Xing Hao AUF DIE NACHRICHT ICH MACH EINE KUNSTAKTION AM KULTUR- UND SPORTPALAST-PLATZ
Die große Tochter reagiert am schnellsten: – Opa, wenn du uns blamieren willst, gib vorher das neue Handy zurück, das ich dir gekauft hab!
Die jüngere Tochter reagiert noch stärker: – Opa, du machst wirklich Probleme, am besten du hörst überhaupt auf zu malen!
Meine Frau hält sich eine Weile zurück, wirft dann boshaft ein: – Lasst ihn doch, lasst ihn verrückt spielen! Wenn er verhaftet wird, geht ihn keiner rausholen!
In den 1970er Jahren stand Andrej Sacharow Jahr für Jahr am 7. November am Puschkin-Platz vor dem Denkmal des Dichters im Schnee. Die Silhouetten von Sacharow und von Puschkin haben sich im Schnee überlagert.
Schnee, Schnee fällt am 7. November vor der Statue, eure Figuren, Puschkin und Du aufeinander im Schnee, endlose Stille. Du hörst auf dich selbst, auf den Schnee.
Du stehst im Frost, in der Weite des Schnees. Sonne friert im Wasser, Wasser friert im Licht. Vom Glitzern des ersten Strahls zum Waschen der ersten eisigen Welle.
Du stehst, von Schnee zu Schnee im tiefen Schnee, aus dem Du nicht heraussteigst. Obwohl Wege im Schnee nach Osten und Westen unter Deinen Füßen nicht enden, obwohl
Puschkins Augen wieder auf Deine treffen, sieht er Dich nicht im strahlenden Schneelicht. Was aus dem Schnee kommt, bleibt im Schnee. Im Schnee begraben, Dein Opfer im Schnee.
Von Wasser bleibt in der Sonne nichts über als brennender Glanz, Glitzern trifft aufeinander auf klaren Flächen bis in die Tiefe. Schnee im Licht unverdeckt, Schnee verdeckt nicht,
so wie die Sonne im Wasser jedes Sandkorn herauswäscht, das Licht, das läuft und stürzt aus dem Schnee nichts verschlingt und nicht untergeht im wogenden Strom bis ins Meer. Schnee strömt aus Schnee, Schnee ohne Ufer.
Reinheit am Ende ist auch Vernichtung am Anfang, reiner Schnee wird leicht zu Schneeresten, Schneescherben. Schneetrauer gewandelt und wiedergeboren in Schnee. Schnee flüstert weiter in endloser Stille.
So wie Wasser Sonne zurückbringt, die nicht verwelkt, so bringt Sonne Wasser zurück, das nicht verfließt. Ich hör Deine reine Schwermut im Schnee, ich hör dich, die Dämmerung im Sommer ist die Weiße Nacht.
Nachdem Mo Yan den Nobelpreis bekommen hat, haben Leute in Lu Yaos Heimatort gesagt, Lu Yao sei gestorben. Gestorben? Wie könnt er die Welt dem kleinen Kerl überlassen, der müsste Fürze essen und kaltes Wasser trinken. Der kleine Kerl hat noch Briefe an Lu Yao geschrieben. Lu Yao ist ein Heiliger! Was ist der kleine Kerl, eine Dattel-Teigfülllung? Lu Yao hat einen Tempel, der ist schon gebaut! Und zwar von der Regierung.
In einer Nacht geschüttelt von Sturm und Regen sind die Lilien im Hof aufgegangen. Feine lange Hälse mit sehr großen Köpfen. Sechs Staubgefäße dicht gedrängt um einen Stempel. Auf einmal aufgesprungen jetzt in der Früh nach dem Regen. Oh! So schön. So laut und klar. So hab ichs gehört vor 30 Jahren bei der Geburt meines Sohnes, dass mein Muttermund aufgeht.
In Xi’an, im alten Chang’an, bei der 29. Buchmesse, in der Qinghai-Halle, unsere Lesung von Alltagssprache-Poesie: leicht zu verstehen, offen und klar mit lauter Humor aber sehr wenig Leute. Liu Bin zeigt mir daneben die Kalligraphie: Bögen mit himmlischem Tibetisch, mit Publikum rundherum, drinnen dreifach gestapelt, draußen dreifach gedrängt dazu dreifach dazwischen gezwängt.
Zhang Laichun EIN BALL IN DEN SCHRITT, DIE LIEBE TRITT AB
Mein Studienkollege Yang, groß und fesch, gut im Fußball, sehr populär bei der Klassensprecherin, die beiden werden recht schnell ein Paar. Aber bei einem Match geht ihm ein Schuss geht direkt in den Schritt. Kollege Yang fällt und bleibt liegen… Die Klassensprecherin bleibt nicht bei ihm. Gefragt warum, seufzt sie nur und sagt kein einziges Wort.
Der Bus kommt zum Lotusgarten. Yi Sha sagt lachend zu Mo Gao, unsere Dichterinnen werden jetzt gleich mit fliegenden Seidentüchern auftreten. Er hat vielleicht vergessen, es ist Sommer. Wir pflücken höchstens zwei Lotusblätter, halten sie uns über den Kopf und machen ein Foto.
1. August 2020 in Mianyang Übersetzt von MW im August 2020
Meine Kusine, ehrbar geworden, verheiratet, mit ihrem eigenen Geschäft das wunderbar geht. Auf WeChat sagt sie uns die ganze Zeit aus ihrer reichen Erfahrung wie wir es besser machen sollten. Aber in ihren Videos sagt sie kein Wort, spricht nur mit Blinzeln und Augenbrauen. Meine Kusine lebt in den Bergen, ungehemmt von Natur aus, nimmt was sie kriegen kann, und lauter Videos. Außerdem zeigt sie uns wie gut sie ihre Kinder erzieht.
