem Standard? Geschweige denn in anderen aktuellen Medien, abgesehen vielleicht von der Wiener Zeitung? Oder habe ich es nur nicht bemerkt? Steht es vielleicht in der Tiroler Tageszeitung, hört es jemand auf Radio Stephansdom? Jedenfalls glaube ich trotz allem, wir hatten recht, zu demonstrieren. Und viele haben versäumt, mehr gemeinsam zu tun. Ich auch, wahrscheinlich.
After the public transport reform,
our leader has no company car.
To save money,
he takes out a public transport card.
His first day on the bus:
shows his card unasked,
goes to sit down.
“Read your card!”,
says the driver.
Our leader reads it out loud:
“Beijing City Public Transport Card!”
Driver points to the card reader, shouts:
“Read it here!”
Leader returns to the machine by the door,
his voice loud and clear:
“Beijing City Public Transport Card!!”
Tr. MW, Nov. 2016
Cai Xiyin KARTEN LESEN
Nach der staatlichen Wagenreform
hat unser Chef keinen Dienstwagen mehr.
Um Geld zu sparen,
nimmt er sich eine Verkehrskarte.
Dann fährt er zum ersten mal mit dem Bus,
zeigt von selbst seine Karte,
geht zu den Sitzen.
Der Fahrer sagt:
“Karte lesen!”
Er nimmt brav die Karte und liest:
“Pekinger Verkehrsbetriebe!”
Der Fahrer zeigt auf das Lesegerät
und brüllt ihn an:
“Hier lesen!”
Unser Chef geht zurück zum Gerät an der Tür,
liest laut und deutlich:
“Pekinger Verkehrsbetriebe!”
29. November 2016
Übersetzt von MW am 30. November 2016
zum thema kulturrevolution
gab es grosse konferenzen
dann kleine tagungen
dann unterhaltungen mit ein paar menschen
dann erinnerung in schweigen
erinnerung wurde zu einsamen zeichen
schriftzeichen wurden zu ziffern
1966-1976
= – 10, sagt die enkelin vom alten xiao
Übersetzt von MW im November 2016
Zuerst präsentiert auf Weibo und WeChat in Yi Sha’s NPC 新世纪诗典.
opa wurde als grundbesitzer bezeichnet.
papa konnte nicht heiraten,
obwohl er schon ziemlich alt war.
im zorn hat er deshalb
mit opa gebrochen
und meine mutter hat mich geboren.
Übersetzt von MW im November 2016
Zuerst präsentiert auf Weibo und WeChat in Yi Sha’s NPC 新世纪诗典.
wenn ich will, dass mein mann etwas tut
sag ich am satzende “ah”.
zum beispiel
setz teewasser auf, ah!
trag den müll raus, ah!
dreh den fernseher ab, ah!
aber wenn er etwas von mir will
macht er das nie
Übersetzt von MW im November 2016
Zuerst präsentiert auf Weibo und WeChat in Yi Sha’s NPC 新世纪诗典.
who made A less than great?
who made A a great monster?
how was A’s reputation ten years ago?
how was the economy in 2008?
who was in power then?
no more questions. we have to work now.
we will make …
At the conference for outstanding personnel
he doesn’t applaud.
At the meeting for model workers
he doesn’t applaud.
At the representatives‘ gathering
he doesn’t applaud.
At the general assembly
he doesn’t applaud.
Not that he doesn’t want to,
but it is rather hard.
He didn’t raise an iron fist
in the Cultural Revolution,
so Red Guards cut off his hand.
amerikanische demokratie
wir sehen einfach wie
sich zwei clowns produzieren
nur die menschheit sagt sich zum trost
“ah! die wahl das system das sie auswählt
ist aber gerecht.”
Yi Sha EIN GUTER DICHTER, ICH DENK IMMER WIEDER AUF EINMAL AN IHN
vor fünf jahren in huizhou
jiang huhai hat mich dazu gebracht
mit arbeitsmigranten zusammen zu lesen
ich les meine eigenen gedichte
bestehe darauf alles bis zum ende zu hören
stoße damit auf spott und unverständnis
sogar auf zweifel an meinen gründen
von seiten eines schwindlers aus übersee
und zweier dichterinnen aus peking
weder damals noch heute weiß einer von denen Xu Lizhi
war einer der dichter dort auf der bühne
Five years ago, passed by in Huizhou.
Jianghu Hai pulled me up on a stage.
Migrant workers reciting their poetry.
I read my own stuff,
then insisted on listening until the end.
For this I received scorn and confusion
from an overseas swindler
and two female poets from Beijing,
who also questioned my motives.
They didn’t know
and don’t know today
Xu Lizhi
was one of those workers
up there on the stage.
Martin Winter, born 1966. Poet, translator. Studied in Vienna, Taipei etc. Worked in China etc. Writes in English, Chinese, German
Martin Winter, Dichter und Übersetzer. Studierte Germanistik und Sinologie, verbrachte 15 Jahre in China und Taiwan. Schreibt Gedichte auf Deutsch, Englisch, Chinesisch.
Mit einer Grafik der chinesischen Künstlerin Wang Qi 王琦画
Format: 14 x 20,4 cm
Seiten: 332
Fertigung: 1 s/w-Abbildung, Broschur
Preis/€: 15,00
Yi Sha 伊沙: ÜBERQUERUNG DES GELBEN FLUSSES 1 車過黄河
Band 1 Gedichte 1988-2009
Übersetzt von Martin Winter 維馬丁
Zweisprachige Ausgabe Chinesisch/Deutsch
Mit einer Kaligrafie und zwei Grafiken von Yi Sha
voriges jahr im frühling in wien
war ich oft bei martin
rund um seine wohnung
sind lauter baustellen.
“viele von den arbeitern hier
sind in den 90er jahren
im jugoslawischen bürgerkrieg
nach österreich geflüchtet.”
ah, für mich als chinese
war das auch ein teil
unserer geschichte
den man uns nur
zum teil mitgeteilt hat
und in europa
ist es die wirklichkeit
mit der sie alle
umgehen müssen.
Juli 2016
Übersetzt von MW im Juli 2016
Yi Sha 《历史与现实》 HISTORY AND REALITY
last year in spring in vienna
I often went to martin’s home;
many construction sites
in the neighborhood.
“these workers around here,
most of them came in the 1990s,
refugees from the war in yugoslavia.”
martin said something like that.
oh, for me as a chinese person
this is another part of our history
they told us only in part.
whereas in europe,
it is the reality
they all have to face.
ich hab vergessen
ob es in vermont war
oder in wien
ich hab martin gefragt:
“die existenz von djokovic,
hat das im westen geholfen,
das schlechte image von serbien
zu verbessern?”
“selbstverständlich!”
hat martin gesagt.
Juli 2016
Übersetzt von MW im Juli 2016
Yi Sha DJOKOVIC’S EXISTENCE
was it in vermont
or in vienna?
anyway I asked martin
“has the existence of djocovic
improved the bad image
of serbia in the west?
