Der alte Vater, vor Jahren gestorben,
hat gewusst, dass seine dritte Tochter geisteskrank war.
Die große Schwester in hohem Alter,
die zweite Schwester, die nicht mehr lebt
und die seit langem verwitwete vierte
wussten und wissen nicht, was die dritte hat.
Der vom anderen Ufer aus Shanxi adoptierte Bruder
und sein siebzigjähriger jüngerer Bruder,
die wissen es auch beide nicht.
Ihr über 80jähriger Mann,
sie sind mehr als 60 Jahre verheiratet,
der weiß nicht, dass sie krank ist.
Ihr großer Sohn ist 60 Jahre gequält, er weiß es,
auch seine Frau, die oft Unfälle verursacht.
Ihr zweiter Sohn und seine Frau haben keine Ahnung,
die beiden Enkel wissen nicht, was mit Oma los ist.
Alle sonstigen Verwandten,
Nachbarn oben, unten, links, rechts
wissen nicht, was sie hat,
finden sie nur komisch.
Sie selbst weiß es manchmal
und manchmal nicht.
Die es wissen,
stehen ihr am nächsten
und sind innerlich am meisten verzweifelt.
Pang Qiongzhen IN DER LINKEN DAS MESSER, IN DER RECHTEN DIE STÄBCHEN
Beim gemeinsamen Kochen zum Frühlingsfest
fällt mir auf, die Schwägerin vom großen Bruder
schneidet Gemüse mit der linken Hand.
Aber sie hat doch immer die Stäbchen
von rechts gehalten beim Essen!
Die Schwägerin erklärt:
Als sie klein war und essen gelernt hat,
haben die Großen sie geschlagen, damit sie es richtig macht.
Als sie alt genug war für das Messer,
haben die Großen sich nicht mehr gekümmert.
Als ich als Reporter
das erste Mal hinunterstieg,
verstand ich nach vielen Jahren,
dass mein Vater, der Bergarbeiter,
überall hinspuckte und dauernd rauchte,
um den Kohlenstaub aus seiner Lunge
herauszukriegen wie es nur ging.
Eine Kuh
grast in den Bergen.
Auf einmal
ein Wolkenbruch.
Ich kriech sofort
unter die Kuh,
such Unterschlupf.
Sobald der Regen weniger wird,
bemerk ich armer
hungriger Hirtenbub,
mein noch nicht ganz
durchnässter Schädel
stößt direkt an den Euter.
Jetzt möcht ich von Herzen
sehr gern bisschen Milch.
BRETT VOLLER NÄGEL 布满钉子的木板 NPC-Anthologie 新世纪诗典 Band 1: A–J
NPC stands for New Poetry Canon, or New Century Poetry Canon 新世纪诗典, presented by Yi Sha 伊沙 in Chinese social media each day since spring 2011. NPC outside of poetry is National People’s Congress, China’s parliament that convenes in the Great Hall of the People in Beijing for two weeks each March. Yi Sha’s NPC poem of the day on Sina Weibo 新浪微博, Tencent WeChat 微信 and other platforms gets clicked, forwarded, commented 10,000 times or more, each day. Each year a book comes out, about every week there are events in Xi’an, Beijing and many, many places all over China and beyond. All produced independently from among the people 民间, not by any state organizations. This book contains poems by 81 poets listed below. This is the first volume (A-J) in a series of four books. Compiled and edited by Juliane Adler and Martin Winter, translated by Martin Winter.
NPC steht für New Poetry Canon, eigentlich New Century Poetry Canon, 新世纪诗典. Abgekürzt als NPC. NPC steht sonst für National People’s Congress, also der Nationale Volkskongress, Chinas Parlament, das allerdings nur einmal im Jahr im März zwei Wochen lang zusammentritt. Seit 2011 wird von Yi Sha 伊沙 im NPC-新世纪诗典 jeden Tag ein Gedicht vorgestellt, in mehreren chinesischen sozialen Medien zugleich. Oft wird ein einziges Gedicht schon in den ersten zwei Tagen zehntausende Male angeklickt, kommentiert und weitergeleitet. Ein nationaler Poesiekongress und eine umfangreiche Studie der heutigen Gesellschaft. Band 1 präsentiert 81 Autorinnen und Autoren. Wird fortgesetzt.
Cover/Umschlag etc: Neue Arche von Kuang Biao 邝飚 und 3 Grafiken von: An Qi 安琪
Autorinnen und Autoren:
A Ti 阿嚏, A Wen 阿文, A Wu 阿吾, A Yu 阿煜, AAA (3A) 三个A, Ai Hao 艾蒿, Ai Mi 艾米, An Qi 安琪, Ao Yuntao 敖运涛, Bai Diu 摆丢, Bai Li 白立, Bei Dao 北岛, Bei Lang 北浪, Benben S. K. 笨笨. S. K, Cai Xiyin 蔡喜印, Caiwong Namjack 才旺南杰, Caomu Xin 草木心, Cha Wenjin 查文瑾, Chang Yuchun 常遇春, Chao Hui 朝晖, Che Qianzi 车前子, Chen Moshi 陈默实, Chen Yanqiang 陈衍强, Chen Yulun 陈玉伦, Chen Yunfeng 陈云峰, Cheng Bei 成倍, Cheng Tao 程涛, Chun Sue 春树, Cong Rong 从容, Da Duo 大朵, Da You 大友, Dai Guanglei 代光磊, Dechen Pakme 德乾恒美, Denis Mair 梅丹理, Di Guanglong 第广龙, Dong Yue 东岳, Du Qin 独禽, Du Sishang 杜思尚, Du Zhongmin 杜中民, Duo Er 朵儿, Eryue Lan 二月蓝, Ezher 艾孜哈尔, Fa Xing 发星, Fei Qin 秦菲, Feng Xuan 冯谖, Gang Jumu 冈居木, Gao Ge 高歌, Geng Zhankun 耿占坤, Gong Zhijian 龚志坚, Gongzi Qin 公子琹, Gu Juxiu 谷驹休, Guangtou 光头, Gui Shi 鬼石, Hai An 海岸, Hai Jing 海菁, Hai Qing 海青, Han Dong 韩东, Han Jingyuan 韩敬源, Han Yongheng 韩永恒, Hong Junzhi 洪君植, Hou Ma 侯马,Houhou Jing 后后井, Hu Bo 胡泊, Hu Zanhui 胡赞辉, Huang Hai 黄海, Huang Kaibing 黄开兵, Huang Lihai 黃禮孩, Huang Xiang 黄翔, Hung Hung 鴻鴻, Huzi 虎子, Ji Yanfeng 纪彦峰, Jian Tianping 簡天平, Jiang Caiyun 蒋彩云, Jiang Erman 姜二嫚, Jiang Rui 江睿, Jiang Tao 蔣濤, Jiang Xinhe 姜馨贺, Jiang Xuefeng 蔣雪峰, Jianghu Hai 江湖海, Jin Shan 金山, Jun Er 君儿
BRETT VOLLER NÄGEL 布满钉子的木板 NPC-Anthologie 新世纪诗典 Band 1: A–J
Die chinesischen Gedichte sind hauptsächlich erschienen in:
NPC 新世纪诗典 1-6,伊沙 编选 著,磨铁图书 (Xiron), Zhejiang People‘s Publishing 浙江人民出版社, Bände 1-6, herausgegeben von Yi Sha. Hangzhou 2012-2018
NPC 新世纪诗典 7,伊沙 编选 著,磨铁图书 (Xiron), China Youth Publishing 中国青年出版社, Band 7, herausgegeben von Yi Sha. Beijing 2018
NPC 新世纪诗典 8,伊沙 编选 著,磨铁图书 (Xiron), China Friendship Publishing 中国友谊出版公司, Band 8, herausgegeben von Yi Sha. Beijing 2020
Die restlichen Texte stammen aus Internetquellen (Soziale Medien: Sina Weibo, Tencent Weixin etc.) mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen und Autoren. Die Texte aus 2019 und 2020-2021 werden in den Büchern NPC 9 und 10 erscheinen.
BRETT VOLLER NÄGEL 布满钉子的木板 NPC-Anthologie 新世纪诗典 Band 1: A–J
[In einem Kreis aus weißen Blüten in grauer Asche auf der Straße steht eine kleine Metalltonne. Darin werden Zettel verbrannt. Eine Menschenmenge sitzt auf der Straße und skandiert.]
Nieder mit der Militärdiktatur!
Protest! Protest!
Streik! Streik!
Revolution!
Die Revolution wird siegen!
Gerechtigkeit und Freiheit müssen gewinnen,
in unserem Land, in unserer Nation.
Wir sehen, wie sie unsere Nationalhymne auf die Guillotine zerren.
Ihre Ansage, die Zeit der Sandalen sei zu Ende,
kommt in die Öffentlichkeit
wie ein gebrauchtes Kondom aus einem Bordell.
Wütend wie das Feuer der Hölle,
schreit der Oger Alawaka Drohungen
und zeigt seine schrecklichen Krallen!
Aber er wird auf seiner Brust liegen,
zu Füßen von Dharma und Sila.
Das ist der Weg der Wahrheit.
Weil sie ihre Würde als Menschen
nicht gegen eine Mundvoll Reis eintauschen,
haben sie Widerstand geleistet, haben ausgehalten,
sind zusammengefallen und umgefallen.
Die Revolution wird nicht im Fernsehen übertragen!
Die neue Nationalhymne kommt als Death-Metal-Version heraus. Kondomfirmen nehmen keine Kundenanrufe mehr entgegen.
Möge ich verlieren, möge die Wahrheit siegen!
Möge ich verlieren, möge die Wahrheit siegen!
Möge ich verlieren, möge die Wahrheit siegen!
Wenn die Bastarde verlieren und um Gnade flehen,
indem sie unsere Eier umfassen,
werden wir ihnen ins Gesicht pissen.
Wir schlagen nicht auf Töpfe und Pfannen,
weil es lustig ist.
Wir haben keine Waffen.
Wir haben höchstens Töpfe und Pfannen.
Wir haben keine Macht.
Wir haben nur Töpfe und Pfannen.
Haut auf die Töpfe! Schlagt die Pfannen!
Haut drauf! Haut drauf! Das ist unsere Revolution!
Haut drauf! Haut drauf! Das ist der Weg zu unserem Ziel!
Haut drauf! Haut drauf!
Haut drauf! Haut drauf!
Eines Tages werde ich Sternen-Bumen streuen, auf das Grab meiner kleinen Schwester.
Diesen Sommer können wir die Hunde nicht wieder tollwütig werden lassen.
Diesen Sommer wird jede Blume knospen und wundervoll aufgehen.
Diesen Sommer werden die Fahnen des Volkes im Wind flattern und triumphieren.