Ich hab sie schon jahrelang nicht gesehen und hab auch gar keine Lust dazu.
In solch einer Nacht seh ich den Meister mit abgeschnittenem Ohr, er wirkt eher schäbig, im niedrigen Zimmer geht er auf und ab, Hände auf dem Rücken. So sind die Farben auf uns gekommen, stärker noch als Sonnenblumen.
In diesem Moment stopft er meine Knochen in wirre Striche, die gehen direkt durch meine Wohnung. Ich merk ganz genau wie das Ohr runterfällt.
Wenn ich müde bin leg ich mich gern aufs Sofa und ruh mich aus. Deshalb ist auf dem Sofa immer ein Kopfpolster. Heute nachmittag nimmt Guagua den Polster, schnuppert und sagt: „Riecht nach Papa!“ Meine Frau hört es, zieht sofort den Polster ab, geht den Überzug waschen.
Untersuchte Krankenschwestern haben Gewebevermehrung in ihren Milchdrüsen. Untersuchte Ärztinnen und Ärzte haben am meisten Bandscheibenvorfall. Promovierte und Post-Docs haben hohen Blutdruck, erhöhte Blutfette. Untersuchte Reinigungskräfte haben meistens Blutarmut.
Alle warten. Aber auf dem Handy sehen sie Martin Winter, der seine eigene Stimme nicht hört. Martin Winter wird verrückt in Österreich in seiner Wohnung und alle in China fühlen mit ihm. In einem Moment ist der Empfang schlecht, das Bild bleibt stecken. Martin Winter auf dem Bildschirm ist Lakoon in Marmor, die Pythonschlange hat ihn schon erwischt.
1994 im Frühling war ich Fallschirmspringer aus dem blauen Himmel von Hubei und hab gehört die drei vom Teufelsfelsen die Rockstars Dou Wei, Zhang Chu und He Yong hatten drei Platten herausgebracht, ein neuer Frühling der Rockmusik. Ich hab mich losgemacht vom Fallschirmspringen, bin zur Kreisstadt gerannt zum Plattenladen, da war nur mehr eine Kassette von Zhang Chu: „Einsame Leute müssen sich schämen“. Ich hab auf das Poster an der Wand gedeutet und gesagt bitte das möcht ich auch.
Frei und befreit ist fast unmöglich unter den Menschen. Frei und befreit, der Friedhof dort, das ist eine Stadt, die ist schön ruhig. Frei und befreit, wenn ich das höre, kommt mir oft vor, es kommt von dort.
Meine langjährige Unterrichtskarriere endet damit, dass ich das letzte Mal durchlese, wie mich meine Schüler evaluieren. Abgesehen von Phrasen sagt ein Schüler, er könne mit meinen Werten nicht übereinstimmen.
Ich denk daran wie ich in der Stunde oft sage, feines Essen und glänzendes Geld seien auf der Waage des Lebens nur die leichtesten Gewichte. Die schwersten seien ein unauslöschlicher Ruf aus tiefer Seele der uns suchen mache, uns dazu bringe Blut und Wärme dafür zu geben: Liebe und Wahrheit.
Selbstkritik hab ich auch. Wahrscheinlich weil ich eine Mutter bin, red ich zuviel, genau wie mit meinen eigenen Kindern.
Egal ob ihrs akzeptiert oder nicht, das wird meine letzte Stunde sein, die ich euch halte, jetzt ist sie aus.
Ich bin schon so groß und hab noch nie meine eigene Puppe gehabt Letztes Jahr hat Barbie neue Puppen herausgebracht, drei davon in drei verschiedenen Hautfarben. Eine Puppe mit künstlichen Gliedmaßen, zwei Puppen, die einen Rollstuhl verwenden. Der Rollstuhl für die Puppen im Rollstuhl hat Details die man oft übersieht, Handbremse und eine Schrägauffahrt. Ich bin die gelbbraune Puppe im Rollstuhl.
A book manuscript of 360,000 characters is relased with him, he has served out his sentence. He runs into many friends from before, a wall forms around him. Strangely, the people who envy him are windows with bars. On the street people walk in a hurry, in their looks they carry a prison.
At the water you live off the water Ancestors who kept oysters used oyster shells to build wondrous walls.
I saw an intro, you mix in clay, cane sugar, sticky rice and so on ordinary people could not afford that. The walls that still stand now are ancestral halls of a clan or some official.
Records state, for one ancestral hall you need ten tons of shells. Dazed and surprised I looked to the village across from the halls. A hundred-year-old white-haired lady came tottering out, like an oyster ghost who somehow survived.
Satt und zufrieden und angesäuselt zerstreut sich die Gruppe. Er geht noch einmal zurück, um die Kellnerin vom Extrazimmer nach ihrem WeChat-Namen zu fragen. Aber als er die Tür aufmachen will sieht er durch den Spalt, die Kellnerin mit ihren Kolleginnen sitzen auf „unseren“ Plätzen, laben sich an den Resten. Er zieht ganz leise die Tür zu und verlässt das Restaurant.
Oma ist vor vielen Jahren von uns gegangen. Auf ihren hinterlassenen Dingen liegt dicker Staub. Ich frage Opa, warum er nicht sauber macht. Er sagt: „Das sind auch noch ein Dutzend Jahre von ihr.“
Die Gemüse anbauen, sind Gemüsebauern. Die Obst anbauen, sind Obstbauern. Die Tee anbauen, heißen Teebauern. Die Blumen anbauen, nennt man Blumenbauern. Die Tabak pflanzen und rösten, heißen Tabakbauern. Die Seidenraupen halten, nennt man Seidenbauern. … … Felder bestellen und dabei Gedichte schreiben, das sind Poesiebauern. Was die betrifft, die in kalten Bergen von der Natur leben, das heißt, die sich winden auf der großen Erde, im Frost Käfer suchen und im Sommer Gras für ihre Familien da haben die Leute ein anderen Namen: Strohvolk, das ist auch ein Wort für ich.