“of course!”,
martin said
I guess this chart shows very clearly what a huge mistake it was for Cameron to play the tough Eu-sceptic all these years, promising this utterly stupid referendum. There are many frustrated people in the UK. There are many frustrated people in the US and in many other countries. One big factor is the so-called neo-liberal economy, unleashed by Thatcher and Reagan. The rich getting richer, the poor getting poorer. U.S. Senator Bernie Sanders addresses this fundamental problem. Bill Clinton and Tony Blair thought there could be a Third Way. Did it work? In some ways, for a while. Bush etc. wrecked very much, Blair and much of Europe helped them. Then came Obama. Nobels for him and the EU. For peace? Yes, the EU on the whole has been a factor for peace and understanding and prosperity for decades, despite all the faults. But the EU failed to make peace in the 1990s in Yugoslavia. The US stepped in, finally. The whole thing is still very shameful and problematic in retrospect. And the EU was not helping. So the EU is not able to make or bring peace when war breaks out. Neither is Obama. And neither the EU on the whole nor Obama nor Hillary will address what U.S. Senator Bernie Sanders addresses. Trump addresses much the same frustrations. With lies. Cameron and Boris Johnson etc. addressed the frustrations with blaming the EU. With lies and rumours. So what will happen? We in Austria are having another run-off vote soon. The third vote on a new president in six or seven months. Let’s hope Alexander Van der Bellen wins again, or Austria will be worse than Hungary. I guess two factors might help van der Alexander Van der Bellen: Hillary Clinton and everyone not completely benighted together will be fighting Trump in September. Trump and the FPÖ are the same thing, only the latter is worse. We have not addressed this enough here in Austria, but we will have to. The second factor against the shameless liars is the prevailing feeling of Brexit regret.
everything is halted
they say
at least for a day
every is halting
every english
if britain takes leavening
everything is halting
if english or scottish or welsh
and northern something
everything has been halting
for refugees
for workers
for us
for eu
4 eme
4 everyone
with cream and sugar
allergic reactions
declared beforehand
as prescribed by brussels
everyone’s sproutin’
their leavenings
we had a vote here last month
green or brown
for president
there is a blue flower
it is beautiful
but in austrian german
in effect it means shit
reeking nazis
vor der halle des sakyamuni
kommt der palast des himmelsherrschers
an beiden seiten in dieser halle
stehen vier riesige himmelsgestalten
in diesem jahr geh ich in den tempel
alle leute opfern maitreja
in der mitte in der großen halle
lauter räucherstäbchen
nur ein kleiner bub
in ärmlicher kleidung
hat sich an der seite vor den himmelsgestalten
die ganze zeit verbeugt und gebetet
ich war neugierig
wieso mag er die kerle mit wilden gesichtern?
ich geh zu ihm und frag ihn
er sagt
der kopf von dieser figur
sei wie der helm auf dem kopf seines vaters
im bergwerk
Nein. Ich habe van der Bellen gewählt, er wird sicher ein guter Präsident sein. Aber die Hälfte der Wähler, die Hofer wollten, ergibt gar nichts Schönes. Im Gegenteil. Das sollten und dürfen wir nicht schönreden. Wir haben gewonnen, weil es klar genug war, dass diese Partei nicht an die Macht darf. Um ein Äuzerl. Normalerweise wird leider alles andere getan, als klar zu sagen, was los ist. Nein. Keine Versöhnung. Nicht mit Herrn Angst und Schrecken. Nicht mit dem Lager, aus dem diese Herren kommen. Wir brauchen einen Cordon Sanitaire. Niemand würde Le Pen so behandeln, wie diese Leute hier behandelt werden. Leider auch in Deutschland. Nein. Das ist die Partei der Rechtsextremen. Der Hetzer. Der Lügner und Betrüger. Das ist hunderttausendmal belegt. Wir brauchen Trennlinien. Wir brauchen einen großen, tiefen Graben neben allen vernünftigen Menschen, die verstanden haben, worauf dieser Staat beruht. Auf Antifaschismus. So wurde dieser Staat gegründet, 1945. Wer sich dazu bekennt, ist auf unserer Seite. Wer nicht, der oder die ist auf der anderen Seite des Grabens. Und je breiter und tiefer und besser sichtbarer dieser Graben ist, desto besser.
Alexander van der Bellen – first speech as president-elect of Austria Photo: Michaela Brucklberger
down by the mountain wall
empty pig trough
sun drinks the water
donkey pen stands next to the trough
no donkeys at all
my mother sits weaving in her own house
her loom rattling on, rattling on.
she weaves and she weaves and she looks at the mountain
there is a woman who says from the wall
“red red rose, time for death, death is good.”
It has happened. The Chamber has been opened. Our Trump has hissed his way to the top. Everyone knows what crawled out of Austria before. Only we don’t want to know. IT ALL ENDS HERE. Watch our Harry Sanders die, in 3D. Our Sanders is very much alright, too. But he isn’t close enough to the little people. He doesn’t listen enough. He has some Socialism, but not enough, not in a way that wakes people up. Oh well. Oh unwell. Let’s rally!
Click on the picture to read more.
Here is some in German:
Wer sind wir? 2.Republik. Woher kommen wir? Von welchem Grundkonsens her? Wer haette nie an die Spitze des Parlaments gewaehlt werden duerfen, genausowenig wie sein Vorgaenger? Wer das Verbotsgesetz infrage stellt, darf die Republik nicht repraesentieren. Klestil hat danach gehandelt, er hat Minister abgelehnt. Klestil war dadurch insgesamt besser als alle massgebenden Roten und Schwarzen seither. Jemand muesste aufstehen und sagen, wir sind schuld. Tut uns leid. Waehlt VdB, und wenn wir uns aendern, waehlt wieder uns.
Wien hat mehrheitlich Van der Bellen gewähllt. Wien steht nicht allein unter den Menschen. Wien steht allein in der Politik. Die war halbwegs anstaendig.
Weiß nicht, wie die Politik in Graz, Linz, Innsbruck war. Jedenfalls war dort auch eine Mehrheit für VdB.
Das Gemeinsame ueber das Trennende stellen? Nein. Abtrennen. Diejenigen, die das Gemeinsame der 2.Republik infrage stellen. Nicht mit ihnen zusammenarbeiten. Wer diese Pflicht nicht kapiert, gehoert weg. Schon lange!
AAAAAAAHHHHH! Es gab nicht genug Ablehnung. Nicht genug Abgrenzen. Zuviel, viel zuviel Akzeptieren, Ermöglichen, Zusammenarbeiten. Wer die 2. Republik infrage stellt, Verbotsgesetz etc., darf den Staat nicht repräsentieren. Wer das nicht kapiert, schadet uns allen. Jedes Übernehmen – seit Löschnak etc., jedes Arrangieren hat zu Dingen wie Hypo geführt. Und jetzt zu Trump an der Spitze, im ersten Wahlgang. Akzeptieren? Jede Wut gegen die inneren Feinde unseres Staates ist gut. Ein Sanders wäre noch besser. Jemand, der oder die zuhört, den kleinen Leuten. Und von daher kämpft, auch gegen das derzeitige Wirtschaftssystem. Ganz konkret, mindestens soviel zuhören, wie es Trump und die hiesigen Bauernfänger tun. Heimat plakatieren allein geht nicht. Natürlich rede ich jetzt so, als ginge es nicht nur um eine Bundespräsidentenwahl. Stimmt aber auch, oder?
der mond ist schneller als andere leute
der führer sagt
die leute in thailand sind ein bisschen langsam
ihr müsst euch dran gewöhnen
aber dann ist es dunkel
der mond kraxelt sehr schnell
in position
ich glaub er ist sehr fleißig
so viele chinesen
er bedient die touristen
passt sich wundervoll an.
people are slow here
says our guide
you have to get used to them
then it’s dark in a jump
and the moon climbs very fast
to her highest position
guess she is happy
to serve Chinese tour groups
so these few years
she runs faster and faster
January 2016
DER MOND MUSS PERFEKT SEIN
in singapur
erklärt uns die führerin
(ihr name heißt schwalbe)
die strengsten gesetze
klingt wie sie in thailand
buddha anbeten.
um mitternacht sind wir am hotel,
halten noch eine lesung,
gegenüber gleich an der straße.
man kann sogar rauchen,
hauptsache es landet nichts auf dem boden.
man darf bier bestellen,
nicht zuviel auf einmal.
wo ist der mond?
in singapur
hält sich der mond streng an die regeln,
sonst schlägt man ihn hinten.
er schwebt aus den wolken
schön wie sichs gehört.
In Singapore
we have a new guide.
Her name means “swallow”.
She explains about their laws.
Sounds a bit like Thailand
talks about Buddhism.