In meiner Jugend gab es nur einen Min Ko Naing.
Jetzt ist jeder junge Mensch Min Ko Naing.
Schützt alle Min Ko Naings!
Schart euch um alle Min Ko Naings!
Jedesmal, wenn ein schlechter Samen auf einer Bühne aufgeht,
versinkt die ganze Welt im Chaos.
Sie wird krank, ihr Körper brennt vor Hass.
Ich bin krank und nehme eine zehn Jahre alte bittere Medizin.
Aber ich bleibe krank. Im Leben in dieser Welt werden wir alle krank.
Wir können uns nur selbst kurieren, haben keine Zeit, angefressen zu sein. Wenn wir am Esstisch Platz nehmen, schwärmen die Heuschrecken wieder herein.
Wie kannst du arbeiten gehen, wenn alle protestieren?
Wie kannst du das mit deinem Gewissen vereinbaren?
Wirst du ok sein, wenn sie auf deine Familie spucken?
Kannst du glücklich sein, wenn deine Kinder die Stiefel von Min Aung Hlaing lecken, während seine eigenen Kinder stinken vor Geld?
Kannst du sagen, “gut gemacht”, wenn deine Enkel kaum überleben, während Min Aung Hlaings Enkelin im Ausland studiert?
Kannst du in Frieden zur Arbeit gehen, wenn dich die Unterdrücker mit ihren Gewehren wie eine Kuh behandeln?
Kannst du froh ins Büro gehen?
Kannst du froh ins Büro gehen?
Jeden Morgen, wenn Papa und Mama zur Arbeit gehen,
schämen wir uns, meine Schwester und ich.
Wir möchten nicht für unsere Zukunft fürchten.
Papa, bleib daheim. Mama, geh nicht ins Büro.
Bleibt zuhause für unser Land und für uns.
Lasst uns euch danken, dass ihr uns aufgezogen habt, indem wir uns den Protesten anschließen.
Lasst uns den Garten unserer Zukunft bestellen.
Zu viele Blätter sind zu früh abgefallen!
Wir werden eure Barbarei im Namen der Wahrheit zerstreuen!
Die Blumen des Winters werden auf euch losgehen,
die Wasser des Monsuns werden euch ertränken.
Für eine gerechte Sache opfern wir unser Blut!
Wir lassen niemanden unseren Frühling wegnehmen, nicht einen Fingerbreit.
Ich war eingeladen zum UNESCO-Poesiefestival,
sollte online rezitieren, zur Feier des Welttags der Poesie.
Ich habe abgesagt.
Ich habe geschrieben,
Russland ist doch euer größer Sponsor, nicht wahr?
Meine Antwort auf eure Anfrage
entspricht den Gefühlen der Menschen in Myanmar.
Also scheint es so zu sein,
dass ich an der Revolution des Frühlings teilnehme,
nicht indem ich Gedichte lese,
sondern indem ich ablehne, zu lesen.
Seltsame Sache!
Mögen allen Arbeitsscheuen
ihre Verdienste vermehrt werden,
mögen ihre Gebete in Erfüllung gehen!
Mögen alle, die streiken,
reinen Herzens sein und von allen geliebt werden.
Mögen alle, die daheim bleiben,
von Geistern und Menschen gesegnet werden,
mögen alle, die diesen Boykott mittragen,
die Kraft finden, weiterzumachen!
Der Klang des Marsches unserer Herzen fließt bis in unsere Fingerspitzen!
Der Golf-Taifun ist weder hineingekommen noch weggegangen.
Ihr sollt wissen, wir sind Geister.
Wir sind schon gestorben.
Wenn wir heute wieder sterben,
werden wir euch für immer heimsuchen.
Wir sind Geister, wir sind schon tot!
Heute suche ich den ganzen Tag im Fernseher
und bekomme keine Sender herein.
Wegen der Störgeräusche
klopfen die Nachbarn an meine Tür.
Bratet das Schwein in seinem eigenen Fett!
Bratet die Tür darin!
Der Schweinekerl, den du gesehen hast,
versteckt sich vor der Guillotine!
Du magst davon gehört haben oder nicht,
aber das ist keine akzeptable Entschuldigung.
Weil wir nicht zurück können in die Vergangenheit,
haben die Kinder, die wir nicht bekommen haben,
Waffen ergriffen zu einer Zeit, in der wir nicht leben.
Sie sind gegen Befehle von oben aufgestanden.
Sie haben ihren Sklavengeist
in einen Salzsack gesteckt
und im Fluss ausgelassen.
Gedankenfetzen von Millionen
vereinen sich in einem zitternden
und doch festen Faden.
Ich bin Ma Seint Htet, der vom Berg herunterfällt.
Ich bin U Ko Ni, der am Flughafen steht,
der vergebliche Besuch von Ibrahim Gambari.
Ein EPC-Elektriker hängt tot von einem Strommast.
Und ein Wanderarbeiter …
Die Räder der Hirne in den Bäumen
drehen sich zusammen
in den Ohren in den Schwertern
in den Wänden.
Die Knöchel eines alten Gewandes
werden terrorisiert
und jeden Tag heimgesucht,
übertrieben, als Strategie.
Die Erde auf meinem Gesicht
ist ein Haufen zerbrochener Knochen.
Fünfzig Jahre in einer Kassette aufbewahrt,
ohne Tonband.
Ein trauriges Lied,
das wir sofort nicht mehr singen dürfen.
Niemand wird uns wieder auseinanderbringen!
Wir sind ein einziger Blutkreislauf geworden!
Mach deine Maske zu deiner Fahne,
mach deinen Facebook-Eintrag
zu deinem Ultimatum!
Wo immer du bist,
dort mach deinen Protest!
Heute halten die Mütter ihre Kinder nicht zurück,
wenn sie hinausgehen und Gerechtigkeit verlangen.
Sie reißen ein Stück von ihrem Longyi ab
und binden es um den Arm jedes Kindes,
damit es geschützt sei vor Kugeln und Patronen
Auf den Straßen der Revolution.
Bewegen sich Heldinnen und Helden
in einem roten Schwall.
Wolken türmen sich auf
und darunter zerfällt der Morgen
in eine Revolution.
Das Heulen eines riesigen Tintenfisches,
der durch die Straße bricht,
hallt noch im Himmel über der Stadt.
Auch wenn ihr unsere Handgelenke durchschneidet,
wie ihr nur wollt,
unsere Fäuste werden nicht aufgeben.
(12 Männer zusammen skandieren) :
Der dämonische Enkel, frisch vom Mönchstum, zischt:
Ein Riss im herausgebackenen Teig, ein Sohn, der das Land zerstört!
Der dämonische Enkel, frisch vom Mönchstum, zischt:
Ein Riss im herausgebackenen Teig, ein Sohn, der das Land zerstört!
Zum Gedenken an den Dichter K Za Win, der gegen den Militärputsch protestierte und am 3. März in Monywa in einer friedlichen Demonstration von Soldaten getötet wurde. Möge er in Frieden ruhen. Dichterinnen und Dichter werden überall in Myanmar verhaftet.
Es folgen die Namen von 32 Dichtern und Dichterinnen in der Reihenfolge ihres Auftretens in dem Video.
My colleague is five years older,
when she discovered white hairs on her head
she was astonished, called it scary.
I told her I had that since I was small,
and boys in school were talking about it.
I heard yellow chrysanthemums could be a cure,
grew them in a pot,
carried them outside into the sun
and returned them at night so they wouldn’t freeze.
In fall
I cut the full-grown chrysanthemums,
spread them around on my pillow,
then a towel over them.
I slept on them every night,
with no result.
I grew up with white hair
all the way until now.
I think when I’m old
my white hair
will be just as white as when I was a kid.
Ich komm in die Volksschule,
das Erste, was ich weiß,
ist das Recht, urinieren zu dürfen,
liegt nicht an dir selbst,
sondern an den Lehrkräften.
Wenn du aufs Klo willst,
hebst du die Hand,
die Lehrkraft erlaubt es,
dann kannst du erst die Klasse verlassen.
Viele Kinder
heben zuerst die Hand,
werden noch nicht genehmigt,
haben sich gleich still
in die Hose gemacht.
Ich hab jetzt erst erfahren,
die Chunghua-Zigaretten,
die nennen sie Hua-Zi.
Das klingt sehr vertraut,
wie einen Spielkameraden rufen,
als Kind.
Jedesmal, wenn du Sorgen hast,
rufst du deinen Freund heraus,
dass er bei dir ist.
der frauentag
und mein geburtstag
ist derselbe feiertag
so viele jahre
frag ich mich schon
was ist dahinter
gibt es einen
geheimen zusammenhang
erst am 50. geburtstag
kapier ich es ist nichts
besonders hohes und tiefes
vor vielen jahren
am 8. märz
weltweiter feiertag
für alle frauen
vor dem freudigen hintergrund
hat meine mama nicht ausgehen können
sondern schmerzen gehabt
und mich geboren
sowas vergisst man nicht
die törichten leute
stürmen ins leichenschauhaus
schnappen sich ein paar tote
fühlen ihnen den puls
schreiben ein rezept für ihre rettung
sind dann sehr zufrieden:
“und wenn ich kein gedicht schreiben kann,
hab ich die poesie nicht gerettet?”
egal wie du heißen magst
ich nenn dich: Chang’an
der name kommt aus der poesie
aus den besten gedichten unter den menschen
da haben sie dir diesen namen gegeben
ich denk mir: im himmel
unter den göttern
ist es auch die stadt
die am meisten erwähnt wird
Ein Ehemann einer Dichterin
kommt mit einem Messer
aus einem fremden Ort angerannt
und schwört, mich zu töten.
Sein Grund ist,
ich hab Gedichte seiner Frau präsentiert,
das hat sie in ihrem Ort exponiert,
jetzt gibt es zwei Männer,
die rennen ihr öffentlich nach.
wenn martin winter
in meine neue poesie aus china
reinkommt ist das wie wenn der japaner,
wie man den ausspricht, in die anthologie
aus der tang-dynastie
reingekommen wäre.
es ist der horizont
des landes der zeit
und die atmosphäre.
heutige dichter sind recht gemein
erste zweite dritte vierte klasse egal
haben sie einen namen
ist das erste was ansteht
sein idol zu meucheln
auf den lehrer schießen
und ihn ausradieren
um deutlich zu machen
man hat keine eltern
und keine geschwister
man springt wie ein affe raus aus dem stein
dummer affe!
in deiner geschichte
fehlt ein gutes kapitel
modernist learning,
post-modernist brains,
resulted in modernist poetry,
when it first came out live,
to refuse the masses;
which led to random attention
and then to misreading.