Großer Bruder ist schweigsam. Ich fürchte, wenn Großer Bruder mit seiner Freundin zusammen ist hat er vielleicht nichts zu sagen. Aber Mama sagt, zwei Leute, die nichts zu sagen haben zusammen haben vielleicht auf einmal etwas zu sagen.
Freude ist einfach Freude Freiheit ist hoffentlich Freiheit Freude ist tief wie ein Traum Verschwunden war gottseidank nicht tot Glück ist einfach Glück
In der vierten Klasse lernen wir Abakus-Rechnen. Vater geht mit mir zum Laden der Produktionsbrigade und kauft mir den größten und teuersten Abakus. Ich trag ihn heim. Mutter, die Buchhaltung gelernt hat, murmelt: Jetzt haben wir immer weniger Geld und er kann immer weniger rechnen. Wer kauft einem Volksschüler einen so großen Abakus? Vater wirderspricht nicht, sagt nur trocken: „So lernt er nicht kleinlich zu rechnen.“
In meinem Traum haben viele Leute Masken weggeworfen. Manche davon noch original in der Verpackung. Ich geh mit meiner Familie in Reisfeldern Masken auflesen. So wie ich als Jugendlicher Reisähren aufgelesen habe. Wenn ich eine aufhebe, eine Maske, wink ich jedesmal, ruf den anderen zu: Maske! Maske! Maske!
Overcast afternoon hot & clingy no wind a poet comes out of the subway gets on his bicycle bag on his back with waterflask right on time appears in the bookstore in the outskirts sits down with a band of readers around a table a female student from a media college does the mc women and children young men smiles on their faces one after the other reads from a yearbook of colloquial poetry other customers passing will probably think a religious circle
So can he be called a missionary don’t be too optimistic to propagate poetry these years is actually harder than spreading the gospel
In Wien liebt man das Bier wie in Deutschland so sehr wie das Leben und zwar bei jeder Mahlzeit. Zehn Tage in Wien, österreichisches Bier ein bisschen Heineken dazu, ein Dutzend verschiedene Marken; Durst ausgelebt, mehr als genug.
Auf der Rückreise mit China Southerm gibt es auch Bier im Flugzeug, aber nur eine Marke: „Snowbeer – Globe Trekker“ Der Geschmack, eine alte Geschichte, beim Gefühl im Mund fehlt noch sehr viel.
Bai Li kommt aus Österreich zurück und sagt, der österreichische Dichter Martin Winter hat viele Jahre in China gelebt, hat aber doch nicht sehr viel gelernt. Zurück in Wien in der U-Bahn ohne Direktüberwachung kauft er sich eine Karte.
2. März 2020 Übersetzt von Martin Winter im Juli 2020
Your poetry’s tubes have been tied. I can tell, your loose tracts have been plugged with a metal ring. Actually, my poetry has cheated too. Before I went out I swallowed a few pills of Viagra. But however I tried, Poetry Periodical, state-owned flagship, you could never get pregnant. My poetry must be lonely for life.
Als er jung war hat er sich das Phoenix-Fahrrad im Brautpreis nicht leisten können und deshalb seine herzensgeliebte Xiao Fang nicht gekriegt. In mittleren Jahren hat sein Sohn als Mittelschüler mitgemacht beim Fahrraddiebstahl, wurde bei einer Großfahndung verhaftet, zu Gefängnis verurteilt. Als alter Mann lernt er, mit dem Smartphone den Barcode zu lesen, um ein Fahrrad zu leihen. Sieht Räder überall auf der Straße, lacht und lacht und weint.
Ein Regentropfen fällt auf den Scheitel des Daches, fällt auf die Zweige dann zusammen mit anderen in die Erde.
Wasserdampf aus der Arktis und aus dem Pazifik fließt heute nacht in meinen Traum, ins Schnarchen der Eltern, in jeden Traum von reicher Ernte.
Alter Herr im Himmel, Gott, Allah, oder der Drachenkönig schickt rechtzeitig Regen, der wird zu Tränen, vielleicht für über dreihunderttausend Seelen, die heute nacht zum Himmel aufsteigen.
Im Hort bekomm ich zu hören, mein Sohn sei sehr brav. Er sei ein fröhliches, lebhaftes Kind, optimistisch, er teile sehr gern und sei sehr populär. Verglichen mit anderen Kindern von Alleinerziehenden sei er perfekt. Nachher bin ich traurig und traurig. Mein Kleiner versteht manchmal zuviel und wird leicht verletzt.
Der älteste Mensch in unserer Familie liegt jetzt im Krankenhaus. Heute ist sein Geburtstag. Zwei Töchter in ihren Sechzigern haben die Torte organisiert. Er kann sie zwar nicht essen, aber eine Tochter führt ihm etwas zum Mund und eine macht ein Foto mit ihrem Handy. Er hat zwei Söhne, aber der ältere ist vor drei Monaten an einem Herzinfarkt plötzlich gestorben. Der zweite Sohn ist bald 70. Gegen Abend eilt er ans Bett mit Rasiermesser und einer Maschine um seinem Vater die Haare zu schneiden und ihn zu rasieren. Am Ende wischt er mit einem Papiertuch Butter von der Rasierklinge.
Im wichtigsten Abschnitt der Viruskontrolle gab es im ganzen Kreis an jedem Dorfeingang Dorfbewohner als Wachen. Meistens waren es Männer, aber auch einige Frauen. Die trugen dann nicht wie die Männer Hacken für Feuerholz auf dem Rücken, sondern Kinder.