“You have to be careful,
you can’t just sit down anywhere.”
We get in very late
but we still call a reading.
Across the street from the hotel
you can sit outside,
you can even smoke.
Long as you don’t toss the butt.
When you order a beer,
one bottle per person may be too much.
Where is the moon?
In Singapore
she obeys the law to the letter,
otherwise they beat her behind.
She steps out of the clouds
in her most perfect poise.
January 2016
《詩會主義》
詩會主义好,
詩會主义好。
我们的新詩典人民地位高。
体制派被打倒,
作家协会夹着尾巴逃跑了。
2016.1.26
SOZIALISMUS LESUNGEN = GUT
lesungen sind gut, lesungen sind gut.
unsere neue lese
bringt euch frisches blut.
offiziell gibts uns nicht,
denn dafür fehlt euch der mut!
2016
POETRY READING IS GOOD
Poetry Reading’s good,
Poetry Reading’s good.
In our New Poetry Canon, people’s dignity is high.
System clique’s in the dregs,
state-sanctioned writers scurry with their tails between their legs!
Das Papier vor mir ist ein bisschen gelb.
Ich grab dunkle und hellere Zeichen hinein,
lauter Wanderarbeiter-Wörter.
Die Werkstatt, das Fließband, der Ausweis,
die Maschine, die Überstunden, der Lohn …
Ich werde von ihnen vollkommen beherrscht.
Ich werde nicht aufschreien, werd mich nicht wehren.
Niemanden verklagen und mich nie beschweren.
Nur schweigend Erschöpfung ertragen.
Bis der Anfang vorbei ist.
Bis zum Zehnten im Monat der graue Lohnzettel
Trost bringt für alles davor.
Dafür wetz ich Kanten ab, reibe Sprache weg.
Keine Krankheit, kein Urlaub, kein Fernbleiben.
Niemals später aufstehn, niemals früher gehen.
Steh eisern am Fließband mit fliegenden Händen.
So viele Tage, so viele Nächte,
ich schlaf schon im Stehen.
wir brauchten
zwei monate
um den laden zu renovieren
aber nur zwei stunden
um diese schränke zu demolieren
das war noch nicht
das schlimmste problem
um zwei in der früh
fuhren wir elektrodreiräder
aufgetürmt mit bretterteilen
durch die ganze stadt
fanden doch keinen müllplatz
am ende aber
ein sogenanntes dorf in der stadt
im abriss begriffen
lautlos packten wir die bretter
in ein haus
von dem nur noch eine mauer
übrig war
von einem dieser bretter
hab ich mir
unvorsichtigerweise
die finger
aufgerissen
thursday morning. they take out the garbage.
they take out the garbage on thursday morning.
it’s not a holiday. not on paper.
i’ve wondered about this since i was small.
the biggest holiday of the year.
the biggest thing in the world for many shops
and many churches.
thursday morning. they take out the garbage.
A branch in my orchard
asked me
who was buried down at the back.
A precious place in Fengshui!
I swooped with my scissors
and sent him flying.
A different branch said:
“About the airport up on the mountain
when are they going to start construction?
Will we have to move to some other garden?”
I made no sound
but my scissors dealt with the question.
Another branch wanted an explanation
of the El Niño phenomenon.
I gave him satisfaction,
it was a clean cut.
Then the whole tree was rustling its branches
“What about this year’s apples,
do you have the money in hand?”
I went for my ax
and chopped down the thing.
Ich zieh am Fließband Schrauben fest.
Schrauben ziehen mich am Fließband fest.
Ich und die Schraube, wir sind zwei Schrauben;
wir kommen nicht aneinander vorbei.
Ich zieh mit all meiner Kraft.
Mit meinem Blut, meinem Schweiß, meinem Heimweh
zieh ich nicht heraus
den Menschen der ich war.
2)
Jeder Arbeiter am Fließband
ist eine Schraube,
ist eine Holzpuppe
im Schattenspiel;
die tanzt und verrenkt sich,
die dreht sich mit Schmerzen mit Tränen mit fließenden Jahren;
die dreht sich nie heraus
aus dem Schatten
der Armut des Elends.
3)
Teile verarbeiten Teile.
Keine Schraube kümmert sich um andere Schrauben;
nur um den Platz wo sie angeschraubt ist.
Dort tanzt sie auf einem Abgrund.
Ein falscher Schritt,
einmal nicht aufgepasst,
für dich ist nirgends mehr Platz.
sacred light wherever you are
let me stand look at peace
you are a tree thicket shrub
you are a house
you are the sparkle
you are the splendour
heard with the birds
sacred light wherever you are
let us stand look at peace
you are time
you are space
you are the heavens
in our hearts
sacred light wherever you are
grant us peace grant us wonder
grant us work
grant us leisure intercourse
grant us listening to each other
amen
heiliges licht wo immer du bist
lass mich stehen stille schauen
du bist ein baum ein busch ein strauch
du bist ein haus
du bist der glanz
du bist die pracht
im vogelruf
heiliges licht wo immer du bist
lass uns stehen stille schauen
du bist die zeit
du bist der ort
du bist der himmel
in unseren herzen
heiliges licht wo immer du bist
gib uns stille gib uns staunen
gib uns arbeit
gib uns muße spiel gespräche
gib uns aufeinanderhören
amen
mein trafikant hat seinen stand
wo etwas los ist in dieser stadt
die nächste trafik von meiner wohnung
dort sitzt er und hat scheinbar gar nichts zu tun
ich hab meinen unverrückbaren stundenplan
am vormittag schreiben, dann kommt der mittagschlaf
nachher ein spaziergang
dann komm ich bei seiner trafik vorbei
und kauf eine “sportwoche”
jetzt in der zeit der weltmeisterschaft
war die sportwoche ausverkauft
schon mehrere male. ich muss mich beschweren:
“großväterchen, könnten sie nicht ein paar mehr bestellen?”
“ein paar mehr sportwochen?”
“ein paar mehr sportwochen bleiben mir liegen!
am end’ zahl ich drauf!”
was soll ich da machen als fussballfan?
ich hab eine idee:
“großväterchen, schauen sie die wm?
sie schauen die wm am abend davor
sagen wir deutschland verliert oder spanien
vielleicht gegen österreich oder albanien
dann geht die zeitung doch wie warme semmeln?”
“na, das stimmt. da war schon am vormittag alles weg.
aber sie können leicht reden.
woher nehm ich die zeit?
untertags hock ich hier drinnen
den ganzen tag und krieg noch den hitzschlag
am abend pack ich zusammen
bis ich daheim bin
daheim ess ich mit meiner alten
waschen ins bett gehen
schlafen wie ein toter hund
wie soll ich die wm schauen!”