Ich kick den Ball hoch
zur Demonstration
bis zum sechsten Etage.
Sagt der Schüler Ding:
“Der Papa von meiner Mama
schießt ihn zum achten Stock!”
“Der Papa von deinem Papa
schießt ihn dann
bis aufs Dach!”
wenn du wirklich gut schreibst
tausend leute spucken dich an
es oxidiert und wird leuchtendes gold
Übersetzt von MW im März 2021
诗人的尊严‖伊沙
如果你写的是真正的好诗
千夫唾液吐上去之后
会氧化成灿烂的黄金
Yi Sha WIE IM NÄCHSTEN LEBEN
freunde sehen
miteinander reden vom letzten treffen
vor der virus-krise
man diskutiert
eine andere ära
März 2021
Übersetzt von MW im März 2021
《恍若隔世》
朋友见面
谈起疫年前的
上次见面
仿佛是在谈论
另一个时代
Yi Sha GARBE
die existenz von argentinien
kommt vom gefühl her von messi-verehrung
mehr als die hälfte
das hindert die leute dort nicht daran
auf ihn zu schimpfen alle 40 millionen
März 2021
Übersetzt von MW im März 2021
《点射》
阿根廷的存在感
一多半拜梅西所赐
这不影响阿根廷人民
日骂梅西四千万
Yi Sha DREI ERFAHRUNGEN EINES UNFALLS
Ein Strauß von Scheinwerfern,
grelles Licht.
Ein Mann in der Weste Nr. 13
Es ist Mitternacht,
die Straße wie ein leerer Darm.
Als Zeuge
hab ich eine Vorahnung
als es noch nicht passiert ist.
Als es passiert,
bin ich der junge Mann,
in Panik geraten,
weiß noch überhaupt nicht
wie es ausgehen wird.
Aber ich bin auch
der Fahrer im Pech
den Polizisten wegführen
nachdem es vorbei ist.
1990
Übersetzt von MW im März 2021
Yi Sha TRAUM 1754
Ein früherer Freund sagt mir:
“Allein von deinem frühen Gedicht her,
DREI ERFAHRUNGEN EINES UNFALLS,
kann man sehen, das Niveau der modernen Poesie in China
war schon sehr hoch …”
“Und zwar so, dass die Springflöhe, die auf mich schimpfen,
auch nicht hinaufkommen!”
Er lacht laut heraus.
Mendesantilope, lebt in Wüstengebieten, es gibt noch ungefähr tausend.
Schneeleopard, lebt in Nepal und Umgebung, es gibt ein paar tausend.
Blauwal, lebt in vier Ozeanen, nur noch 3000-4000
Schwarzes Nashorn, lebt in Malawi, nur noch 3610
Anden-Puma, lebt in den Anden, vielleicht 2500
Rotwolf, lebt in North Carolina, höchstens 220
Philippinischer Wasserbüffel, lebt in Mindanao, zwischen 30 und 200
Qi Haijing, lebt in Zhuhai in China, es gibt nur eine.
In August 2008,
to celebrate the Beijing Olympics‘ opening,
a bunch of us mountain bike fans rode to Penglai Island
for camping.
There was an old guy in a flower shirt,
bald,
thick lips,
sitting beside a low wall.
He told me his story,
how his former wife mistreated him,
beat him,
cursed him
and I felt sympathy.
Ein Freund lädt mich ein
zum Hundefleisch bei ihm daheim.
Sein Hund
stupst die ganze Zeit hin und her
an unseren Beinen.
Ich werf ihm einen Knochen
auf den Boden.
Er springt und springt,
stürzt sofort hin,
schnuppert;
lässt den Kopf hängen,
verzieht sich in eine Ecke.
Nachher liegt dieser alte Hund
die ganze Zeit
dort im Schatten im Eck
und schaut uns still zu
wie wir bechern.
Der Blick,
der lässt mich
heute noch schaudern.
bisschen nach sechs, noch dunkel, im traum
vom telefon aufgeschreckt. große schwester sagt, zu neujahr
kommen geschenke. meine alte mutter, mitten in der nacht,
steht auf, zieht sich ordentlich an, steckt geld in die taschen,
am arm ihrer zugehfrau die stiegen hinunter, im morgengrauen
schon auf dem weg. das ziel ist beijing,
den sohn besuchen. sie sagt, die großen straßen entlang,
so wird sie hinkommen. die große schwester hält die beiden auf,
zurück zu hause rät sie der mutter, zuerst mit dem sohn zu sprechen.
und so kommt es, ach, sie ist 88, ich bin 59;
eine neue reise hat schon begonnen.
Gestern war Ererba.
Das e ist ein Schwa -Laut.
Also eher wie ö.
Das r ist wie auf Englisch.
Ererba heißt 2-28.
28. Februar.
Ein Feiertag in Taiwan.
Vielleicht der wichtigste.
Es gibt nichts zu feiern,
aber es ist frei,
offizieller Feiertag.
Das Ererba -Massaker von 1947.
Ungefähr 30.000 Tote.
Schwer zu sagen wie viele genau.
Das Töten war nicht an einem Tag,
der 28. Februar war der Anfang.
In Taipei gibt es ein Ererba -Museum,
sehr zu empfehlen.
Ererba sagt man auf Chinesisch,
auf Hochchinesisch, Mandarin.
Es gibt noch zwei, drei andere
offizielle Sprachen, und viele andere
anerkannte einheimische Sprachen,
ungefähr 20 vielleicht insgesamt.
Die Insel ist weniger als
halb so groß wie Österreich,
ein paar kleine Inseln gehören dazu.
Höchster Berg ungefähr so hoch
wie der höchste in Österreich.
Bevölkerung ungefähr 23 Millionen,
das war vor ein paar Jahren,
also vielleicht mehr.
Aber nicht viel mehr,
kaum Bevölkerungswachstum
in den letzten 30 Jahren.
Mehr Gastarbeiter auf jeden Fall.
Also 25 Millionen Bewohner,
konservativ geschätzt.
Dicht besiedelt,
außer im Osten, dort ist es schön.
Überhaupt eine schöne Insel.
Ilha Formosa, das war
der portugiesische Name.
Das Ererba -Massaker,
das war die nationalchinesische Armee
und die Polizei und so weiter.
1947 war das Massaker,
und 1947-1987 war Kriegsrecht.
Strenge Ein-Parteienherrschaft.
Und viele amerikanische Soldaten,
vor allem während des Vietnam-Krieges.
Auch vorher, Korea-Krieg und dazwischen.
Anyway. Ererba. Feiertag.
Seit den 90er Jahren,
seit der Demokratisierung.
Oder seit 2000,
weiß nicht seit wann genau.
Langes Wochenende,
heuer zumindest.
Ich bin ganz klein,
sitz auf dem Schemel,
hör Omi erzählen
eine Diebesgeschichte.
Der Dieb gräbt ein Loch
in eine Lehmwand,
steckt seinen Kopf hinein;
wird von dem Herrn
des Hauses entdeckt.
Der Herr verstopft
das Loch so dicht,
dass der Kopf nicht hinaus kann,
kocht einen Topf Hirse;
füttert dem Dieb
den brennheißen Brei
bis er tot ist.
„Zu grausam“,
sagt der Onkel, der neben uns
die Geschichte gehört hat.
Ich wollt gerade
dem Herrn applaudieren,
stopp mittendrin;
merk mir, was er
gesagt hat, bis heute.
30. September 2020
Übersetzt von MW im Februar 2021
Back home,
three rounds of drinks,
together we go
to the town bathhouse.
After that we will have
a bowl of mutton soup
like when we were small.
We jump into the bath,
at first we quietly
size up the other,
some places are bigger
some places are smaller
some places are unfamiliar.
Back when we were kids,
we would laugh at each other,
make jokes. Now we pretend
we haven’t seen, so we start talking
all those serious things.
But after the bath we just split,
don’t go for a bowl of mutton soup.
Because we have said
what we have to say.
Seine doppelten Lidfalten sind ganz viele geworden,
sein Blick ist sehr unklar.
Ich rufe ihn, er reagiert nicht,
wahrscheinlich ist er schon taub.
Er war ein Ackergerät,
hat den Pflug gezogen, folgsam wie ein Ochse;
hat den Wagen gezogen, die Hufe sind alle auf einmal geflogen.
Er hat auf Hochzeiten seine Rolle gespielt,
Bräutigam hoch zu Ross, die Braut in der Sänfte.
Am Kopf rote Seide, am Rumpf bunte Farben,
er hat viel beigetragen zur Freude.
Er war ein gemütliches Spielgerät,
in einer Ecke des großen Platzes.
Reiten für Kinder, jedesmal ein paar Runden
und ein paar Fotos, pro Kopf für zehn Yuan.
Jetzt kann er nicht einmal gehen,
sogar Gras frisst er nicht mehr.
„Pferdefleisch wird sauer, Gewürze dafür“
fällt mir auf einmal ein.
Ich streichle langsam durch seine Mähne,
er hebt nicht einmal den Kopf.
Übersetzt von MW im Februar 2021
Jian Xi, geb. in den 1970er Jahren, kommt aus Changzhi, Provinz Shanxi. Lehrerin, liebt Lyrik. 《新诗典》小档案:简兮,女,七零后,山西省长治人,教师,喜欢诗歌。
I know a person,
at first he was called close contact individual.
I was called individual in close contact with a close contact individual.
Later they just called him close contact.
I was called close contact of a close contact.
Even later
he was still a close contact,
but I was a second degree close contact.
Der Arzt aus dem Nachbardorf
war krank, ist gestorben. Als die Nachricht kommt,
an dem Abend sind in unserem kleinen Geschäft
sechs, sieben alte Leute vorm Fernseher,
jeder ein sorgenvolles Gesicht.
Das war der einzige Arzt in der Gegend,
der hat sie ihr ganzes Leben behandelt.
Alle seufzen, in Zukunft
wird niemand sich um sie kümmern.
26. 12. 2020
Übersetzt von MW im Februar 2021
Yang Yan, 1982 geboren, Waage. Lebt in Ningde, Provinz Fujian.《新诗典》小档案:杨艳,1982年生,天秤座,现居福建宁德。
Bei der Sicherheitskontrolle,
vor mir ist ein Mann im mittleren Alter,
sie nehmen ihm zwei Dosen Wong Lo Kat ab.
„Das dürfen Sie nicht mit hinein nehmen”,
sagt die Beamtin.
„Wenn Sie es nicht wegwerfen wollen,
können Sie es auch austrinken.”
„Einfach hier?”
„Sie können zurückgehen,
lassen Sie nur die anderen vorbei.”
Der Mann weicht auf die Seite aus,
macht eine Dose auf, fängt an zu trinken.
Aber da ist noch eine Dose.