At the county literature federation poetry event, theatre people sang Shaanxi opera, howling their thoats out. The son of poet Xiao Mai right away held his hands over his ears. I let my eyes wander throughout the hall, found many people who also wanted to hold their ears. But they, just like me, were afraid to embarrass the ones on the stage.
Über die Treppe im Freien komm ich in den ersten Stock und sehe eine Frau im mittleren Alter die auf dem mit Bettlaken ausgelegten Boden Decken näht. Neben ihr sitzt die Vermieterin; sie sagt mir ununterbrochen, die Frau hat gestern vierzig Decken genäht und damit hundertzwanzig Yuan verdient. Die Näherin hebt nicht den Kopf, konzentriert sich aufs Nähen, fädelt flink ihren Faden ein. Eine magere Figur, vornübergebeugt ein Monstrum mit vier langen Beinen. Ich frag sie ob ihre Schulter müde wird, sie lässt nur weiter die Nadel fliegen, angewinkelt bis zur Hälfte, eingewickelt in einen Deckenüberzug. Bis ich weggehe hebt das Monstrum die ganze Zeit nicht den Kopf, hockt nur dort, näht näht und näht. Für eine Decke bekommt sie drei Yuan.
Grosse Schwester und ich schauen eng zusammen im Bett auf bilibili ein Holographie-Konzert von Hatsune Miku. Mir kommen beim Reden ein paar Haare in den Mund. Ich zieh meine Lippen zusammen und spuck die Haare aus. Grosse Schwester schaut mich erstaunt an und sagt, Das sind meine Haare!
Im Vergleich zum Mundschutz hab ich die Infrarot-Messpistole zuerst akzeptiert. Schon beim ersten Mal der Pistole gegenüber hab ich gar nichts gespürt. Als wär ichs gewöhnt, als hätt man mir eh die ganze Zeit die Pistole vorgehalten.
Der alte Freund in Chemo, Bett 40 ist aus meinem Heimatort. Er war ein großer Chef, wir haben zusammen Geschäfte gemacht, er war der Mann des Tages. Jetzt hat er eine Glatze, mit stumpfem Blick und kraftloser Stimme erzählt er von Operationen und seiner Behandlung. Ich sitz ihm gegenüber, mir stockt ein bisschen der Atem. Ich trau mich nicht mehr von ihm zu verlangen dass er mir die Zwanzigtausend zurückzahlt.
Dieses Seidenraupental wählt eine Seidenfrau. Die Erwählte egal ob sie Fee oder Göttin genannt wird war immer schon nicht sehr weltlich. Sie ist ein schönes und sanftes Mädchen, bekommt gut zu essen und gut zu trinken, aber sie darf nichts mit Burschen haben, sie darf nicht heiraten. Bis sie den Kriterien nicht mehr entspricht, oder bis sie stirbt. Dann wählt man eine andere.
In the sun holding an ice cream a small child with a mask walks ahead He stares at his ice cream but doesn’t take off his mask I wonder when he will take his first bite He still doesn’t take off his mask He walks on and he’s out of my sight
In her childhood, she says, she never saw herself in a mirror. When she wanted to see her own face she bent over the rim of a vat and looked for a while at her floating reflection. Sometimes the water was full to the brim, she had to take care not to dip in her plaits.
Er sieht an meiner Wohnungstür die Plakette: Häusliche Quarantäne Unter ärztlicher Beobachtung Der alte Elektriker und Installateur zögert nicht im geringsten, nur nach der Reparatur sagt er: „Ich verlange 20 Yuan mehr, diese Tage rennt man weit für Verschleißteile.“ Ich kann ihm nicht genug danken, schenk dem alten Elektriker noch eine Schachtel Zigaretten.
Li Haiquan VICE-PRESIDENT SAID, SPREAD A STALL ON THE GROUND
Apartment holders of Gaodang compound (most from North Shaanxi) go to housing management and demand to grant them a spot by the gate for milking goats. And so at the gate the wondrous sight of a truck appears holding five or six goats with bulging udders. Mornings and evenings apartment people wait in long lines for the goats to arrive. The ones at the end find in their bowls freshly squeezed blood.
Ich gebe zu, die Leute, die bei mir vorkommen sind Huang Vier, Li Drei oder Zhang Sechs, diese Namen hab ich erfunden. Ihre Kindernamen sind in Wirklichkeit Namen für Tiere, Windhund, Schäfchen, Ochse. Vielleicht haben sie auch Namen von körperlichen Gebrechen her, Lahmer, Blinder, Taubstummer. Ihre Vor-und Nachnamen hat man übersehen und sie nach ihren Vätern eingeteilt, Grundbesitzer, Rechtsabweichler, Konterrevolutionär.
Das sind echte Leute aus meinem Heimatort, nach ihrem Tod erst können sie auf ihrem Grabstein ihren eigenen Namen eingeschnitzt haben – zum Beispiel Herr Sowieso.
First round of inspection, no production date on the package, failed. Second round, elastic strap comes off easily, failed. Third round, meltblown fabric not dust-protected for transport, failed. All the way to the last team, before an inspector opens his mouth, a temp paid by number of pieces says, no problem, these masks are going to Africa.
Angefangen bei der Geburt: Der erste: Der Brutkastenschlüssel Der zweite: Der Geschichtenkisteschlüssel Der dritte: Der Weisheitsbeutelschlüssel Der vierte: Der Autoschlüssel Der fünfte: Der Krankenzimmerschlüssel Vielleicht ist das schon ein Menschenleben.