19 wanderarbeiter mit ihren schaufeln
nein, es sind fünf wanderarbeiter mit schaufeln
nein, die fünf wanderarbeiter tragen vielleicht keine schaufeln
weiß nicht, mit welchen werkzeugen arbeiten sie auf der brücke
zwei wanderarbeiter im einschlafen fahren einen lastwagen mit aushub
der laster wischt die fünf wanderarbeiter hinunter
und kracht ins geländer
die zwei eingeschlafenen wanderarbeiter und die ladung erde
begraben die anderen fünf wanderarbeiter
die rettungstruppe ist schnell zur stelle
sie engagieren 12 wanderarbeiter
12 wanderarbeiter mit ihren schaufeln
graben sehr fleißig
graben aus sieben wanderarbeiter die nicht mehr atmen
1. Oktober 2014
Übersetzt von MW im September 2015
Hou Ma 19 MIGRANT WORKERS
19 migrant workers carrying shovels
no, five migrant workers carrying shovels
no, five migrant workers maybe not carrying shovels
not sure which tools they are using up on the bridge
two migrant workers dozing driving a truck with loose earth
truck sweeping five migrant workers down from the bridge
and crashing the railing
two dozing migrant workers along with their truck of loose earth
falling and burying five migrant workers
rescue team comes very fast
engaging 12 migrant workers
12 migrant workers arrive with their shovels
working furiously
very soon they dig out seven
not-breathing migrant workers
ich heiße schreck
ich bin ein idiot
ich grinse
ich hab keine antwort
hast du auch keine antwort?
warum denn?
wer sind wir?
wohin gehen wir?
ins ams
aber warum denn?
wer sind wir?
wir sind österreicher
wir können wählen
aber warum denn?
und ganz große söhne
aber warum denn?
ich heiße schreck
aber warum denn?
hast du auch keine antwort?
ich bin ein idiot
und woher kommen wir?
aus dem ams
aber warum denn?
ich grinse
aber warum denn?
wir haben zuviele flüchtlinge
hast du auch keine antwort?
ich heiße schreck
eigentlich kenn ich dich nicht
aber
in dem büro bei meinem studentenheim
war deine tanzgruppe mit welchen von meinem jahrgang
im jahr 15 ganz früh alles liegt noch im frost
eine dünne schicht schnee
am tag 10 nach dem frühlingsfest
plötzlich
viele leute wuseln in panik in eine gasse
brandneue werkstatt, beschichtetes blech
erstickender rauch im engen raum
dein körper ganz klein auf einer tragbahre
ein paar schneeflocken treiben
ein treibendes nieseln
ununterbrochen fahren die wagen
hin und her auf den straßen
alter kerl aus sichuan
pflegt ein grab eines kanzlers der song-dynastie
abgesehen davon dringt keine nachricht heraus
in huichuan an der kreuzung
weint jemand
andere flüstern
noch jemand schreibt für dich:
mädchen — was ist mit dir?
Hinter dem Bahnhof das Hotel Fuchs.
Fuchsgasse hat meine Oma gewohnt.
Die Wohnung war von einem Juden.
Ihr Mann war im Krieg.
Ist im Krieg geblieben.
Eine Wohnung mit Wasser draußen am Gang.
Meine Oma mit Kind.
Sie ist fast verhungert gleich nach dem Krieg.
Läuft nackt aus dem Haus und kommt nach Steinhof.
Steinhof war ein Ort des Schreckens in Wien.
Eine schöne Kirche von Otto Wagner.
Meine Oma hat viel gearbeitet.
Der Jude ist lange noch dort gestanden.
Mariahilferstraße.
Hat hingeschaut zu seiner Wohnung.
Noch mehrere Tage.
Meine Oma wars nicht hat sie gesagt.
Niemand in der Familie.
Niemand den sie gekannt hat.
Der Jude ist tagelang noch dortgestanden.
Meine Oma hat Maria geheißen.
MW 1. August 2015
KATASTROPHE
maia gibt leo eine schallende ohrfeige
ich gebe maia eine schallende ohrfeige
alle weinen
MW Juli/August 2015
DAS WICHTIGSTE
– für Daniel
das wichtigste war nicht das klo
das klo war wichtig und interessant
es ging um gerechtigkeit
ich hab das gedicht dann ganz übersetzt
wir haben es diskutiert
am lcb in berlin
ein workshop für übersetzer
das wichtigste war die gretchenfrage
wie hältst du es mit der religion
ich sing gerne mit
beim abendmahl bin ich gern dabei
aber ich bin nicht in der kirche
es hat sich so ergeben
ich glaube gern an die revolution
in china glaub ich nicht an die linke
an den widerstand ja
aber nicht an die linken
bevor sie nicht kacken
auf den vorsitzenden
wie hält es yi sha
mit der religion?
er glaubt an poesie
poesie macht dich zu einem besseren menschen
stimmt leider nicht immer
hab ich ihm gesagt
schau dir nur deinen papiertiger an
MW 2. August 2015
OSTERN
Christus starb 1944.
Christus starb 1943.
Christus starb 1942.
Christus starb 1941.
Leider auch früher
und später.
Christus starb im Holocaust.
Marc Chagall hat es gemalt.
she went through the cultural revolution
through the great leap famine
through working her farm on her own
went through village loneliness
went through labour pains
went through years of poverty
she carried her son on her back
a dozen miles to the next clinic
went through years of not speaking
went through times of great fires
she did not change one bit
like other people of the same age
she became old in her best years
in their richest dreams they became skinny
she had five children
her five children gave birth in turn
to her ten grandchildren
through her busy life
through stomach aches and tinnitus
through fevers and colds
through getting sick
through the moon waxing and waning
when she gets tired and falls asleep
she will go through a big fire
becoming the air
I breathe every day
in junior high
I went to her place
her mom drying peanuts out in the sun
turning them over
telling us
don’t eat the peanuts
they’re for your big brother’s wedding
she graduated from college
her mom was still drying peanuts
she married
her mom drying peanuts
for her big brother’s wedding
now her own son is already married
her mom is still drying peanuts
dein baumelnder ärmel reden und lachen
dein dunkles gesicht voller staub aus der betonziegelfabrik
du sitzt auf einem schemel deine kleider schmutzig
von sand und getrocknetem zement dein fettes haar
strohhut und schäbige plastikschuhe …
dein mann arbeitet in einer werkstatt nicht weit von hier
ich wollte deine trauer um deinen arm suchen in wirklichkeit
hast du gar keine du wählst mit einer hand zutaten schneidest gemüse
kochst essen du hast dich gewöhnt dass dir die maschine den halben arm
abgebissen hat du erzählst mir den ganzen vorgang deine gelassenheit
irritiert mich ein bisschen ich kenn das gesetz und die entschädigung
aber du redest von menschlichkeit und gewissen “der chef ist ein guter mensch
außer den ganzen arztkosten hat er noch vierzigtausend gezahlt”
“ich war unvorsichtig der chef ist nicht schuld” du schlitterst
immer weiter in selbstbeschuldigung hörst nicht auf zu plappern
wie jemand in einem film der weiß gott was getan hat ich hatte vor
dich zu trösten dich erzählen zu lassen von deinem unglück
in deiner erzählung war es für dich nicht so schlimm wie für deinen chef
du redest davon was dir vierzigtausend gebracht haben
zum beispiel dein haus auf dem land in sichuan deine tochter an der uni
bist dankbar für die vierzigtausend für die situation in deiner familie
ich war sehr ungeduldig über die ganze gesellschaft
ich war müde und feindselig muss ab jetzt von dir lernen
freundlichkeit und liebe
dein baumelnder ärmel ich habe noch etwas verstanden
ich wollte dir erzählen vom kampf um dein recht von der art zu leben
die ich verstehe aber dann hab ich nichts zu sagen
ich sitz nur und hör dir zu du malst dir die zukunft
ein schöner ausblick eine vierzigjährige arbeiterin
froh dass es der linke arm war froh dass es sie war
– ein frauenarm – wär es ein männerarm –
von deinem mann wär es schwieriger ….