Er schaut links und rechts die Leute an,
auf einmal sieht er mich und sagt:
„Bruder,
bitte hilf mir,
diese Dose schaff ich nicht mehr.“
Er gibt mir den Kräutertee.
Ich zögere,
„da wird schon nichts Besonderes drinnen sein.“
Ich nehme die Dose,
denk mir:
„Das schlimmste, was passiert, ist vor dem Einsteigen
noch einmal aufs Klo müssen.“
„Danke“,
sag ich beim Aufmachen,
„wir beide leeren jetzt einen Becher!“
Die anderen Leute,
einschließlich der Sicherheitsbeamtin,
müssen auf einmal
alle lächeln.
Familienname Bai, Rufname Li.
Beide Zeichen nicht viele Striche, schön einfach!
Gut zu merken.
Manche Leute nennen mich Li Bai, mit denselben Zeichen.
Klingt wie ein Waschmittel: Stante pede weiß!
Die Dichterin Xi Wa nennt mich überhaupt nur so.
Ich sag: Du nennst mich Li Bai wie Li Taibai, Li Taibo, der größte Dichter.
Aber so vielen anderen passt mein Name sowieso nicht.
Sie sagen, ich stehe ewig nicht auf,
und wenn ich aufstehe, ist es vergebens,
weiß aufgestanden, so heißt es wörtlich.
Also lass mich meinen Namen ändern!
Ich will ewig stehen, ganz gerade stehen, was kann ich tun?
Zhang Li, Wang Li, Li Li, wie kann ich heißen?
Mit einem anderen Namen, steh ich dann wie ein Riese?
Ich heiße immer noch Bai Li,
hab nicht einmal einen Künstlernamen.
Mir fällt ein Stein fällt vom Herzen,
ich strahl übers ganze Gesicht.
Mein schlechtes Gewissen ist reduziert,
ich bin voller Glückwünsche.
Ein bisschen fühlt es sich an
wie meine kleine Schwester verheiraten,
meine Tochter verheiraten.
Nur nicht wie
meine Ex-Frau verheiraten.
Kleine wilde Chrysanthemen
springen überall auf.
Aber sie überstehen
den ersten Winter nicht.
Wenn die Schneeflocken blühen und den Himmel erfüllen
stickt Mutter Faden für Faden
rote gelbe lila blaue Blumen
in unsere Polsterüberzüge
von uns vier Kindern,
jede voll aufgeblüht.
Bin im Dorf aufgewachsen,
leb und arbeite weit entfernt,
komm nach vielen Jahren zurück,
seh eine Kuh, will sie fotografieren.
Seh einen Hundeeierbaum, will ihn fotografieren.
Seh Wintermelonen auf ihren Ranken, will sie fotografiern.
Die Wege aus der Kindheit gibt es nicht mehr,
auch die Häuser aus Ziegeln.
Sogar die Dorfhunde haben ausländische Namen, Tom oder Philipp.
Zwei oder drei alte Frauen kennen mich noch,
nennen mich wie sie mich damals genannt haben.
Alle anderen nennen mich Werte Dame.
Meine Mutter, als sie auf der Welt war,
sie hat sehr lang
auf dem Land gelebt.
Ein Zehntausend-Yuan-Hof, das wollte sie sein.
Sie hat lange gekämpft
und ihr Ziel nie erreicht.
Bis sie in die Stadt gezogen ist
und mit uns zusammen gewohnt hat.
Ich hab gesehen, sie hat viele Zähne verloren,
da hab ich zehntausend Yuan aufgewendet
und ihr im Mund alles neu machen lassen.
Als die neuen Zähne fertig waren, hab ich gesagt:
„Jetzt brauchst du niemanden mehr beneiden,
dein ganzer Mund
ist ein Zehntausend-Yuan-Hof!“
Um Lichtmess
ungefähr
ist chinesisches Neujahr.
Heuer ist es
ein bisschen später.
China hat sich –
Die ganze Welt hat sich
noch nicht erholt
vom letzten Jahr.
MW 2. Februar 2021
新山海经
日本人
像德国人
中国人
像意大利人
其他人
都在中间
地中海
跟阿尔卑斯山
一样深
2021.1.31
MOON
The moon
is round & bright & small.
She is light.
She is high.
She is alone.
That is all
for tonight.
Go to sleep.
MOND
Der Mond
ist rund & hell & klein.
Er ist Licht.
Er ist hoch.
Er ist allein.
Das ist mein
Gedicht.
Gute Nacht!
Stravinsky lies buried in Venice.
Diaghilev too.
Joseph Brodsky lies buried in Venice,
and Ezra Pound.
It’s a strange island.
Out in the back on the way to the nicer islands, Murano, Burano.
It’s mostly ashes, stored in big vaults.
People are born, people come, people die;
but the island doesn’t get bigger.
There are prominent children’s graves,
ordinary children.
Venice is like New York city.
The Veneto region could be New York state
or more of New England.
Venice has many parts, just like New York.
Beaches are rather nice actually,
the Lido is long.
If you can make out there,
you’ll make out anywhere,
anytime in your world.
Sooner or later you pay the ferryman,
the Vaporetto, just get a card
for three days, very well worth it.
Most of the graves of strangers here
are not well tended.
So come again
but get away
while you can.
When you read a book,
you know
you don’t know,
you didn’t know,
you won’t know.
If your book is any good
you know that.
When you read a book,
you are free.
MW August 2020
TRAVEL
They say the soul doesn’t go faster
than a camel.
We flew from Riga to Vienna
a few days ago.
Maybe one day we’ll do it by rail,
right now it would be rather complicated.
Our souls, could be they are still at the beach
or in the forest at the Baltic sea
in a few days they might steal a ride
coming here, hopefully.
How many times did we fly to China?
How many souls dazed and exhausted
out in the deserts along the Great Wall?
MW August 2020
MOON
The moon
looks like Iron Man’s mask.
He dies in the end,
sorry, spoiler alert,
Iron Man, not the moon.
The moon lives on
in our hearts, like the sun,
in plants and animals,
and in the tides
and things like that,
although I don’t really know.
We do what we can.
MW August 2020
Death
Death is next to light,
dark at the other side of white.
Living things die.
We get to watch ourselves
for a while,
to watch each other
much longer
than many things in the world,
it must seem.
MW August 2020
LOT
An abandoned lot.
Old wooden house in the back,
boarded up.
The woods come back onto the boulevard.
Crickets, weeds, insects, bees.
Tall trees, they love that here.
Lots of humans like
lots of no humans
where they can hide
for a while.
Make America dim
Make America diminished
Make America diminished capacity
Make America diminished credibility
Make America diminished trust
Make America diminished opportunity
Make America diminished equality
Make America diminished
Make America dim
Go on
MW 6/3/20
WHY PEOPLE VOTE TRUMP
(and why De Niro hates him, he wants this only in movies)
Because
He doesn’t play by the rules.
And Russia and China
And most other people
Cannot always afford
To play by the rules.
And when money talks
And the Mafia beckons
You cannot afford
To play by the rules.
The world is grinding to a halt.
So are we all madly in love?
Or have we come to our senses
about the climate
between each other?
About working together?
We don’t have a choice.
And we don’t have a choice
in hoping it will soon be over.
And we still let them set our clocks.
MW March 29, 2020
EVERY DAY
every day
is a poem
if you have time
at the moment there are many people
who have more time
although you still might not have peace and quiet enough.
do you have a moment?
is an everyday question.
at the moment many many millions
in many parts of the earth
have something in common.
actually that was the case long before,
but nobody said
affected people of all nations,
let’s help each other
as best as we can
or did they?
or did we?
MW March 21st, 2020
MOON
the moon
is hanging out
in isolation
the moon
is hanging out
in isolation
behind the clouds
over flowering trees
it’s getting cold again
MW March 2020
CORONA
Actually it’s always like this
for many people.
You live from one day to the next.
Only now it’s a big deal
for the whole world
for a while.
In Wirklichkeit ist es immer wie jetzt.
Halt nicht auf einmal,
doch in der Schwebe,
ein bisschen versetzt.
In Wirklichkeit ist
dein Leben nicht fest,
sicher ist gar nichts,
egal was wer sagt.
In Wirklichkeit bist du Tanz und Musik.
Wir sind was sich dreht
oder steht
und jemanden sucht
solang es noch geht.
MW 1. April 2020
LIFE
Life
A bird
Life means
you are a bird
you are not a bird
you are a bird
in birds who remember
Life
A bird
is warm
is cold
sits
and flies
sleeps
doesn’t sleep
goes to the bathroom
sleeps
perchance to dream
Life is
a swing
MW January 2020
生活
生活
一只鸟
你是一只鸟
不是一只鸟
你是一只鸟
在鸟的记忆
生活
一只鸟
很暖
很冷
坐着
飞走
睡觉
不能睡
上厕所
睡觉
做梦
一个秋千
2020,1
CORONA-VIRUS
In China
haben die Leute
die angeblich alles kontrollieren
was angeblich unvermeidbar sei
schon wieder
versagt.
MW Februar 2020
CORONA-VIRUS
The people
in China
who are supposed to control everything
which is supposed to be inevitable
have failed
yet again.
Seit ich mich erinnern kann, war Oma alt.
Ein gebückter alter Mensch mit Feuerholz und Stroh auf dem Rücken.
Ein alter Mensch mit einem Eimer, der Hühner füttert.
Ein alter Mensch, der früh aufsteht und kocht.
Ein alter Mensch, der mich in der Nacht auf den Schoß nimmt, wenn mein Bauch weh tut.
Sie redet sehr gern,
sagt oft zu mir: Gib diesem Bettler eine Schale Reis,
wasch dich nicht immer mit kaltem Wasser an heißen Tagen…
Zu Leuten, die streiten, sagt sie: Langes und kurzes Gras wird beides geschnitten.
Wenn sie in den Himmel schaut, sagt sie: Du alter Halsabschneider im Himmel…
Aber im Alter hat sie die Sprache verloren.
Sie liegt nur im Bett und macht keinen Mucks.
Übersetzt von MW im Januar 2021
Ding Xiaowei, geb. 1974, kommt aus Yunyang bei Chongqing. Mitglied der Chinesischen Schriftstellervereinigung, Magister der Künste. Publizierte Gedichtbände, Essays, einen Roman, Reportage etc. 《新诗典》小档案:丁小炜,1974年生,重庆云阳人,中国作家协会会员,艺术硕士。著有诗集《不朽之旅》《漫过时间之水》、散文集《心灵的水声》《一路盛宴》、长篇纪实文学《在那遥远的亚丁湾》《一腔无声血》、长篇小说《秋山几重》等。
Auf jedem Stück Straße
sind sie aufgereiht,
die rostigen Sitze.