Im Süden der Stadt, zwei weiße Schaumkugeln vom Isoliermaterial, aus dem Dach herausgespült durch den Regen, kleben an der großen Abtrennungs-Glasscheibe des Wächterhäuschens der Wohnhausanlage. An der Ausfahrt der Kellergarage auf den nassen weißen Planen, die hat das Mädchen zurückgelassen, die in der Früh umgezogen ist, da liegen umgekehrt drei Kapokblüten, heruntergeworfen im Regen seit gestern Nacht. Genau wie blutrote Azaleen, ein Kuckuck der Blut spuckt. In der leeren Garage vibrieren und hallen immer noch Schritte des Mädchens verwirrt hin und her.
7. Juni 2020 Übersetzt von MW im Juni 2020
Han Yu, geboren in den 1970er Jahren in Xi’am, Ingenieur bei einer staatlichen Firma in der Provinz Kanton (Guangdong). Liest und schreibt moderne Gedichte seit den 1990er Jahren. WeChat-Name: daritty 《新诗典》小档案:寒雨,70后,陕西西安人,国企工程师,旅居广东。90年代开始喜欢现代诗歌阅读和创作,偶有诗作在网络发表。微信号:darltty
In der Schlafzimmerwand ist ein Loch für die Klimananlage. Letztes Jahr haben Spatzen darin ihr Nest gebaut. Ihre ganze Familie hat immer um fünf Uhr früh oder so mit lautem Gezwitscher unsere ganze Familie aufgeschreckt. In diesem langen Virusfrühling, nur daheim, nirgends hingehen, hab ich jeden Tag gewartet auf die verschiedenen hellen Stimmen die aus den Wänden ertönen. Aber bis jetzt hab ich sie nicht wieder gehört. Ich sag mir zum Trost, die haben sicher ein besseres Haus für sie gefunden.
On the dormitory’s first floor, conditions are worst. Moss on wooden doors, rust on window bars. From outside, passing the windows, I see three special rooms, with their own bathroom, doors and windows aluminum, Simmons mattress. A black student wielding a club to chase a mouse that ran in from the Chinese students next door.
Strahlend kommt mein Cousin in die Kreisstadt für die Formalitäten um Mundschutz zu produzieren. Ich frag ihn besorgt, der Virus ist doch gleich vorbei, wird das noch was? Schwester, du hast keine Ahnung, nur in unserem Dorf in dieser Zeit haben schon viele zig Millionen verdient.
Im Dorf wenn man zurückkommt von einem Grab oder einem Begräbnis muss man vor seinem Hoftor ein Feuer aufschichten, übers Feuer springen und so hineingehen. Alte Leute sagen, so bringt man die Geister nicht zu sich ins Haus. Nach vielen Tagen Quarantäne Komm ich zum ersten Mal von draußen zurück, nehm Schmierpapier vom Kalligraphie-Üben und zünd es beim Haustor an. Meine Frau fragt, was ich mach. Ich sag, der Virusteufel scheut das Feuer. Sie kommt sofort heraus und springt übers Feuer vor und zurück.
In der Nacht hat es geregnet. Auf dem Beton im Hof sind ein paar ganz gerade Regenwürmer. Mama mit Mundschutz rennt hinüber, sobald sie sie mit der Schaufel anhebt rollen sie sich sofort zusammen und kriechen in Panik.
Sie bringt sie zu den Blumenbeeten am Rand, schaufelt gleich ein bisschen Erde um die fünf aufgeschreckten Körper und deckt sie zu. Dabei sagt sie, lebt gut weiter, beschützt meine Kinder.
Im benachbarten Kreis ist schon der erste Corona-Patient aufgetaucht. Und ich hab die Bestätigung der Hausverwaltung vom Vortag verloren, mit der man hinaus und hinein kann. Jeder Haushalt bekommt nur eine! Ich such den Hausmeister, dass er eine ausstellt, er sagt das geht nicht, da muss das Nachbarschaftskomitee untersuchen. Das würde heißen, unsere ganze Familie verliert jede Chance Lebensmittel und so einzukaufen. Ich gehe ganz offen zum Haupttor der Wohnhausanlage, ehrliches Geständnis. Der Wächter nimmt zwei Bestätigungen, die er vom Boden aufgehoben hat, ich soll schauen, welche passt. Ich pack eine davon, sag schnell Dankeschön, obwohl der Name natürlich nicht meiner ist.
Early morning in the horseshoe-shaped forest, finally the flock flies in again. They are in high spirits, talking excitedly. Walking quietly up to the tree, Moses, where is he? They tell me, Moses has waded through the Red Sea, left Egypt already. Tears flow to the tip of my nose.
3/23/20 Translated by MW, June 2020 Hu Bo MOSES
In der Früh im hufeisenförmigen Wald kommt der Schwarm endlich geflogen. Sie reden aufgeregt und diskutieren. Leise geh ich bis vor den Baum. Moses, was ist mit ihm? Sie sagen mir Moses ist schon durchs Rote Meer, hat Ägypten verlassen. Tränen auf meiner Nasenspitze.
23. März 2020 Übersetzt von MW, Juni 2020
Hu Bo, geboren am 19. Juni 1961 in Dalian, aufgewachsen in Tianjin. Lebt in Taida. Volksschüler im Fach Alltagssprache-Poesie seit Mai 1999. 《新诗典》小档案:胡泊, 1961年6月19日生于大连, 天津长大。有诗入选《新诗典》感谢伊沙, 感谢所有帮助我的诗人. 现居泰达, 我是口语诗中小学生从1999年5月开启
Teacher, I am sorry. When I’m in a daze, I don‘t think anything.