markt in der nacht der sternenglanz
von straßenlampen gedrückt bleiben taschenlampen
blinken beleuchten grünzeug karotten
nacht hat in ihr wurzeln geschlagen
dunkelheit schluckt ihre groben und dunklen züge
sie dreht ihre taschenlampe ein bisschen auf
schwaches flackerndes licht weiß
gelb und braun blinkend wie kleine
glühwürmchen schwankend beleuchten sie
die anzeige der waagebalken das von weit her
transportierte gemüse wind bringt die nacht
dunkel auf dunkel gedrückt tritt sie in schwere pedale
des lastenfahrrads die nacht wird noch dunkler
sie fährt weiter vorwärts beugt sich noch tiefer
bergauf geht es langsamer die grünen blätter auf ihrem dreirad
sind so frisch zart und nass
sie zieht lastendreiräder
der wagen mit stangenbohnen der wagen mit sellerie der wagen mit kleinem chinakohl
wind bläst vom stinkenden fleischmarkt sie zwängt sich
in einen gang zwischen zwei LKW schwenkt ihre
taschenlampe diese fünfundvierzigjährige frau
diese witwe aus hubei diese putzfrau die vor drei jahren
ihre spielzeugfabrikstelle verloren hat schiebt
ihre schweren dreiräder die tief gebückte haltung
lässt sie noch älter erscheinen dunkle haut aufgeschwollen
je schwerer der gemüsewagen desto tiefer bückt sie sich
sie biegt in die gasse vor dem gebäude bleibt ein bisschen stehen
dreht sich um schaut dreht sich wieder um kommt langsam vorwärts
wind wirbelt abfall im wind schwache lichter
beleuchten die ein wenig schmutzige frau
wie einen löchrigen schäbigen traum
sie bewegt sich ein stück noch ein stück
tief in die gasse
sie huschen wie wandelnde seelen am bahnhof
an der maschine in der industriezone im schmutzigen mietquartier
ihre gestalten sind dünn wie messer, weisses papier,
haarsträhnen, luft. mit ihren fingern schneiden sie
eisen. filme. plastik … müde und taub sind sie
wandelnde seelen verpackt in maschinen
arbeitskleidung fließband ihre blitzenden augen
jugendlich huschen sie in ihrem
graudunklen strom ich kann sie nicht unterscheiden
steh ich unter ihnen sind wir auch nicht unterscheidbar
hautsäcke glieder bewegungen unbestimmte blicke lauter
unschuldige gesichter ständig werden sie aufgestellt organisiert
strukturiert ameisenvolk der elektronik bienen der spielzeugfabrik
sie lächeln stehen rennen bücken krümmen sich
werden verkürzt ein paar hände schenkel
sie werden festgedrehte schrauben abgetrennte metallflächen
gepresstes plastik gebogenes aluminium geschnittener stoff
ihr enttäuschter zufriedener erschöpfter glücklicher
aufgelöster hilfloser einsamer … ausdruck
sie kommen aus dörfern weilern gruppen ihre
intelligenten ungeschickten zaghaften feigen …
heute knien sie vor all den hohen hellblitzenden fenstern und türen
wachleute in schwarz glänzende autos grüne mandarinenbäumchen
das goldene fabriksschild gleißt in der sonne
sie knien vor dem fabrikstor halten ein stück karton
mit ungelenker schrift “gebt uns mit schweiß und blut verdientes geld”
furchtlos knien sie zu viert vor dem fabrikstor
die leute um sie herum vor ein paar tagen ihre kolleginnen
aus denselben dörfern freundinnen chefinnen mitarbeiterinnen
ausdruckslos betrachten sie diese vier arbeiterinnen
schauen zu wie die vier kolleginnen von wachleuten weggeschleift werden
wie eine einen schuh verliert wie einer anderen
die hose aufreißt schweigend schauen sie zu wie die
vier knienden arbeiterinnen weggebracht werden in ihren augen
steht weder freude noch leid … ausdruckslos gehen sie in die fabrik
ihr unglück macht mich traurig niedergeschlagen was soll ich sagen
2012
Übersetzt von MW, 2015
Photos and video recording: Beate Maria Wörz
郑小琼
《跪着的讨薪者》
她们如同幽灵闪过 在车站
在机台 在工业区 在肮脏的出租房
她们薄薄的身体 像刀片 像白纸
像发丝 像空气 她们用手指切过
铁 胶片 塑料 … … 她们疲倦而麻木
幽灵一样的神色 她们被装进机台
工衣 流水线 她们鲜亮的眼神
青春的年龄 她们闪进由自己构成的
幽暗的潮流中 我无法再分辨她们
就像我站在他们之中无法分辨 剩下皮囊
肢体 动作 面目模糊 一张张
无辜的脸孔 她们被不停地组合 排列
构成电子厂的蚁穴 玩具厂的蜂窝 她们
笑着 站着 跑着 弯曲着 卷缩着
她们被简化成为一双手指 大腿
她们成为被拧紧的螺丝 被切割的铁片
被压缩的塑料 被弯曲的铝线 被剪裁的布匹
她们失意的 得意的 疲惫的 幸福的
散乱的 无助的 孤独的 。。。表情
她们来自村 屯 坳 组 她们聪明的
笨拙的 她们胆怯的 懦弱的 。。。
如今 她们跪着 对面是高大明亮的玻璃门窗
黑色制服的保安 锃亮的车辆 绿色的年桔
金灿灿的厂名招牌在阳光下散发着光亮
她们跪在厂门口 举着一块硬纸牌
上面笨拙地写着 “给我血汗钱”
她们四个毫无惧色地跪在工厂门口
她们周围是一群观众 数天前 她们是老乡
工友 朋友 或者上下工位的同事
她们面无表情地看着四个跪下的女工
她们目睹四个工友被保安拖走 她们目睹
一个女工的鞋子掉了 她们目睹另一个女工
挣扎时裤子破了 她们沉默地看着
下跪的四个女工被拖到远方 她们眼神里
没有悲伤 没有喜悦 。。。 她们目无表情地走进厂房
她们深深的不幸让我悲伤或者沮丧
Zheng Xiaoqiong
KNEELING, DEMANDING THEIR WAGES
they scurry across like wandering souls at the train station
at the machines the industrial zone squalid rented rooms
their thin female bodies like knifeblades like paper
hair fibres air their fingers cut
iron plastic film etc they’re numb and exhausted
like wandering souls packed into machine tables
work clothes assembly lines their glowing eyes
in the bloom of their youth scurrying into the shadowy stream
they created themselves I can’t tell them apart
I am standing among them no one knows who I am a sack of skin
limbs movement vague expressions one harmless
face after another they are always assembled lined up
forming electronics factory anthill toy factory beehive females
smiling standing running bending curling
each simplified into one pair of hands thies
fastened screws cut iron sheets
compressed plastic curved aluminum cut fabric
their frustrated satisfied weary happy
tangled up helpless lonely expressions
they come from villages hamlets valleys teams they’re intelligent
awkward they are weak timid
today they are kneeling before the shining glass windows doors
black-clad security polished limousines green tangerines
gold-emblazoned factory name shining in sunlight
kneeling at the factory gate holding up a cardboard sign
awkward charakters “give us sweat-and-blood-money”
they look quite fearless as they kneel at the factory gate
surrounded by a crowd days ago they were colleagues
from the same province friends coworkers above or below
women without any expression watching four kneeling women workers
watching four colleagues dragged away by security watching
one of the four losing a shoe watching another worker
getting her pants torn in the struggle silently watching
four kneeling women dragged far away in their eyes
there is no sadness no joy without any expression they enter the factory
their tragedy leaving me sad or depressed
er streckt seine hand
hinter die friseuse
mit geübter bewegung
greift er ihr an den hintern
ich hab alles gesehen
am sitz neben ihm
kann ich es verstehen
eine menschliche regung
was ich nicht tolerier
sein gesicht im spiegel
die art von grinsen
nicht wegen der bewegung der lippen der zunge
wegen eines besonderen gefühls
nur weil er
als der andere teilnehmer
nachher
mit dem handrücken
seinen mund abwischte
I praise cigarettes
the fingers that produce them
I imagine where tobacco comes from
in that golden season
people appear in and out of the sun like black slaves
a battered truck drives into the distance
smokestacks puff out grey curling clouds
the cigarettes I crave
that’s where they come from
on the assembly line
they are like bullets ready to fire
or like rows of standard white poplars
but I cannot compare them like this
I know the meaning of work
every good cigarette
retains a heavy taste of sweat
each time I enjoy them
watch them burn to ash
in a short time
I have a special satisfaction
because I care about origins
1989
Tr. MW, April 2015
Yi Sha LOB DER ZIGARETTE
ich preise zigaretten
die hände die sie produzieren
ich stelle mir vor wo der tabak herkommt
in der goldenen jahreszeit
leute tauchen auf aus der sonne wie sklaven
ein verbeulter lkw fährt in die ferne
schornsteine speien ringelnde wolken
die zigaretten auf die ich warte
dort kommen sie her
auf dem fließband
sind sie wie patronen fertig zum schießen
wie standard-reihen von weißen pappeln
aber so kann ich sie nicht vergleichen
ich weiß was arbeit heißt
eine gute zigarette
hat noch das schwere aroma von schweiß
wenn ich sie genieße
wenn sie in kurzer zeit
abbrennen
hab ich eine eigene befriedigung
ich achte auf herkunft
standing along the line
Xia Qiu
Zhang Zifeng
Xiao Peng
Li Xiaoding
Tang Xiumeng
Lei Lanjiao
Xu Lizhi
Zhu Zhengwu
Pan Xia
Ran Xuemei
day and night
migrant workers are ready
fully dressed up
anti-static coats
anti-static hats
anti-static shoes
anti-static gloves
anti-static wrist bands
well-equipped at attention
waiting for orders
once bells are ringing
one and all report to the first emperor!