Die Leute, die früher auf ihnen saßen,
die haben die Zeitmaschine genommen
und sind jetzt woanders.
I sit on the chair of June 1st
and think of things of last month.
Last month was May,
only one day ago.
I can’t grasp anything
that went on in there.
47th birthday,
fight with my wife,
unused coupons.
Bought pants, couldn’t return them.
These things,
just let them be gone.
If there is a wall
between May and June
and there is a crack
that allows me to travel
from June into May
there is this one thing I would do:
Great-grandmother who passed on May 1st
at 99, let her live past 100.
In der Autonomen Region im Kulturzentrum der Zhuang, die Musikinstrumente, die Kleider, die Arbeitswerkzeuge… sie sind mir vertraut. Aber die Schrift, was da steht kann ich überhaupt nicht verstehen. Diese Zeichen sind ohne Zweifel die Muttersprache in meinen Knochen. Ich sitz allein auf einem Schemel mit einem Froschtotem, ein fremdgegangenes Kind das mit einer anderen Sprachfamilie dieses Gedicht niederschreibt.
Übersetzt von MW im Januar 2020
Lu Fuxiang, geb. im August 1985 in Nanning, gehört zum Volk der Zhuang. Lernte 2017 den Dichter 3A kennen, schreibt seither entschlossen Alltagsgedichte. 《新诗典》小档案:陆福祥,1985年8月生于广西南宁,壮族人,2017年末结识三个A,从此坚定不移地写口语诗。
In der Früh auf dem Schulweg,
beißender Frostwind
auf mein Gesicht
hinterlässt ein
Raubkopie-Hochland-Rot.
Übersetzt von MW im Januar 2020
Zhang Zelin, 11 Jahre alt, geht in die Shuguang-Grundschule in Handan, Bezirk Congtai. 《新诗典》小档案:张泽林,男,11岁,邯郸市丛台区曙光小学五年级学生,爱读书,爱哼歌,平时生活中爱用口语诗记录下来自己的发现。诗歌入选《孩子自己写的诗》、《每个孩子都是诗人》、《佛城诗歌》、《诗歌里的童年》、《孩子选孩子的诗》等。
Von Dali nach Shenzhen,
auf dem Bahnsteig Mile, dort war ich im früheren Leben.
Puzhehei oder Baise,
eines flitzt vorbei nach dem anderen.
All diese Jahre
war mein Leben
wie die Zugräder
rollend, walzend
zwischen steilen Gebirgen.
Meine Seele aber
sitzt die ganze Zeit
gedrängt im Abteil.
Von alten grünen bis zu neuen weißen Zügen,
einmal ist das Ende der Anfang,
einmal ist der Anfang das Ende.
Jedenfalls hät der Zug
nie wieder an meinem Heimatort.
Ich wollte den Aufsatzwettbewerb
„Shaoling-Cup“ nennen.
Hab grad erst den Mund aufgemacht,
da hat die Direktorin
den Vorschlag schon scharf zurückgewiesen.
Sie meint,
obwohl die Schule auf dem Shaoling Yuan stehe,
少陵 „Shaoling“, diese zwei Zeichen
hätten viel zu wenig Inhalt.
Mehrere Mittelschullehrer stimmen ihr zu.
Früher war es ein Friedhof,
jetzt sind es Wohnhäuser.
Ich gebe Geld aus und nehme die Seelen der Toten in Kauf,
sage mir, irgendwo muss ich leben.
Die Toten von früher
starben gewaltsam
wurden erschossen
starben an Krankheit
oder auch an Selbstmord.
Im Leben waren sie geehrt oder erniedrigt,
nach ihrem Tod sind sie einfach oder reich,
das ist alles verschieden,
aber was heute passiert,
wir sind erstaunlich ähnlich.
In meiner Wohnung die ich gekauft hab
leb ich über ihnen,
von Geburt bis zum Tod,
ihr Weg wiederholt sich.
Aber ihre Erfahrungen
hab ich nie gekannt
und werd sie nie kennen.
Private Geschichte,
Gut und Böse, Zwietracht.
Wenn sie nach dem Tod wirklich Seelen haben
dann will ich diese Seelen zählen,
welche und welche unter ihnen
mit meiner Zukunft korrespondieren.
Übersetzt von MW im Januar 2020
Huang Hai, Künstlername Huang Haixi. Dichter und Erzähler. Geb. 1977, lebt in Xi’an. Wichtige Werke: “Untertags”, Roman; “Nachwehen”, Langgedicht; sowie Bände mit Erzählungen und Essays. 《新诗典》小档案:黄海兮,原名黄海。诗人和小说家。1977年生,现居西安。主要作品有长篇小说《白日》,长诗《余哀》,散文集《黄石手稿》和中篇小说集《朝花》等,共计200余万字。
Der Scheinmohn, den er fotografiert, hat blaue Blüten. Dieses Blau ist sehr selten.
Vor 100 Jahren haben schon Blumenräuber wie Joseph Rock ihr Auge auf ihn geworfen. Sie haben ihn nach Europa gebracht, jetzt wird er dort bei ihnen gezüchtet.
Heute findet man auch gelbe. Die Blume gibt es nur im Grasland im Westen von China. Eine blaue und eine gelbe Blume, hunderte Kilometer dazwischen.
Er hat mir das alles gesagt, dann ist er verschwunden. Wie ein Tschiru ins Abendrot. Nur der Scheinmohn teilt sein kostbares Klein-Blau mit der Nacht.
Jeder noch so heiße Tag wird am Abend auf dem Grasland in Qinghai kühl. Der Scheinmohn hat seine Knochen draußen, ihm wird noch kühler sein.
Bei dem Treffen
war sie mit mir in einem Zimmer.
Sie sieht mich
und schüttelt mir sofort die Hand,
lobt mich von Kopf bis Fuß,
von Gedichten bis zu sonstigen Texten
über allen grünen Klee.
Dann plötzlich die Frage:
Du oder ich, wer duscht zuerst?
Sie wartet nicht auf meine Antwort,
redet gleich weiter,
warte auf mich,
ich bin schnell.
Ich bin noch ganz baff,
da ist sie schon völlig nackt,
dreht sich ein paarmal,
kommt auf mich zu.
Wow,
die Kurven,
wirklich nicht schlecht.
Ich sag, schade,
dass ich nur Männer mag.
Sie stoppt,
dreht sich um,
rennt zurück ins Bad.
Meine Mutter hat von klein auf ein gutes Gedächtnis,
müht sich und sorgt sich,
fleißig ihr ganzes Leben.
Aber dann,
eines Tages,
steht sie auf
und kann Traum
und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden,
die beiden sind ineinander verschmolzen.
Es war so:
Sie ist aufgestanden bevor es hell war,
hat sich gewaschen und gekämmt,
fertig angezogen zum Ausgehen,
ihr Gepäck vorbereitet
und sich hingesetzt und gewartet.
Mein Vater fragt was sie vorhat,
sie sagt
mein Sohn kommt gleich mit dem Wagen
mich abholen.
Ich hab nichts davon gewusst.
Aber es ist ein paarmal passiert,
dann frag ich Mama,
ich hol dich ab und wohin fahren wir?
Sie sagt,
du hast es mir nicht gesagt.
Die Familie verhandelt,
wir wollen, dass sie im Spital untersucht wird.
Sie will auf keinen Fall,
niemand kann sie überzeugen.
Wenn keiner mehr da ist
wird sie auf einmal wach,
ihre Augen leuchten,
sie sagt mir ganz deutlich
sie sei Wong Tai Sin, die große Fee Huang,
das dürfe ich nicht weitersagen.
Ich weiß jetzt, sie muss untersucht werden
und bin sicher sie wird sich erholen.
Sie braucht sich in Wirklichkeit
nicht mehr abmühen
und sich um alle kümmern.
Ich glaube, sie versteht gar nicht,
wer diese Fee sein soll.
Sie hat sich nur erinnert,
ihr eigener Familienname ist Huang.
31 Jahre nach unserem Uni-Abschluss
in deiner Stadt
dich zu treffen
ist ein Ritual.
Leider recht hastig,
aber sehr nützlich.
In ein paar Momenten
von verrückten Reden
können wir zurück
zu Konferenzen zwischen unseren Betten
in unserer Studentenheimzeit.
Einer der sich mit mir an Poesie versucht hat,
ist tot,
einer der mit dir Go gespielt hat,
ist verrückt geworden.
Wir sind 30 geworden, haben uns auf die Beine gestellt,
40, haben nicht mehr gezweifelt, wie Konfuzius sagt,
50, und kennen den Willen des Himmels,
alles wie im
Handumdrehen.
Das heißt, du und ich,
uns liegt es nicht, sich Sorgen zu machen,
wir ruhen in uns selbst.
Sind auch heutige Sorgen
tiefer und schwerer
als die von gestern,
mit Weitsicht, mit Wahrheit
lass uns gegenüber dem Rest unseres Lebens
bewahren was wir damals waren,
chaotisch, bedeutungslos, furchtlos.
Unterm Arm eine alte Strohmatte
treib ich mich auf der Straße herum,
breite die Matte unter einem Baum aus,
oder gegenüber neben dem Fabrikstor.
Nach Mitternacht, überhaupt kein Wind,
der Boden ist überall brennheiß,
sogar ein Sandhaufen,
untertags ist der Sand feucht,
in der Nacht dampft er vor Hitze.
Weiß nicht warum
ich mich erinnere an diese Nächte.
Ich stolper mit der alten Matte
zur Tür heraus, such einen Platz
wo ich schlafen kann.
Vielleicht will ich sagen,
früher wars auch so heiß,
wenn jemand sagt, das Klima wird wärmer,
glaub ichs nicht unbedingt.
In Wirklichkeit bedeutet diese Nacht überhaupt nichts,
vielleicht kann ich nur sagen
ein Menschenleben
wär einfach uninteressant,
wär nachher nichts gewesen
was im Gedächtnis bleibt.
In the 1980s
our watch factory
often organized dances.
Beautiful melodies rose
from the dance floor:
The Blue Danube,
spring waltz,
slow waltz,
Viennese waltz,
disco,
rumba,
tango,
tap dance.
Some styles were
elegant,
some were mysterious,
some rather bold.
My favourite was
tap dance,
very clear rhythm,
easy to understand.
Some say Wang Lun, when he sent off Li Bai
danced in this
way.
The difference is,
you need leather shoes on the dance floor,
but not those with nails.
As for Wang Lun,
he was barefoot,
instead of music he had his
tongue.
5/31/20
Translated by MW, November 2020
Hu Bo, born on June 19, 1961 in Dalian, grew up in Tianjin. Began to write colloquial poetry in May 2019. Lives in Taida.