If I think of how I am going to do my homework over the winter holidays, that is thinking, not dazed. If I think of how I was in class with my teacher Big Cat, that is remembering and not dazed. If I think of my dad, that means I miss him, that’s not called dazed. If I think there is a rainbow kingdom up in the sky, I am creative, not dazed. If I think of what I am going to be when I grow up, that is dreaming, not dazed.
Only if I don’t think of anything, that is called dazed.
Translated by MW, June 2020
Ouyang Panxi
INTO SPACE
Teacher, I am sorry.
When I stare into space, I don‘t think anything.
When I think of how I am going to do my homework over the winter holidays,
that is thinking, not staring.
When I think of how I was in class with my teacher Big Cat, that is remembering and not staring.
When I think of my dad, that means I miss him, not staring.
If I think there is a rainbow kingdom up in the sky, I am creative,
not staring.
If I think of what I am going to be when I grow up, that is dreaming, not staring.
Only if I don’t think of anything, I just stare into space.
After reading he says I can also write this kind of poetry, then he really writes it. After writing he finds he cannot really just write any kind of poem he likes, but actually he did it already.
Mr. Tang is holding his slingshot, he brought down seven pigeons in one afternoon. Points out one with a ring on its foot: “This is a carrier pigeon, tastes nothing special, just about like normal pigeons.”
5/27/20 Translated by MW, June 2020
Chen Gengqiao FRIEDENSTAUBE
Herr Tang mit seiner Schleuder hat an einem Nachmittag sieben Tauben erwischt. Er zeigt auf eine mit einem Ring an ihren Fuß: „Das ist eine Brieftaube, schmeckt eh nicht besonders, ungefähr so wie sonstige Tauben.“
27. Mai 2020 Übersetzt von MW im Juni 2020
Chen Gengqiao, born 1971 in Mianyang, Sichuan. Farmer, worker, media company manager, technology company founder. 《新诗典》小档案:陈庚樵:四川绵阳人,1971年生。从事多种职业,农民,工人,传媒公司老板,科技公司创业者等。读中学时开始喜欢写诗。有零星诗歌和中篇小说发表,写作纯属自娱自乐。今年疫情间接触口语诗,才知道以前给自己看,小情小我的诗应该放弃了,口语诗能表达更多的社会责任感,更多的人文情怀。Chen Gengqiao, 1971 geboren in Mianyang, Provinz Sichuan. Bauer, Arbeiter, Medienmanager, Gründer einer technischen Firma. Kam erst heuer in der Viruszeit mit Gedichten in Alltagssprache in Berührung.
Walking from one end of the village to the other takes hardly more than 10 minutes. Since I came to live here, I have never walked like that by day. Sometimes at night, half closing my eyes, I am walking past broken houses, one after the other. Ruins, encircled by newly erected factories from every side. Wish I could meet a young student returning from school. Sometimes at sunset, I stand in a daze for a while at the edge of the village.
Leaving Chongqing, something is always missing, backpack’s heavy, packed everything, but I hurried, left behind two pieces, geese guts and beef stomach, still in the firepot, didn’t fish them out, left them behind in steamy Chongqing, and my insides remember.
Mein Opa ist 1976 von uns gegangen, damals war er 66. Meine Oma ist 2011 von uns gegangen, sie war 93. Wenn jemand sagt, meine Oma habe als Witwe 35 Jahre lang das Andenken ihres Mannes gewahrt, dann muss ich ihm unbedingt sagen, und zwar Wort für Wort, damit er es kapiert: Meine liebe Oma hat in all den Tagen ohne meinen Opa ganz allein in harter Arbeit 35 Jahre an Kinder und Enkel gedacht.
Alcohol disinfectant, 75% Thermometer Facemask hangs by the entrance, ready for re-use Steamed bread, failed three times Fresh flowers from Yunnan, bought online from Taobo Cat hairs in the rug, always Unwashed dishes, several days 50 installments of a trite soap opera Uncontrolled feelings Three o’clock in the morning, tears on my pillow Six lamps turned on together News of people who died News of people waiting to die News of people dying in vain More and more in this apartment A kind of gloom I never felt before A heavy heart A heavy heart like in Du Fu (Ballad of Army Wagons) Spring rain outside, unceasing cold „Dark skies, rain wails and wails“ Layer on layer They weigh on my chest.
Der Sohn meiner Kusine kommt aus Wuhan zurück. Sobald ich das erfahre, schärfe ich ihm am Telefon ein: Er soll mindestens ganze sieben Tage zuhause bleiben. Aber am nächsten Tag in der Früh steht er vor der Tür. Er kommt als Motorradchauffeur seiner Mama. Sie bringen ein lebendes Huhn. Außerdem einen kleines rotes Kuvert, Taschengeld zu Neujahr für meine Tochter. Es ist Mondneujahr, meine alte Mama will unbedingt, dass sie bleiben und mit uns essen. Ich bin überhaupt nicht froh, spiel mit der Tochter im Schlafzimmer. Meine Frau kommt herein, sagt ich soll rauskommen. Sie sagt, der Sohn der Kusine schaut eh ganz gut aus. Ich beiß die Zähne zusammen, komm ins Wohnzimmer und begrüße sie. Dann schluck ich meine Sorgen hinunter, setz mich mit meiner Kusine und ihrem Sohn zum Frühstück.
Disinfectant alcohol, distributed against the virus, some people drink it as liquor. Street committee worker stands at the door, shouts inside. Old guy sits on his old broken bed, drags on a cigarette. Drunk as a skunk, waves his hands, No hospital! No one pumps out his stomach! Just keeps muttering, “Fuck little thing, not worth the money!“
My wife taught me not to touch the elevator, but to bring a few seeds when I went out. When I was done I would throw them into the grass by the door. Lockdown days went on longer and longer, I had thrown away seeds over one dozen times. January passed into February, every time I threw an arc I would think maybe in March we will have a patch of sunflowers coming out.