a screw drops to the floor
in this night of overtime
going straight down, there’s a small sound
nobody notices
just like before
on a night like this
when a person fell down
2014-01-09
Tr. MW, November 2014
Xu Lizhi EINE SCHRAUBE FÄLLT HINUNTER
eine schraube fällt hinunter
in dieser nacht in überstunden
fällt gerade zu boden, ein leiser klang
niemand achtet darauf
genau wie davor
in einer nacht wie dieser
da fiel ein mensch hinunter
sie sagen alle
ich sei ein junge der nicht viel spricht
das will ich gar nicht verleugnen
ob ich spreche oder nicht
mit dieser gesellschaft
bin ich im konflikt
I’m emigrating to the moon
you all shouldn’t be jealous
on the surface there’s all sorts of glory
actually I’m having headaches
for example how do I get there
which is the most practical vehicle
is it the bicycle the public bus
is it the ferry is it an air-plane
is it a rocket is it Shenzhou 10
I have no idea
and so I stretch my hand to the sky
to grasp a white cloud
just like Sun Wukong on TV
with a few somersaults I’m on the moon
at the time of my successful landing
I’m even receiving a telegram
with President Xi’s congratulations
Tr. MW, Nov. 2014
Xu Lizhi EMIGRATION
ich emigriere auf den mond
ihr braucht mich nicht beneiden
zwar ist der ruhm grenzenlos
aber in wirklichkeit hab ich kopfweh
vom überlegen wie ich da hinkomm!
was ist das praktischste verkehrsmittel –
ist es das fahrrad oder die straßenbahn
ist es die fähre oder das flugzeug
eine rakete oder die SHENZHOU 10
ich habe ja doch keine wahl
also streck ich die hand in den himmel
pflück mir eine weiße wolke
mach es wie Sun Wukong im TV
ein paar purzelbäume dann bin ich am mond
im augenblick meiner erfolgreichen landung
bekomme ich ein telegramm –
gratulation von Präsident Xi!
meat should be eaten
there is no other value for its existence
so while I’m eating the meat on my body
bit by bit
I realize
the value of my existence
Tr. MW, Nov. 2014
许立志 存在与价值
被吃掉
是肉存在的唯一价值
因此当我一片接一片地
吃掉自己身上的肉时
我实现了
自我存在的价值
Xu Lizhi ELEVATOR
I’m walking into
a standing casket
as the lid slowly closes
I and this world
are separated
Tr. MW, Nov. 2014
许立志 电梯
我走了进去
一副站起来的棺材
随着棺材盖缓缓合上
我与这个世界
从此隔绝
Xu Lizhi MEDITATION
after writing this poem
I’m going to go among the willows to sit in peace
I’ll watch the sky over the mountains, the sunset
let cicadas call over the lake
wash the dust off this world, and a traveller’s heart
Into the dusk I plead forgiveness, tolerance,
a little mercy, sympathy ….
gegessen werden
fleisch ist für nichts anderes wert
indem ich mich bissen für bissen verspeise
realisiere ich langsam den wert
meines daseins
Übersetzt von MW im Nov. 2014
Xu Lizhi FAHRSTUHL
ich gehe hinein
in einen sarg der aufrecht steht
dann geht der deckel ganz langsam zu
ich und die welt
sind nun getrennt
Übersetzt von MW im Nov. 2014
Xu Lizhi MEDITATION
wenn ich mit diesem gedicht fertig bin
geh ich unter die weiden und setz mich ruhig hin
schau in den himmel, die sonne sinkt hinter den berg
ich lass zikaden zirpen über dem see
wasch mir den staub von der welt,
vom herz eines wanderers,
fleh in den abend hinein um vergebung,
um toleranz, mitgefühl …
breathe, 呼吸 (hu-xi) 开关 (kai-guan) 外内 (wai-nei) open-close out-in breathe 呼吸 what thing 啥事 (sha shi) what the thing 啥呼吸 (sha huxi) what breathe 啥写作 (sha xiezuo) what writing what make up 傻创作 (sha chuangzuo) 作弄 (zuo nong) 打坐 (da zuo) hit sit 装作 (zhuang zuo)
make believe 装作 make up 装冷 (zhuang leng) you’re cold 装热 (zhuang re) you’re hot 发作 (fazuo) break out listen 聆听 (lingting) 等 (deng) wait
给你看 (gei ni kan)
给你听 (gei ni ting)
给你弄 (gei ni nong)
任你想 (ren ni xiang)
4 u please see please hear do your thing think whatever 打坐 吐纳 (tu-na) hit sit in out breathe
呼吸 old new 啥打坐 啥静坐 (sha jing-zuo) meditation 坐禅 (zuo chan) sit-in
occupy central
佔中
走神 (zou shen)
dichten, offen werden, zu atmen, liegen atmen, stehen atmen, sitzen atmen, gehen laufen, sehen atmen, still atmen, stillen atmen, durst atmen, hören atmen, ohr atem schöpfen atem, ein atem, aus atem, warten atem, kommen atem, hör atem, auf atem, fang atem, ball atem, dich
mind is a most wonderful word
make up, open coming, close breathe in, listen breathe in, out breathe in, lying breathe in, down breathe in, sit breathe in, stand breath in, walk running, see breathe in, still nursing, thirst breathe in, hear breathe in, ear take your breath take your width breathe, in breathe, out breathe, wait breathe, come breathe, stop catch breath run, low catch, throw breathe, curl breathe, up breathe, your breathe, thing breathe, make breathe, make up breathe, open breathe, close breathe, close to breathe, body breathe, fear breathe, pain breathe, make up breathe, clothes breathe, colors breathe, white breathe, contact breathe, spar breath, no breath, words breathe, open breathe, clothes come again come loose come win me make up make shut atem make contact atem remember, atem breathe, 呼吸,开关,外内 open-close out-in breathe, 呼吸 what thing 啥事 what the thing 啥呼吸 what breathe 啥写作 what writing what make up 傻创作,作弄,打坐 hit sit 装作 make believe 装作 make up 装冷 you’re cold 装热 you’re hot 发作 break out listen 聆听, 等 wait
messi
im argentinischen nationaldress
steht
am rand des dorfes zumglück
ein junger mann mit der nr. 10
des argentinischen nationalteams
kickt
kickt keinen weltmeisterschaftsball
kickt ein pedal
eines motorrads
wartet auf fahrgäste
2014-07-19
Übersetzt von MW im Oktober 2014
Jiang Tao
LUCKY MESSI
Messi
in the official Argentine colors
standing
at the entrance to Lucky Town
he is number 10
this young man
in the Argentine team dress
kicking
no official world-cup ball
kicking
a motorcycle pedal
waiting for passengers
month of long days
and of strong sun
fresh-bought cabbage
curled at the sides
all turned to mush
it’s graduation day
the day I became a worker
at the cement factory
the day of the operation
my wife borrowed money for from everyone
the birthday of
one of my daughters
the day my father
dies
sun like an oven
there is no way to let father stay
after a hurried funeral
I lead my shaking mother back to the cave onto the kang
no sound from mother
all through the month
there is no sound
they scurry across like wandering souls at the train station
at the machines the industrial zone squalid rented rooms
their thin female bodies like knifeblades like paper
hair fibres air their fingers cut
iron plastic film etc they’re numb and exhausted
like wandering souls packed into machine tables
work clothes assembly lines their glowing eyes
in the bloom of their youth scurrying into the shadowy stream
they created themselves I can’t tell them apart
I am standing among them no one knows who I am a sack of skin
limbs movement vague expressions one harmless
face after another they are always assembled lined up
forming electronics factory anthill toy factory beehive females
smiling standing running bending curling
each simplified into one pair of hands thies
fastened screws cut iron sheets
compressed plastic curved aluminum cut fabric
their frustrated satisfied weary happy
tangled up helpless lonely expressions
they come from villages hamlets valleys teams they’re intelligent
awkward they are weak timid
today they are kneeling before the shining glass windows doors
black-clad security polished limousines green tangerines
gold-emblazoned factory name shining in sunlight
kneeling at the factory gate holding up a cardboard sign
awkward charakters “give us sweat-and-blood-money”
they look quite fearless as they kneel at the factory gate
surrounded by a crowd days ago they were colleagues
from the same province friends coworkers above or below
women without any expression watching four kneeling women workers
watching four colleagues dragged away by security watching
one of the four losing a shoe watching another worker
getting her pants torn in the struggle silently watching
four kneeling women dragged far away in their eyes
there is no sadness no joy without any expression entering the factory
their tragedy leaving me sad or depressed
actually, they have
just finished their early shift
and found a noodle shop
to let their spent up bodies rest for a while
handmade noodles, two yuan fifty fen
they don’t want to pay any more for the sauce