《新诗典》小档案:胡泊, 1961年6月19日生于大连, 天津长大。有诗入选《新诗典》感谢伊沙, 感谢所有帮助我的诗人. 现居泰达. 我是口语诗中小学生, 从2019年5月开启
picture by 邢昊 Xing Hao, click on the image for more
Mo Gao EMPRESS DOWAGER TRUMP
When he said
“America first!“,
when he said
“No-one understands better than I“,
when he said
“Drink disinfectants to cure the virus!“;
when he withdrew from even more groups and assemblies,
when he put even more business and people from China
on sanctions lists;
I saw a shadow behind him,
of a dowager empress from the Qing dynasty.
I was thinking,
shouldn’t I remind folks in America,
but
wouldn’t they think I had idle concerns?
Aus Versehen drückt er auf die Hupe.
Dichtes Laub wird sofort rabenschwarz,
der ganze Wald zittert,
zehntausende Krähen
flattern auf
über der Geisterstadt
an der Linie des Waffenstillstands.
Schrille Schreie wandernder Seelen,
Krähen entfernen sich
wie ein schwarzer,
von Schüssen durchsiebter Umhang.
Finally!
The people have won.
Decency has won.
Democracy has won.
Hope.
Some people
may feel they have lost.
In the end, the land,
the country, the world
if the world can win,
most people will feel,
finally,
for once,
there is a beacon.
MW November 2020
WHAT?
What am I?
Where are we?
We are on earth.
What am I?
What are we?
What can we do?
I can be a tree.
You can be whatever grows
or crawls or flies up from the earth
and the wind and the rain.
We can all come again
and do what we can.
Some people did what they could
for a while
and Obama did
and it wasn’t enough
change to go round
everywhere in the end.
The landscape, the river, the setting sun
Old farmer drives home old cows
Scents of swaying rice
Kitchen smoke, village dogs, dirty kids
Big tree where the village begins,
is it these?
My ID is from the village,
I have no flat in the city
and in the country, no land.
Alexander van der Bellen – first speech as president-elect of Austria Photo: Michaela Brucklberger
PLEASE PRAY FOR BIDEN!
Pray for us in Austria,
I wrote in 2016
when it was very close
in our presidential election.
Today the US
have a similar situation.
That guy Hofer was leading
without early voting,
without mail-in ballots.
Van der Bellen will win,
the Greens are winning,
you’ll see, you were sure.
I hardly dared to hope you were right,
that kind of voting was still very new.
I was ashamed
for my country,
and when it was finally clear
I was crazy with joy.
Almost 56%,
that seemed very much.
The nation was divided,
everyone said,
and would stay that way.
How is it today?
There is still a clear majority
for harboring refugees.
Drive out the heartless!
War on the palaces,
peace to the hovels!
Like Georg Büchner said.
Actually in Austria
we have the largest palace
in the city center
and a very friendly guy
residing inside.
Biden is also very friendly
at least,
at least.
MW November 2020
BETET FÜR BIDEN!
Betet für uns in Österreich
hab ich 2016 geschrieben
als es sehr knapp wahr
bei der Präsidentenwahl.
Heute haben die USA
eine sehr ähnliche Situation.
Hofer ist vorne gelegen,
ohne die Wahlkarten,
ohne Briefwahl.
Van der Bellen gewinnt,
die Grünen gewinnen,
wirst sehen, hast du gesagt.
Ich hab es kaum zu hoffen gewagt,
Wahlkarten waren noch relativ neu.
Ich hab mich geschämt
als Österreicher
und als es endlich klar war
hab ich gejubelt,
fast 56 % für van der Bellen.
Das Land sei gespalten,
haben alle gesagt,
das werde so bleiben.
Wie ist es heute?
Eine deutliche Mehrheit
ist weiterhin dafür,
Flüchtlingen zu helfen.
Verjagt die Herzlosen!
Friede den Hütten,
Krieg den Palästen!
Naja, in Österreich
haben wir halt die größten Paläste
im Stadtzentrum
und einen sehr freundlichen Mann
in der Hofburg.
Biden ist
auch sehr, sehr freundlich.
Immerhin.
Immerhin.
When I think of my father
I will always remember him
in my childhood,
a certain night in early summer
he took me
as frogs called from all sides
to spear loaches
in paddy fields.
That night I thought
we’d catch a lot
but in the end
we didn’t
get even one of them.
But I didn’t complain,
that night the loaches
of the whole planet
had all disappeared.
A big truck, on the front no Om Mani Padme Hum, instead a painted head of Che Guevara. I lift my phone to take a picture, he pulls Che Guevara down the road like crazy, in a second they have disappeared.
Die Mayflower hat keine
Freiheit des Glaubens gebracht.
Plündern und Totschießen
und der Erfolg war eine Nation.
Ich feiere in diesem Land
in diesem blühendsten
von Grund auf gottlosen
New York
die zehnte Christnacht.
Rockefeller Square,
unter dem weltgrößten Christbaum,
unzählige rote Weihnachtsmützen
treiben und schweben
wie wandelnde Seelen.
Übersetzt von Martin Winter im Oktober 2020
Hong Junzhi, geb. in den 1960er Jahren. Dichter und Übersetzer aus dem Chinesischen ins Koreanische, Verleger, Redakteur in New York. 《新诗典》小档案:洪君植,60后,汉韩双语诗人、翻译家、出版人,居纽约。有著作50余部,现美国《HPW国际诗坛》杂志主编,纽约新世纪出版社社长。
Meine Tochter ist grad zwei geworden. Sie rennt auf einmal her mit einem Pinsel, nimmt meine Hand, will auf meinem Handgelenk eine Armbanduhr malen. Ich streck meine Hand hin, lass sie am Handgelenk kritzeln. Ich hab etwas vergessen gehabt, meine Mutter vor 33 Jahren ist auferstanden im Augenblick. Ich bin sieben, meine Mutter ist noch am Leben. Sie nimmt einen dünnen Zweig der im Herd verkohlt ist und malt auf meinem Handgelenk eine Armbanduhr.
10. August, Lijiang Übersetzt von MW im Oktober 2020
Han Jingyuan, geboren 1980 in Kunming. Studierte an der Xi’an International Studies University Literatur bei Yi Sha. Publizierte zwei Gedichtbände und theoretische Werke. 《新诗典》小档案:韩敬源,诗人,男,汉族,1980年7月4日出生于云南省昆明市石林县。毕业于西安外国语大学中国语言文学院汉语言文学专业,出版诗集《儿时同伴》、《谈论命运的时候要关好门》,撰录出版《观音在远远的山上——伊沙的文学课》,出版诗歌理论著作《后现代主义口语诗论》。
I have been digging so long
but only got down one inch.
I want to keep digging
until I hit
dinosaur fossils.
So please
do not
bother me
with human affairs.
My 80-year old aunt,
to protect her corn seeds from birds,
spreads rat poison in her field.
In the morning I see her,
she picks up about one dozen dead sparrows,
puts them in a plastic bag.
Walking along the ridge,
she swears:
„Damn birds,
no matter how many die,
they cannot pay me for one cob of corn.“
The old lady has no children with her. Several men pick up their strength to straighten her curled up body, I hear her bones creaking. They wash her and wrap her in linen. She was bow-legged, so those men all together push her into the coffin, bones rattling again. They keep the coffin in a cool spot. As they come out and lock the door, an elder hands out dark chicken eggs from the old lady’s coop and reminds them to come again for the interment in a few days.
Like squatting on the ground, watching ants moving house, black ants all in one line moving into the same direction. As the camera gets closer, their path becomes a wide street, marching ants become a big demonstration. The sound goes from silent to many loud voices, then even louder, the masses erupt into shouting, surging like a dark river.
Mein Vater war Kader für politische Arbeit,
aber in seinem Leben
war er außerdem
Elektriker
Tischler
Installateur
Fleischhauer
Bauer
Holzfäller
Gärtner
Maurer
Tierpfleger
Friseur
Pflichtschullehrer
Traktorfahrer
und darin ist er
keineswegs eine Ausnahme.
Aber sein Sohn:
außer Wortspielereien,
außer einigen Texten,
auf anderen Gebieten,
ungefähr ein Idiot.
Beim Glühbirnenwechseln
wackeln die Beine,
der Bauch mit dazu.
Er kommt aus Weifang zurück, stellt mir drei Leute vor die Weifang regieren. Ich kenn sie überhaupt nicht, kenn nicht mal die Namen, sag nur Zheng Banqiao war dort im Amt. Er fragt, seit wann ist der pensioniert? Mir verschlägts die Rede.. Der Zheng ist nachher nach Yangzhou, sag ich dann, hat Bilder verkauft und davon gelebt. Oh, sagt er, das war ein Qing Guan, sauberer Beamter. Ja, sag ich, das war er, Qing Guan, denk ich mir, Beamter der Qing-Dynastie.
Mit 12 hab ichs auf die Mittelschule von Groß-Tang geschafft. In der Schule gewohnt, Essen mitgebracht: Dampfbrötchen aus Mais oder Hirse, manchmal auch Weizen. Dazu kaltes Wasser. Überhaupt kein Gemüse. Aber weil meine Noten irrsinnig gut waren haben Elternverein und Lehrer entschieden meine Mutter aus unserem Dorf einzuladen. Wirklich eine Bombe aus heiterem Himmel. Mama war so gerührt von dieser Auszeichnung, sie hat mir aus ihrer Jacke 20 Cent hervorgekramt. Ich war damit auf einmal im Paradies auf Erden. Zumindest eine Zeitlang ein Krösus. Zu den Dampfbrötchen endlich Suppe, Kochwasser mit Schnipseln von Porree.
Grüne Kletterpflanze an der Straße rankt sich hinauf an roten Ziegeln durch einen Drahtzaun in einen völlig verstaubten Lüftungsventilator. Dort war der grüne Trieb unvorsichtig, ist zu lange geblieben, hat eine große Gurke gebildet, wollte noch raus und ist nicht mehr herausgekommen.
12. August 2020, 20 Uhr 25 Minuten Übersetzt von MW im September 2020
Mein Onkel zieht seinen Karren. Auf dem Karren sitzen 800 Pfund Schnaps und sein achtjähriger Sohn. Er ist mein Cousin, ein halbes Jahr älter als ich. Onkel arbeitet im Transport für die Konsumgenossenschaft der Gemeinde Qingshan. Die Bergstraße ist holprig, das Kind sitzt stabil, der Schnaps leider nicht. Das Kind leckt den ganzen Weg an der Ritze wo Schnaps aus dem Deckel herauskommt. Die Bergstraße ist 18 Li lang, 800 Pfund Schnaps wollen nicht schlafen. Der achtjährige Sohn ist eingeschlafen und wacht nicht mehr auf.