Make America dim Make America diminished Make America diminished capacity Make America diminished credibility Make America diminished trust Make America diminished opportunity Make America diminished equality Make America diminished Make America dim Go on
MW 6/3/20
Picture by Wang @oa___aob
ALL SORTS
all sorts of factors and factories all sorts of tractors all sorts of actors all sorts of dorks all kinds of assorted windshield wipers all sorts of snipers maybe some kind ones kind to their weapons and also to people something in all sorts of people when you listen to water, to wind when you feel the sun in the woods when you find something to share bare for the joy when we walk anywhere in paths and trees in cemeteries, in streets and fields sharing ourselves with the light and the night within and around each other amen
MW Pentecost, May 31st, 2020
RUNNING OUT
I am running out of days everyone runs out in the end but don’t worry it’s not that bad world doesn’t stop for everyone at the same time it’s the end of the month the 31st and I promised to finish a book months ago years ago I guess this is the poem I wrote the night before not last night in my head before I went to sleep and then I forgot it
MW Pentecost, May 31st, 2020
RAIN
It is raining the wind is cold last day of May first day of June Pentecost Mostly end of the virus for Austria and around hopefully wish I could be with you wherever you are hope to see you soon take care
Someone has told me I should use my profession and set up a stall on the ground Maybe I could make over three hundred thousand per month, much more than with regular work at the hospital. I am moved at heart, but tangled up too. Should I give shots at my stall, or should I tell people their fortune or should I interpret their dreams? Stupid! It’s TCM, stupid! I have to offer Traditional Chinese Medicine! If anyone says I am doing it wrong, I call the cops and say he slanders and insults TCM.
This is a day when everyone outside is wearing a mask This is a day of restaurants closed This is a day of everyone rushing back home This is a day of walking and keeping your hands in your pockets This is also a day of an old man by the side of the road without a mask holding up frozen red hands with a sign against abortion
Shen Haobo AMERICA RUSHES INTO THE STREETS (Second version)
America holds down America America oppresses America America pleads with America America ignores America America kills America
America suffocates America cries for America America rushes into the streets America fights against America America burns America
America’s rocket shoots into the sky America’s blacks rush into the streets Remember that time? We are all people People massacre people
People fight and resist people People pursue freedom People thirst for equality The battle is not up in the sky Always has been down in the streets
June 1st, 2020 Translated by Martin Winter, June 2020
Picture by Wang @oa___aob
美国冲上街头 (修改)
美国摁住美国 美国压迫美国 美国哀求美国 美国漠视美国 美国杀死美国
美国窒息而死 美国哭喊美国 美国冲上街头 美国反抗美国 美国焚烧美国
美国火箭上天 美国黑人上街 记住这个时刻 我们都是人类 人类屠杀人类
人类反抗人类 人类追求自由 人类渴望平等 战场不在天上 从来都在街头
2020.6.1
Shen Haobo AMERICA RUSHES INTO THE STREETS
America holds down America America oppresses America America pleads with America America despises America America kills America
America can’t breathe and dies America cries for America America rushes into the streets America protests America America burns America
America’s rockets shoot into the sky America’s blacks take to the streets Remember that time We are all humans Humans govern humans Humans slaughter humans Humans resist humans
Humans have dreams Dreams soar up to the universe Humans crave dignity The greatest dignity Called freedom & equality The battle is not up in the sky Always has been down in the streets
June 1st 2020 Translated by Martin Winter, 6/2/2020
Standing at the intersection, all four roads empty without any person. Bus 846 comes along, but there is only the driver and one single passenger. Wah, that one has booked the whole bus.
Now there comes another one, it’s a #3. It has only the driver. Ai-uh, this time there is no-one at all who could do the booking.
Little Chur getting carsick confounds me. I thought only people could have that. Papa says, maybe the earth also is a carsick dog, this year she went out, forgot taking her pills, now there‘s an earthquake, there’s a volcano and there is COVID-19.
I am against holding a meeting, but here I am shooting my mouth off. I am against not wearing a mask and don’t hold that back. These years I always hold it till there’s a classic, one statement ruining my future.
I live how I like it, so what! Just like I write how I love to, exactly like that, even though these poems won’t ever take any prize for their form.
Yang Yujun MY WORRY HAS NOT STOPPED BY AS SCHEDULED
You didn’t come, so my sin was not established.
One time you were laid up, brain haemorrhage, hospital. Another time it was volcano ash, planes cancelled. Then it was bugs on the vines, red wine tasting event got postponed.
You said fermented fruits are no longer forbidden. I think there is more flavour in waiting than is tasting.
Time flies like light passing through blinds to the second shelf on the first book rack by the window, an old alarm clock between a few books of poetry, lingering on the second hand, as big as “Driftwood” by Luo Fu, but I still browse like an impatient youth to verify yellowing memories the umpteenth time.
The virus is rampant, we are stuck at home. Mother says, how much time has it been since we two have been together for such a long time? I try to think back, before I was 15 and went away to teaching school.
An official from the civil aviation board said, because of the virus, they reimbursed tickets for over 20 billion yuan.
All these banknotes should fly in the sky, now they are down in the dust, they change into rice, pasta and oil, change into water fee, electricity fee, gas fee, change into masks, toilet paper, 84-disinfectant
Some even change into hospital admittance fee, medicine expense, funeral costs. From now on they’ll never fly anymore.