only a tea-egg
colored much like their skin
happiness rolled into one
they keep the egg and the soup till the end
as if to remind themselves
not to let this darkness
pass into their wives’ pregnant bellies
caught by a whiff of salty fish
I know I have entered the square
the biggest fish market in town
is on the south side
so the square has been reeking
all through the years
at the east is the science museum
never been in there
don’t know what they have
young pioneers palace is on the west side
I sneaked in alone
when I was 14
to see the human body display
I stood in front of a model
of female sexual organs forever
without understanding
now I’ve come to the north of the square
they call it the front side
from a double decker window
I can see everything
the province government building
looks quite imposing
up there my wife whiled her hours away
for shabby pay
the square – concrete slabs and some grass
they are lowering the flag
it’s at the middle now
looks like half-mast
22 years ago in september
we were standing here mourning
the former leader who had just died
red kerchiefs and our young faces
drenched in icy autumn rain
our white-haired principal
standing there howling through wind and rain
“What will happen to China?”*
I can see the whole scene
now I see the spectators gleaming
in the sunset
a heap of tangerines
I see two people
have left the ranks
they are two grown-up men
holding hands
running towards the east of the square
and my bus keeps going west
so I can’t make out
where they might be going
1998
Tr. MW, June 2014
*“What will happen to China?”, literally “Whither China?”, “Where is China going?”, in Chinese Zhongguo Xiang He Chu Qu 中国向何处去 was the title of a political essay published in Big Character Posters in 1968, written by the 19-year-old Yang Xiaokai 杨小凯 who was sentenced to 10 years in prison for his text. In the end he became an economist and taught at universities in China, USA and Australia (online sources).
ein gestank nach salzigem fisch
sagt mir ich bin auf den platz vorgedrungen
der größte fischmarkt der stadt
ist im süden des platzes
deshalb ist er durch die jahre
von diesem geruch durchweht
im osten steht das technische museum
ich bin nie hineingegangen
weiß nicht was es drinnen gibt
im westen steht der jugendpalast
einmal schlich ich mich hinein
als 14jähriger schüler
es ging um das geheimnis des körpers
ich stand sehr lange vor einem modell
weiblicher fortpflanzungsorgane
ich blickte auch am ende nicht durch
jetzt bin ich schon am nordrand des platzes
man sagt hier die vorderseite
aus einem doppeldeckerfenster
kann ich alles überblicken
das provinzregierungsgebäude
erhebt sich doch recht stattlich
meine frau war dort oben beschäftigt
für kümmerlichen lohn
über den platz – gras und betonziegel
man lässt gerade die fahne hinunter
sie ist bei der hälfte
sieht aus wie auf halbmast
im september vor 22 jahren
standen wir in trauer hier
der frühere staatsführer war grad gestorben
junge gesichter mit roten halstüchern
im eisigen herbstregen
der schuldirektor mit weißen haaren
stand heulend und jammernd im wind und im regen
“was wird aus china?”
ich hab es noch genau vor augen
jetzt seh ich die zuseher
in der sinkenden sonne
sehen sie aus wie ein haufen orangen
ich sehe auch zwei menschen
sie haben sich schon aus der menge gelöst
es sind zwei erwachsene männer
hand in hand
laufen sie zum osten des platzes
mein bus entfernt sich nach westen
ich kann nicht erkennen
wohin sie am ende gehen
Hai Zi
BEIJING SPRING (FACE THE SEA, SPRING IN BLOOM)
from tomorrow, let me be happy
feed horses, chop wood, let me travel the world
from tomorrow, vegetables, grain
I have a house, face the sea, spring in bloom
from tomorrow, writing my family
tell everyone how I am happy
this lightning happiness tells me
what I will tell everyone
give every creek every peak a warm name
stranger, I want to bless you also
may your future be bright
may your lover become your family
may you find happiness in this world
I only want to face the sea, spring in bloom
all these good people at school want to lend you a pencil.
all these good people will rush to pull you up when you fall down.
all these good people won’t help you when you are bullied.
because to the bullies they are also good schoolmates.
all these good people at the army will polish your boots and stand guard for you.
all these good people will lend you money so you can get back to your hometown.
all these good people won’t help you if you are bullied.
because to the sergeant they are also good soldiers.
all these good people at work want to brew you a coffee.
all these good people will listen all night when you’re broken-hearted.
all these good people won’t help you if the boss shouts at you.
because to the boss they are also good workers.
all these good people on the street will pick up your things when you drop them.
all these good people want to give you directions when you are lost.
all these good people won’t help you when your house gets torn down.
because to the government they are also good citizens.
some of these good people will become good police.
some of these good police will protect you against violence.
all these good police won’t help you if there are bad policemen who beat you.
because to the bad policemen they are also good comrades.
all around us the world is full of good people.
all these good people are filled with good intentions.
our world depends on cooperation among these good people.
when it is time we need to stand up by ourselves and step past good people.
cannot abandon this country, five thousand years of meager creeks and cold peaks
five thousand years having a band of whores erecting gateways for memory
its people industrious, intelligent, brave
and used by these whores, pressed to their last drop of blood
cannot abandon this country, connected from birth inseparably
my tears becoming one of its rivers, drinking its juices
slurping its blood, look at these whores telling lies as their trade
poets are used to the emperor’s new clothes, no-one plays a small child
I cannot abandon this country, nor am I having these whores banish me
getting angry is fruitless, I’d rather become another Sisyphus
and even for dying, it is on its earth where I am going to sleep
I am starting to understand the pain in my poems comes from myself
you don’t have the despair and confusion you are accustomed
working overtime sleeping getting paid sending money
going back home every year or two like a clockwork
you are used to the rhythm you came from a village in a different province
you didn’t face the bewildering city the temporary residence permit’s
iniquity didn’t think of putting down roots in the city
weren’t going to ponder anything a little more distant
or resist you are used to “government rules
or everyone does it that way” so they are always right
all those years being best friends but you could never
comprehend my anger and I could never understand
how you swallowed it all and kept silent “to dream is the greatest right of the age”
and exactly the opposite “why would you dream of anything unrealistic”
facing reality coming from the countryside I feel so
futile and helpless inappropriate alone sometimes
“life is about getting through every day” you tell me
we talk about outfits the weather distant Sichuan
or how we are going to go far in the factory
defective products. staying close to the factory’s wages… life
being used to repeat every day twenty-four hours
sixty minutes per hour this is life finding
work in the fields in the factory getting married giving birth
raising kids getting old like your parents your whole life
you never lose which means you never win it remains
to keep alive keep it simple breaking up endless repetitive
life being dull or pure I think of these words
and of your smile actually your life is getting less
peaceful worrying your husband far away
could he get out of hand and your kids might
obey less and less and your burden grows heavier
wearing you down sometimes you sit at the window
silent alone brooding
moments nobody notices
Leben in täglichen Kleinigkeiten. Voller Rußgeruch.