In den 1970er Jahren stand Andrej Sacharow Jahr für Jahr am 7. November am Puschkin-Platz vor dem Denkmal des Dichters im Schnee. Die Silhouetten von Sacharow und von Puschkin haben sich im Schnee überlagert.
Schnee, Schnee fällt am 7. November vor der Statue, eure Figuren, Puschkin und Du aufeinander im Schnee, endlose Stille. Du hörst auf dich selbst, auf den Schnee.
Du stehst im Frost, in der Weite des Schnees. Sonne friert im Wasser, Wasser friert im Licht. Vom Glitzern des ersten Strahls zum Waschen der ersten eisigen Welle.
Du stehst, von Schnee zu Schnee im tiefen Schnee, aus dem Du nicht heraussteigst. Obwohl Wege im Schnee nach Osten und Westen unter Deinen Füßen nicht enden, obwohl
Puschkins Augen wieder auf Deine treffen, sieht er Dich nicht im strahlenden Schneelicht. Was aus dem Schnee kommt, bleibt im Schnee. Im Schnee begraben, Dein Opfer im Schnee.
Von Wasser bleibt in der Sonne nichts über als brennender Glanz, Glitzern trifft aufeinander auf klaren Flächen bis in die Tiefe. Schnee im Licht unverdeckt, Schnee verdeckt nicht,
so wie die Sonne im Wasser jedes Sandkorn herauswäscht, das Licht, das läuft und stürzt aus dem Schnee nichts verschlingt und nicht untergeht im wogenden Strom bis ins Meer. Schnee strömt aus Schnee, Schnee ohne Ufer.
Reinheit am Ende ist auch Vernichtung am Anfang, reiner Schnee wird leicht zu Schneeresten, Schneescherben. Schneetrauer gewandelt und wiedergeboren in Schnee. Schnee flüstert weiter in endloser Stille.
So wie Wasser Sonne zurückbringt, die nicht verwelkt, so bringt Sonne Wasser zurück, das nicht verfließt. Ich hör Deine reine Schwermut im Schnee, ich hör dich, die Dämmerung im Sommer ist die Weiße Nacht.
Nachdem Mo Yan den Nobelpreis bekommen hat, haben Leute in Lu Yaos Heimatort gesagt, Lu Yao sei gestorben. Gestorben? Wie könnt er die Welt dem kleinen Kerl überlassen, der müsste Fürze essen und kaltes Wasser trinken. Der kleine Kerl hat noch Briefe an Lu Yao geschrieben. Lu Yao ist ein Heiliger! Was ist der kleine Kerl, eine Dattel-Teigfülllung? Lu Yao hat einen Tempel, der ist schon gebaut! Und zwar von der Regierung.
In einer Nacht geschüttelt von Sturm und Regen sind die Lilien im Hof aufgegangen. Feine lange Hälse mit sehr großen Köpfen. Sechs Staubgefäße dicht gedrängt um einen Stempel. Auf einmal aufgesprungen jetzt in der Früh nach dem Regen. Oh! So schön. So laut und klar. So hab ichs gehört vor 30 Jahren bei der Geburt meines Sohnes, dass mein Muttermund aufgeht.
In solch einer Nacht seh ich den Meister mit abgeschnittenem Ohr, er wirkt eher schäbig, im niedrigen Zimmer geht er auf und ab, Hände auf dem Rücken. So sind die Farben auf uns gekommen, stärker noch als Sonnenblumen.
In diesem Moment stopft er meine Knochen in wirre Striche, die gehen direkt durch meine Wohnung. Ich merk ganz genau wie das Ohr runterfällt.
1994 im Frühling war ich Fallschirmspringer aus dem blauen Himmel von Hubei und hab gehört die drei vom Teufelsfelsen die Rockstars Dou Wei, Zhang Chu und He Yong hatten drei Platten herausgebracht, ein neuer Frühling der Rockmusik. Ich hab mich losgemacht vom Fallschirmspringen, bin zur Kreisstadt gerannt zum Plattenladen, da war nur mehr eine Kassette von Zhang Chu: „Einsame Leute müssen sich schämen“. Ich hab auf das Poster an der Wand gedeutet und gesagt bitte das möcht ich auch.
At the water you live off the water Ancestors who kept oysters used oyster shells to build wondrous walls.
I saw an intro, you mix in clay, cane sugar, sticky rice and so on ordinary people could not afford that. The walls that still stand now are ancestral halls of a clan or some official.
Records state, for one ancestral hall you need ten tons of shells. Dazed and surprised I looked to the village across from the halls. A hundred-year-old white-haired lady came tottering out, like an oyster ghost who somehow survived.
Oma ist vor vielen Jahren von uns gegangen. Auf ihren hinterlassenen Dingen liegt dicker Staub. Ich frage Opa, warum er nicht sauber macht. Er sagt: „Das sind auch noch ein Dutzend Jahre von ihr.“
Die Gemüse anbauen, sind Gemüsebauern. Die Obst anbauen, sind Obstbauern. Die Tee anbauen, heißen Teebauern. Die Blumen anbauen, nennt man Blumenbauern. Die Tabak pflanzen und rösten, heißen Tabakbauern. Die Seidenraupen halten, nennt man Seidenbauern. … … Felder bestellen und dabei Gedichte schreiben, das sind Poesiebauern. Was die betrifft, die in kalten Bergen von der Natur leben, das heißt, die sich winden auf der großen Erde, im Frost Käfer suchen und im Sommer Gras für ihre Familien da haben die Leute ein anderen Namen: Strohvolk, das ist auch ein Wort für ich.
In der vierten Klasse lernen wir Abakus-Rechnen. Vater geht mit mir zum Laden der Produktionsbrigade und kauft mir den größten und teuersten Abakus. Ich trag ihn heim. Mutter, die Buchhaltung gelernt hat, murmelt: Jetzt haben wir immer weniger Geld und er kann immer weniger rechnen. Wer kauft einem Volksschüler einen so großen Abakus? Vater wirderspricht nicht, sagt nur trocken: „So lernt er nicht kleinlich zu rechnen.“
In meinem Traum haben viele Leute Masken weggeworfen. Manche davon noch original in der Verpackung. Ich geh mit meiner Familie in Reisfeldern Masken auflesen. So wie ich als Jugendlicher Reisähren aufgelesen habe. Wenn ich eine aufhebe, eine Maske, wink ich jedesmal, ruf den anderen zu: Maske! Maske! Maske!
Gegen Abend jogg ich am Fluss. Unter einem dürren Zedrachbaum spielt ein weißhaariger Mann Saxophon. Ich setz mich neben ihn auf eine Steinbank, ein bisschen ausruhen. Hör ein Stück fertig, heb unwillkürlich meinen Daumen. „Sind Sie Künstler?“ Er nimmt einen Schluck Tee, „Nein. Als junger Mann war ich Signalhornist. Damals haben die Japsen von dort den Fluss überquert. Das Wasser war ganz rot …“ Ich bemerke, in dem Blumenbeet neben dem Etui für sein Instrument, stecken lauter Räucherstäbchen.
In Wien liebt man das Bier wie in Deutschland so sehr wie das Leben und zwar bei jeder Mahlzeit. Zehn Tage in Wien, österreichisches Bier ein bisschen Heineken dazu, ein Dutzend verschiedene Marken; Durst ausgelebt, mehr als genug.
Auf der Rückreise mit China Southerm gibt es auch Bier im Flugzeug, aber nur eine Marke: „Snowbeer – Globe Trekker“ Der Geschmack, eine alte Geschichte, beim Gefühl im Mund fehlt noch sehr viel.
Your poetry’s tubes have been tied. I can tell, your loose tracts have been plugged with a metal ring. Actually, my poetry has cheated too. Before I went out I swallowed a few pills of Viagra. But however I tried, Poetry Periodical, state-owned flagship, you could never get pregnant. My poetry must be lonely for life.
Der alte Freund in Chemo, Bett 40 ist aus meinem Heimatort. Er war ein großer Chef, wir haben zusammen Geschäfte gemacht, er war der Mann des Tages. Jetzt hat er eine Glatze, mit stumpfem Blick und kraftloser Stimme erzählt er von Operationen und seiner Behandlung. Ich sitz ihm gegenüber, mir stockt ein bisschen der Atem. Ich trau mich nicht mehr von ihm zu verlangen dass er mir die Zwanzigtausend zurückzahlt.
In her childhood, she says, she never saw herself in a mirror. When she wanted to see her own face she bent over the rim of a vat and looked for a while at her floating reflection. Sometimes the water was full to the brim, she had to take care not to dip in her plaits.
Ich gebe zu, die Leute, die bei mir vorkommen sind Huang Vier, Li Drei oder Zhang Sechs, diese Namen hab ich erfunden. Ihre Kindernamen sind in Wirklichkeit Namen für Tiere, Windhund, Schäfchen, Ochse. Vielleicht haben sie auch Namen von körperlichen Gebrechen her, Lahmer, Blinder, Taubstummer. Ihre Vor-und Nachnamen hat man übersehen und sie nach ihren Vätern eingeteilt, Grundbesitzer, Rechtsabweichler, Konterrevolutionär.
Das sind echte Leute aus meinem Heimatort, nach ihrem Tod erst können sie auf ihrem Grabstein ihren eigenen Namen eingeschnitzt haben – zum Beispiel Herr Sowieso.
Im Süden der Stadt, zwei weiße Schaumkugeln vom Isoliermaterial, aus dem Dach herausgespült durch den Regen, kleben an der großen Abtrennungs-Glasscheibe des Wächterhäuschens der Wohnhausanlage. An der Ausfahrt der Kellergarage auf den nassen weißen Planen, die hat das Mädchen zurückgelassen, die in der Früh umgezogen ist, da liegen umgekehrt drei Kapokblüten, heruntergeworfen im Regen seit gestern Nacht. Genau wie blutrote Azaleen, ein Kuckuck der Blut spuckt. In der leeren Garage vibrieren und hallen immer noch Schritte des Mädchens verwirrt hin und her.
7. Juni 2020 Übersetzt von MW im Juni 2020
Han Yu, geboren in den 1970er Jahren in Xi’am, Ingenieur bei einer staatlichen Firma in der Provinz Kanton (Guangdong). Liest und schreibt moderne Gedichte seit den 1990er Jahren. WeChat-Name: daritty 《新诗典》小档案:寒雨,70后,陕西西安人,国企工程师,旅居广东。90年代开始喜欢现代诗歌阅读和创作,偶有诗作在网络发表。微信号:darltty
On the dormitory’s first floor, conditions are worst. Moss on wooden doors, rust on window bars. From outside, passing the windows, I see three special rooms, with their own bathroom, doors and windows aluminum, Simmons mattress. A black student wielding a club to chase a mouse that ran in from the Chinese students next door.