Jemand postet für eine Ausstellung internationaler Gedichte im Viruskampf die Liste der eingeladenen AutorInnen. Der erste Kommentar unten ist die Frage: „Da ist Jian Ming dabei, der ist doch schon voriges Jahr gestorben?“ Noch ein Kommentar: „Wu An ist bald fünf Jahre tot, hast du ihn gefragt ob er mitmacht?“ Ich les weiter und sage nichts. Vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung hat eine Sprecherin der staatlichen Künstlervereinigung verkündet: „Der große Dicher Ai Qing [Vater von Ai Weiwei, 1910-1996] wird auch bei uns live davei sein!“ Als ich das gehört hab hab ich kalten Schweiß gespürt. Jetzt passiert mir das nicht mehr. Wenn du mir heute sagst, Konfuzius plant ein Buch der Lieder gegen Corona bin ich überhaupt nicht überrascht.
One month ago, a little more, less than two the world went quiet. It had become quiet in China before accompanied by all sorts of noise. But when it arrived it was precious. There is strife here too, who caused it to spread, who didn’t close ski entertainment. But on the whole Austria or any place actually became like never before, except in or after the war, and that was very different, not that I was around. But no Nazis, for one. Yeah, maybe right after the war, they were also in hiding. Anyway, in times of peace, only one headline: Look Out For Youse, something like that, look out for yourself and each other, but in one word. Schaut auf Euch. And we were lucky. Take care!
They are valiant fighters against the virus, cheering for Wuhan, writing poetry for the Yellow Crane Tower, painting Professor Middle South Mountain, the national expert. They are so well-versed in Peking Opera, trailing long sleeves across their eyes, which means they are crying.
The woman inside pushes with all her might but cannot open the door to her man outside, whose eyebrows are white. He pulls up his legs from the snow and tries to walk on. Looking back he sees on the roof how his wife climbs out of the smokestack. The whole Northeast has added three feet.
Attachment is hard, you want to break free and you can’t. Laughter, then crying, crying, then laughs. Is laughing better? Not as high as the mountain or small as the moon. You are still attached, you want to forget and you can’t. Would be good if you could, good and gone. Gone but not gone? Be good, leave it unfinished? Attachment is ever unfinished. Because you want too much, and receive not enough, you have trouble. Black hair can be cut, trouble cannot. Attachment is understood but not gone, because you don`t want it or cause you don’t dare? You can`t give it up, or don`t get what you want? You have one hundred thousand great peaks, I only want a temple so small you don’t know it is there. You have the ends of the world, I only want ten steps of green grass.
Translated by MW, May 2020
Hong Zhu, orig. name Wang Jun, born in May 1967 in Nanjing, died 3/18/20 in Nanjing. Chief editor of China Federation Literature press. Famous high school poet, many awards.《新诗典》小档案:洪烛(1967年~2020年3月18日),原名王军,生于南京,1979年进入南京梅园中学,1985年保送武汉大学,1989年分配到北京,全国文学少年明星诗人,原中国文联出版社文学编辑室主任。洪烛曾出版有诗集《南方音乐》《你是一张旧照片》《我的西域》《仓央嘉措心史》《仓央嘉措情史》等[2]。洪烛是上世纪八十年代的全国文学少年明星,当时还在读中学的他就在《语文报》、《星星》、《鸭绿江》、《诗刊》、《儿童文学》、《少年文艺》等一系列报刊发表大量诗歌散文,十几次获得《文学报》等全国性征文奖,在全国中学校园赢得一定的知名度。洪烛因病于2020年3月18日在南京去世。
That night father grabbed for the night pot under the bed, fell down head first, never got up again.
My brother and I slept next to him less than half a metre away on makeshift beds, snored through till morning.
5/1/20 Translated by MW, May 2020
Zhang Yibing, pen name Yi Bing, born in the 1970s, comes from Xiangyuan in Shanxi. Has published poetry in many journals and through various online portals. 《新诗典》小档案:姓名:张一兵,笔名:一兵。山西襄垣人。70后,诗歌作品散见于《中国口语诗年鉴》(2019年卷)、《山东诗歌》、《佛城诗歌》、《角落》等报刊杂志。近年来开始口语诗写作。有部分诗被《中国诗人微刊》、《大河诗刊》、《诗快报》 等网络平台选用。
NICHT ÜBERRASCHT – 江湖海 Jianghu Hai
5月 24, 2020Jiang Huhai
NICHT ÜBERRASCHT
Jemand postet für eine Ausstellung internationaler Gedichte
im Viruskampf die Liste der eingeladenen AutorInnen.
Der erste Kommentar unten ist die Frage:
„Da ist Jian Ming dabei,
der ist doch schon voriges Jahr gestorben?“
Noch ein Kommentar:
„Wu An ist bald fünf Jahre tot,
hast du ihn gefragt ob er mitmacht?“
Ich les weiter und sage nichts.
Vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung
hat eine Sprecherin der staatlichen Künstlervereinigung
verkündet: „Der große Dicher Ai Qing [Vater von Ai Weiwei, 1910-1996]
wird auch bei uns live davei sein!“
Als ich das gehört hab
hab ich kalten Schweiß gespürt.
Jetzt passiert mir das nicht mehr.
Wenn du mir heute sagst,
Konfuzius plant ein Buch der Lieder
gegen Corona bin ich überhaupt nicht überrascht.
März 2020
Übersetzt von MW im Mai 2020
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标签:anthology, art, artists, classics, comments, disease, exhibition, history, internet, Jianghu Hai, list, memory, NPC, people, poetry, 新世纪詩典, 江湖海
发表在 1910s, 1920s, 1930s, 1940s, 1950s, 1960s, 1970s, 1980s, 1990s, 1996, 2000s, 2010s, 2019, 2020, 20th century, 21st century, April 2020, February 2020, January 2020, March 2020, May 2020, Middle Ages, NPC, poetry, Translations, Uncategorized, 新世纪诗典, 江湖海 | Leave a Comment »