Gewalt und Denken als zufällige Gewürze.
Die Gewalt des Beraubtwerdens hast du vergessen. Ich müh’ mich
Noch ab unterm Schatten des Denkens. Du sagst jedesmal
Das Leben mache dich viel zu müde. “Warum noch an diese Dinge denken”,
“Man kann ja doch nichts ändern. Die Realität macht nur Kopfschmerzen.”
Genau. In dieser gleichgültigen Welt. Sind wir
Winzig und schwach. All die Jahre. Hat jemand gelesen
Den Zorn und die Trauer in meinen Gedichten. Mir setzt man
Einen seltsamen Hut auf. Über das Denken und die Politik
Hab ich mir nie Gedanken gemacht. Aber zur Gerechtigkeit,
Ich kann nicht tatenlos zusehen. Es muss Aussichten geben.
Du beschwerst dich über mittlere Kader in der Fabrik.
Manchmal sind sie korrupt….Aber am Ende
Seufzt du immer und sagst: “Leider wissen ihre Vorgesetzten
Nichts davon. Sonst…. Damit wir nicht
Verzweifeln. Machen wir uns über unerreichbare Vorgesetzte
Schöne und gütige Gedanken. Bis irgendein Chef mit den Geldern durchbrennt
und dir noch drei Monate schuldet, dann bist du baff. Egal ob
Wir beraubt oder betrogen wurden. Wir stehen der Welt gegenüber
Voller Begeisterung und Vertrauen. Von Anhui bis Dongguan. Ganze sechs Jahre
Hast du lauter Fabriken gewechselt. Von Dongkeng bis Changping. Und Huangjiang
Wir waren nicht weit voneinander getrennt. Dein blinkendes Logo, wir haben gechattet,
Du hast mir dauernd etwas erzählt.
Dass die Fabrik bankrott ging. Dass die Bestellungen verschwanden.
Du hast mir erzählt, dass dein Chef, wegen der Wirtschaftskrise
Jeden Tag buckliger aussah. Du sagtest, als du ihn sahst,
Standest du deinem Vater gegenüber, im Feld nach der Missernte.
An diesem Tag ging ich an einen Ort und jemand sagte mir, ich solle nicht mehr kommen. Ich sagte ihm, das wolle ich auch nicht. Jemand wird gehen, das ist etwas Anderes. Zurück in meiner Mietwohnung kochte ich einen Fisch. Ein Freund kam zum Essen. Nach dem Fisch gestand er, es gehe ihm schlecht. Er verlor seinen Job und verpasste einen Zug in den Süden auf der Suche nach Arbeit. Diese Jobs verbrauchen Kraft, Geist und Licht, verbrauchen alles, was da ist, sagte er. „Dann zahlst du in Raten, kaufst ein Haus, einen Wagen, findest eine Frau. Ihr kriegt einige Kinder, geraten sie zu sehr nach dir, ist es peinlich, geraten sie gar nicht nach dir ist es ebenso peinlich.” Wir besprachen den Unterschied zwischen Vermieter und Mieter. Dann taten wir es. Er fragte wieviele Liebhaber ich habe und was bei ihm anders sei. Ich sagte „Quatsch, natürlich bist du anders.” Er bestand darauf und fragte inwiefern. Ich sagte: “Du bist einfach anders. Aber wenn du unbedingt wissen willst was bei dir anders ist, dann muss ich dir sagen, du bist gar nicht anders.” „Ich hab’s ja gewusst”, sagte er. „Du erwartest einfach das Schlimmste”, sagte ich. „Genau, dann habe ich Ruhe”. Wir sahen zusammen ein Video, die kleine Meerjungfrau. Als Arielle ihre Stimme verlor, weinte er. Wir spulten den Film immer wieder zurück und sahen unsere Lieblingsabschnitte. Außerdem kochten wir noch einen Fisch und aßen ihn auf. Ich legte Tarockkarten, um zu sehen, ob er eine Arbeit finden und was aus uns werden würde. „Du findest keine Arbeit”, sagte ich. „Aha, keine Arbeit?” „Genau, du brauchst es gar nicht versuchen.” „Na was mache ich dann?” „Du machst gar nichts, dann hast du mehr Ruhe”, sagte ich. „Werden wir heiraten?”, fragte er. „Nein”, sagte ich. „Die Karten stimmen nicht. Wie soll ich wissen, ob sie recht haben?” „Du weißt es nicht, ich kann es dir auch nicht sagen.” „Warum glaubst du dann daran?” „Genau in der Sekunde, in der ich die Karten lege, sind alle karmischen Beziehungen seit Anbeginn von Himmel und Erde von selbst auf einmal ausgerechnet.” „Hör auf mit deinem Universum”, sagte er. Wäre das Universum nicht so beschaffen, sagte ich, säßen wir nicht hier und spielten Karten. Außerdem habe ich es ein bisschen satt, ich wolle umziehen. „Dann frag die Karten, ob du eine Wohnung findest.” Ich legte die Karten. Die Karten sagten, ich werde eine Wohnung finden. „Dann frag noch, ob ich mit dir zusammen einziehen kann.” „Die Karten sagen, das geht nicht.” Wir taten es noch einmal. Wir wussten sowieso nicht, was wir tun sollten. Dann ging er. Seither habe ich ihn nicht mehr gesehen. Vielleicht ergibt sich noch etwas Anderes, ich weiß es nicht. Eine Freundin ruft an. „Ai, ich weiß wirklich nicht, ob er mich liebt.”„Er liebt dich”, sage ich. „Wieso weißt du das?”„Weil er mich nicht liebt.” Da legt sie auf. Ich lege noch einmal die Karten. Ich weiß, sie wird gleich wieder anrufen und fragen, ob ich ihn liebe. Sie ruft an. Ich sage „Ja”, um sie zu ärgern. Ich weiß, sie wird sofort ihn anrufen und ihn fragen, warum er mich nicht liebt, wo ich ihn doch liebe. Sie erwartet, dass er sagt, er liebe mich. Sie erwartet auch das Schlimmste. Dann hat sie Ruhe. Denn sie liebt sowieso keiner. Sie ist ganz erschöpft. Wir sind es auch. Dann bin ich umgezogen. Ich habe sie nicht mit einem Korb Obst besucht.
The sun is up above the clouds.
It is a national holiday,
the saddest day in Taiwan’s year.
I’m sad I have to leave this place.
We had a month, and it was great.
We went around for literature.
I have 100 business cards
and many books and magazines
and work for months and maybe years
and hopes of contracts and so on.
And we have lots of memories
of friendly people, rain and sun,
of Kinmen, Gaoxiong and Tainan,
of readings, talks and interviews,
of temples, tours and wonderment.
It is a national holiday,
the saddest day in Taiwan’s year.
The sun is up above the clouds.
I’m sad I have to leave this place.