Early morning in the horseshoe-shaped forest, finally the flock flies in again. They are in high spirits, talking excitedly. Walking quietly up to the tree, Moses, where is he? They tell me, Moses has waded through the Red Sea, left Egypt already. Tears flow to the tip of my nose.
3/23/20 Translated by MW, June 2020 Hu Bo MOSES
In der Früh im hufeisenförmigen Wald kommt der Schwarm endlich geflogen. Sie reden aufgeregt und diskutieren. Leise geh ich bis vor den Baum. Moses, was ist mit ihm? Sie sagen mir Moses ist schon durchs Rote Meer, hat Ägypten verlassen. Tränen auf meiner Nasenspitze.
23. März 2020 Übersetzt von MW, Juni 2020
Hu Bo, geboren am 19. Juni 1961 in Dalian, aufgewachsen in Tianjin. Lebt in Taida. Volksschüler im Fach Alltagssprache-Poesie seit Mai 1999. 《新诗典》小档案:胡泊, 1961年6月19日生于大连, 天津长大。有诗入选《新诗典》感谢伊沙, 感谢所有帮助我的诗人. 现居泰达, 我是口语诗中小学生从1999年5月开启
Teacher, I am sorry. When I’m in a daze, I don‘t think anything.
If I think of how I am going to do my homework over the winter holidays, that is thinking, not dazed. If I think of how I was in class with my teacher Big Cat, that is remembering and not dazed. If I think of my dad, that means I miss him, that’s not called dazed. If I think there is a rainbow kingdom up in the sky, I am creative, not dazed. If I think of what I am going to be when I grow up, that is dreaming, not dazed.
Only if I don’t think of anything, that is called dazed.
Translated by MW, June 2020
Ouyang Panxi
INTO SPACE
Teacher, I am sorry.
When I stare into space, I don‘t think anything.
When I think of how I am going to do my homework over the winter holidays,
that is thinking, not staring.
When I think of how I was in class with my teacher Big Cat, that is remembering and not staring.
When I think of my dad, that means I miss him, not staring.
If I think there is a rainbow kingdom up in the sky, I am creative,
not staring.
If I think of what I am going to be when I grow up, that is dreaming, not staring.
Only if I don’t think of anything, I just stare into space.
Walking from one end of the village to the other takes hardly more than 10 minutes. Since I came to live here, I have never walked like that by day. Sometimes at night, half closing my eyes, I am walking past broken houses, one after the other. Ruins, encircled by newly erected factories from every side. Wish I could meet a young student returning from school. Sometimes at sunset, I stand in a daze for a while at the edge of the village.
Leaving Chongqing, something is always missing, backpack’s heavy, packed everything, but I hurried, left behind two pieces, geese guts and beef stomach, still in the firepot, didn’t fish them out, left them behind in steamy Chongqing, and my insides remember.
Mein Opa ist 1976 von uns gegangen, damals war er 66. Meine Oma ist 2011 von uns gegangen, sie war 93. Wenn jemand sagt, meine Oma habe als Witwe 35 Jahre lang das Andenken ihres Mannes gewahrt, dann muss ich ihm unbedingt sagen, und zwar Wort für Wort, damit er es kapiert: Meine liebe Oma hat in all den Tagen ohne meinen Opa ganz allein in harter Arbeit 35 Jahre an Kinder und Enkel gedacht.
Alcohol disinfectant, 75% Thermometer Facemask hangs by the entrance, ready for re-use Steamed bread, failed three times Fresh flowers from Yunnan, bought online from Taobo Cat hairs in the rug, always Unwashed dishes, several days 50 installments of a trite soap opera Uncontrolled feelings Three o’clock in the morning, tears on my pillow Six lamps turned on together News of people who died News of people waiting to die News of people dying in vain More and more in this apartment A kind of gloom I never felt before A heavy heart A heavy heart like in Du Fu (Ballad of Army Wagons) Spring rain outside, unceasing cold „Dark skies, rain wails and wails“ Layer on layer They weigh on my chest.
Make America dim Make America diminished Make America diminished capacity Make America diminished credibility Make America diminished trust Make America diminished opportunity Make America diminished equality Make America diminished Make America dim Go on
MW 6/3/20
Picture by Wang @oa___aob
ALL SORTS
all sorts of factors and factories all sorts of tractors all sorts of actors all sorts of dorks all kinds of assorted windshield wipers all sorts of snipers maybe some kind ones kind to their weapons and also to people something in all sorts of people when you listen to water, to wind when you feel the sun in the woods when you find something to share bare for the joy when we walk anywhere in paths and trees in cemeteries, in streets and fields sharing ourselves with the light and the night within and around each other amen
MW Pentecost, May 31st, 2020
RUNNING OUT
I am running out of days everyone runs out in the end but don’t worry it’s not that bad world doesn’t stop for everyone at the same time it’s the end of the month the 31st and I promised to finish a book months ago years ago I guess this is the poem I wrote the night before not last night in my head before I went to sleep and then I forgot it
MW Pentecost, May 31st, 2020
RAIN
It is raining the wind is cold last day of May first day of June Pentecost Mostly end of the virus for Austria and around hopefully wish I could be with you wherever you are hope to see you soon take care
Someone has told me I should use my profession and set up a stall on the ground Maybe I could make over three hundred thousand per month, much more than with regular work at the hospital. I am moved at heart, but tangled up too. Should I give shots at my stall, or should I tell people their fortune or should I interpret their dreams? Stupid! It’s TCM, stupid! I have to offer Traditional Chinese Medicine! If anyone says I am doing it wrong, I call the cops and say he slanders and insults TCM.
This is a day when everyone outside is wearing a mask This is a day of restaurants closed This is a day of everyone rushing back home This is a day of walking and keeping your hands in your pockets This is also a day of an old man by the side of the road without a mask holding up frozen red hands with a sign against abortion
Shen Haobo AMERICA RUSHES INTO THE STREETS (Second version)
America holds down America America oppresses America America pleads with America America ignores America America kills America
America suffocates America cries for America America rushes into the streets America fights against America America burns America
America’s rocket shoots into the sky America’s blacks rush into the streets Remember that time? We are all people People massacre people
People fight and resist people People pursue freedom People thirst for equality The battle is not up in the sky Always has been down in the streets
June 1st, 2020 Translated by Martin Winter, June 2020
Picture by Wang @oa___aob
美国冲上街头 (修改)
美国摁住美国 美国压迫美国 美国哀求美国 美国漠视美国 美国杀死美国
美国窒息而死 美国哭喊美国 美国冲上街头 美国反抗美国 美国焚烧美国
美国火箭上天 美国黑人上街 记住这个时刻 我们都是人类 人类屠杀人类
人类反抗人类 人类追求自由 人类渴望平等 战场不在天上 从来都在街头
2020.6.1
Shen Haobo AMERICA RUSHES INTO THE STREETS
America holds down America America oppresses America America pleads with America America despises America America kills America
America can’t breathe and dies America cries for America America rushes into the streets America protests America America burns America
America’s rockets shoot into the sky America’s blacks take to the streets Remember that time We are all humans Humans govern humans Humans slaughter humans Humans resist humans
Humans have dreams Dreams soar up to the universe Humans crave dignity The greatest dignity Called freedom & equality The battle is not up in the sky Always has been down in the streets
June 1st 2020 Translated by Martin Winter, 6/2/2020
Time flies like light passing through blinds to the second shelf on the first book rack by the window, an old alarm clock between a few books of poetry, lingering on the second hand, as big as “Driftwood” by Luo Fu, but I still browse like an impatient youth to verify yellowing memories the umpteenth time.
The virus is rampant, we are stuck at home. Mother says, how much time has it been since we two have been together for such a long time? I try to think back, before I was 15 and went away to teaching school.
Jemand postet für eine Ausstellung internationaler Gedichte im Viruskampf die Liste der eingeladenen AutorInnen. Der erste Kommentar unten ist die Frage: „Da ist Jian Ming dabei, der ist doch schon voriges Jahr gestorben?“ Noch ein Kommentar: „Wu An ist bald fünf Jahre tot, hast du ihn gefragt ob er mitmacht?“ Ich les weiter und sage nichts. Vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung hat eine Sprecherin der staatlichen Künstlervereinigung verkündet: „Der große Dicher Ai Qing [Vater von Ai Weiwei, 1910-1996] wird auch bei uns live davei sein!“ Als ich das gehört hab hab ich kalten Schweiß gespürt. Jetzt passiert mir das nicht mehr. Wenn du mir heute sagst, Konfuzius plant ein Buch der Lieder gegen Corona bin ich überhaupt nicht überrascht.
One month ago, a little more, less than two the world went quiet. It had become quiet in China before accompanied by all sorts of noise. But when it arrived it was precious. There is strife here too, who caused it to spread, who didn’t close ski entertainment. But on the whole Austria or any place actually became like never before, except in or after the war, and that was very different, not that I was around. But no Nazis, for one. Yeah, maybe right after the war, they were also in hiding. Anyway, in times of peace, only one headline: Look Out For Youse, something like that, look out for yourself and each other, but in one word. Schaut auf Euch. And we were lucky. Take care!
NICHT ÜBERRASCHT – 江湖海 Jianghu Hai
5月 24, 2020Jiang Huhai
NICHT ÜBERRASCHT
Jemand postet für eine Ausstellung internationaler Gedichte
im Viruskampf die Liste der eingeladenen AutorInnen.
Der erste Kommentar unten ist die Frage:
„Da ist Jian Ming dabei,
der ist doch schon voriges Jahr gestorben?“
Noch ein Kommentar:
„Wu An ist bald fünf Jahre tot,
hast du ihn gefragt ob er mitmacht?“
Ich les weiter und sage nichts.
Vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung
hat eine Sprecherin der staatlichen Künstlervereinigung
verkündet: „Der große Dicher Ai Qing [Vater von Ai Weiwei, 1910-1996]
wird auch bei uns live davei sein!“
Als ich das gehört hab
hab ich kalten Schweiß gespürt.
Jetzt passiert mir das nicht mehr.
Wenn du mir heute sagst,
Konfuzius plant ein Buch der Lieder
gegen Corona bin ich überhaupt nicht überrascht.
März 2020
Übersetzt von MW im Mai 2020
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发表在 1910s, 1920s, 1930s, 1940s, 1950s, 1960s, 1970s, 1980s, 1990s, 1996, 2000s, 2010s, 2019, 2020, 20th century, 21st century, April 2020, February 2020, January 2020, March 2020, May 2020, Middle Ages, NPC, poetry, Translations, Uncategorized, 新世纪诗典, 江湖海 | Leave a Comment »